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Interview mit der AfD-Kandidatin für die Offenbacher Oberbürgermeisterwahl 2017

Christin Thüne (AfD): „Offenbach soll sich für vernünftige soziale Projekte beim Land starkmachen“

Montag, 31 Juli 2017 15:23 geschrieben von  Axel Frohmeier
Christin Thüne (AfD) möchte Oberbürgermeisterin von Offenbach am Main werden. Christin Thüne (AfD) möchte Oberbürgermeisterin von Offenbach am Main werden. Quelle: Christin Thüne

Offenbach am Main - Der Wahlausschuss der Stadt Offenbach hat sieben Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl zugelassen. Dabei handelt es sich um Peter Freier (CDU), Felix Schwenke (SPD), Peter Schneider (Grüne), Christin Thüne (AfD), Elke Kreiss (Linke), Muhsin Senol (FNO) und Helge Herget (Piraten). Die Oberbürgermeisterwahl wird am 10. September und eine mögliche Stichwahl am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, stattfinden. Per Brief kann bereits ab dem 31. Juli gewählt werden. Wahlberechtigt sind rund 90.000 der mehr als 130.000 Offenbacher. Nach Peter Schneider (Grüne), Felix Schwenke (SPD), Peter Freier (CDU), Helge Herget (Piraten) und Muhsin Senol (FNO) hat uns auch Christin Thüne ein Interview gegeben.

HESSEN DEPESCHE: Was hat Sie bewogen, in die AfD einzutreten?

Christin Thüne: Die verfehlte Euro-Politik unseres Landes. Keine Haftung für die Schulden anderer Länder zu übernehmen ist nur eine der Regeln, die zerstört wurden. „Wenn der Euro scheitert, dann scheitert Europa“ (Zitat Angela Merkel) – so ein Unsinn! Europa gab es schon lange vor dem Euro!

HESSEN DEPESCHE: Gehörten Sie vorher schon anderen Parteien an?

Christin Thüne: Ja, Anfang der 1980er-Jahre war ich bei den Grünen, 2005/2006 bei der FDP.

HESSEN DEPESCHE: Wie erklären Sie sich, dass Ihre Partei bei der Offenbacher Kommunalwahl aus dem Stand auf neun Prozent der Stimmen kam und damit auch noch die ebenfalls starke Linkspartei hinter sich ließ? Spielte der hohe Ausländeranteil Offenbachs bei AfD-Wählern eine Rolle?

Christin Thüne: Der hohe Ausländeranteil hat damit nichts zu tun. In der Tat spielte und spielt die Flüchtlingskrise eine Rolle – übrigens auch bei den hier lebenden Bürgern mit Migrationshintergrund. Als einzige Partei sprechen wir diese Problematik offen an und sind für viele Bürger eben die einzige Alternative.

HESSEN DEPESCHE: Wie gestaltet sich politisch und personell die Arbeit der AfD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung? Sind alle Ihre Fraktionskollegen parlamentarische Neulinge, oder hatte jemand schon mal ein kommunales Mandat inne?

Christin Thüne: Schwierig, da selbst gute, soziale und vernünftige Anträge aus Prinzip abgelehnt werden. Außer mir hatte noch keiner parlamentarische Erfahrung.

HESSEN DEPESCHE: Fühlen Sie sich von den anderen Stadtverordneten fair behandelt?

Christin Thüne: Gibt es in der Politik überhaupt Fairness? Abgesehen von einigen „Gutmenschen“, die das Grüßen anscheinend nie gelernt oder wieder verlernt haben, ist das Klima neutral.

HESSEN DEPESCHE: Wie man hört, wollten Sie eigentlich gar nicht als Oberbürgermeisterkandidatin antreten, sondern SPD-Mann Felix Schwenke unterstützen. Wie kam es dazu?

Christin Thüne: Da ich nun antrete, hat sich dieses Thema erledigt.

HESSEN DEPESCHE: Warum haben Sie sich dann doch für die Kandidatur entschieden?

Christin Thüne: Um Flagge zu zeigen.

HESSEN DEPESCHE: Sie bemühen sich in Ihrer Stadtverordnetenarbeit um ein soziales Profil für die sogenannten kleinen Leute. Das bringt Ihnen durchaus Sympathien ein. Wie wollen Sie Ihre Anliegen im Bereich Kultur und Soziales angesichts der Schutzschirmvereinbarung Offenbachs mit dem Land Hessen und den damit verbundenen Haushaltszwängen finanzieren?

Christin Thüne: Die Stadt Offenbach kann und soll sich gerade für vernünftige soziale Projekte beim Land Hessen starkmachen. Wenn Geld für eine neu erschaffene Stabsstelle „Sauberes Offenbach“ vorhanden ist, dann dürfte es auch nicht schwierig sein, etwas Geld für die sozial Schwachen übrigzuhaben.

HESSEN DEPESCHE: Mit welchem Wahlprogramm wollen Sie um die Stimmen der Offenbacher werben?

Christin Thüne: In Stichworten geht es mir um den Erhalt christlich-abendländischer Traditionen und Werte, kostenfreie Kita-Plätze, eine Deutschpflicht auf den Schulhöfen, das Vorantreiben der Schulbausanierung, den Stopp von Frühsexualisierung und Genderwahn, die Beibehaltung des Nachtflugverbotes, mehr Sicherheit für die Bürger auf der Straße (Waffen für die Stadtpolizei), die Wiederherstellung von Sauberkeit und Ordnung sowie die Stärkung des Einkaufsstandortes Offenbach. Die Stadt attraktiver zu gestalten und aufzuwerten, geht nicht mit noch mehr Billigläden und Imbissbuden. Darüber hinaus will ich Gebühren und Abgaben stabil halten, günstigen Wohnraum schaffen beziehungsweise fördern, Grünflächen erhalten und gegebenenfalls erweitern, die Zersiedelung stoppen, keine weiteren Baugebiete ausweisen und eine weitere Verschuldung der Stadt verhindern. Auch sollte die Fußgängerzone wieder „Fußgänger“-Zone werden, wie es der Name schon sagt. Ich will Bürgerbeteiligung bei neuen Bauvorhaben, die Bürger generell mehr mitentscheiden lassen, ein Verschleierungsverbot nicht nur in öffentlichen Gebäuden und den moslemischen Ausländeranteil verringern. Ziel ist die Selbsterhaltung und nicht die Zerstörung unseres Staates, unserer Städte und unseres Volkes. Die Bevölkerung soll selbst entscheiden dürfen, wer zu uns kommt. Qualität und Quantität sollten sich die Waage halten. Ich trete ein für die Beseitigung von Parallelgesellschaften, die Bekämpfung des Linksextremismus bereits an Schulen und die sofortige Rückführung abgelehnter Asylbewerber.

HESSEN DEPESCHE: Wie bewerten Sie die Amtszeit des scheidenden Oberbürgermeisters Horst Schneider?

Christin Thüne: Diese kann ich nicht bewerten, da ich ihn meistens nur auf seinem Fahrrad sah. Außerdem spricht man nicht über seine eventuellen Vorgänger.

HESSEN DEPESCHE: Was würden Sie als Oberbürgermeisterin konkret anders machen als der Amtsinhaber?

Christin Thüne: Als Frau handelt man vielleicht etwas anders als Männer.

HESSEN DEPESCHE: Was schätzen Sie persönlich oder politisch an ihren OB-Mitbewerbern Peter Freier (CDU), Peter Schneider (Grüne), Elke Kreiss (Linke), Muhsin Senol (FNO) und Helge Herget (Piraten)? Über Ihre Wertschätzung für Herrn Schwenke sprachen wir ja bereits.

Christin Thüne: Persönlich kenne ich die OB-Mitbewerber nicht, deshalb möchte ich mir auch kein Urteil erlauben. Politisch sind sie alle dem linken/rot-grünen Spektrum zuzuordnen. Bedenklich ist hier die bewusste Ausgrenzung meiner Person, zum Beispiel bei Podiumsdiskussionen. Das hat meines Erachtens nichts mit Demokratie zu tun.

HESSEN DEPESCHE: Wie bewerten Sie die Arbeit und den derzeitigen Zustand der Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern?

Christin Thüne: Sehr kritisch, denn die grüne Handschrift ist deutlich erkennbar und schadet einer Stadt wie Offenbach nur. Der Einfluss der FW und FDP ist kaum wahrnehmbar, der der CDU so gut wie gar nicht.

HESSEN DEPESCHE: Welches Ergebnis rechnen Sie sich am 10. September aus?

Christin Thüne: „Nach oben keine Grenzen.“

HESSEN DEPESCHE: Frau Thüne, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Zur Person: Christin Thüne ist 55 Jahre alt, geschieden und hat drei Kinder. In Offenbach lebt die AfD-Politikerin seit dem Jahr 2006. Aufgewachsen ist sie im Ausland, u.a. in Kuwait und Südamerika. Nach ihrem Abitur erwarb sie ein Spanisch- und ein Englisch-Diplom. Zu ihrem beruflichen Werdegang zählt auch eine abgeschlossene Ausbildung zur Hotelfachfrau, zur Industriekauffrau mit IHK-Abschluss, eine Ausbildungsbefugnis des Regierungspräsidiums Darmstadt (Kauffrau/-mann im Einzelhandel) sowie ein Studium im Bereich Ernährung/Hygiene. In ihrem Beruf als HFF war Frau Thüne einige Jahre im europäischen Ausland tätig. Als selbstständige Unternehmerin leitete sie ein Hotel und einen Einzelhandelsbetrieb. Als Betriebsleiterin, Hygiene(schutz)beauftragte und Qualitätsmanagerin lernte sie verschiedene Einrichtungen in Offenbach und Umgebung kennen. Zuletzt arbeitete sie als freiberufliche Dozentin und unterrichtete in den Fächern Deutsch und Englisch. Anfang der 1980er-Jahre war sie Mitglied der Grünen im Kreisverband Mannheim und 2005/2006 Mitglied in der FDP. 2014 wurde sie Unterstützerin und 2015 Mitglied der AfD.

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