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Deutschtürken fühlen sich durch überzogene Kritik an Özil und Erdogan angegriffen

HESSEN DEPESCHE im Interview mit Mehmet E. Göker: "Bin wieder da!"

Donnerstag, 06 September 2018 15:33 geschrieben von 
Mit Mehmet E. Göker ist offenbar wieder zu rechnen Mit Mehmet E. Göker ist offenbar wieder zu rechnen Quelle: HESSEN DEPESCHE

Kassel - Mehmet Ercan Göker (Jahrgang 1979) ist ein deutsch-türkischer Unternehmer, der mit der in Kassel ansässigen Unternehmung MEG Vertriebsgeschichte geschrieben hat. MEG wurde 2009 von der Aragon AG übernommen, über deren Vermögen nach kurzer Zeit das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Es folgte ein jahrelanges juristisches Tauziehen um die Geschäfte Gökers. Der gelernte Versicherungskaufmann erklärt im Gespräch mit HESSEN DEPESCHE, dass mit ihm wieder zu rechnen sei. Dessen Buch "Die Wahnsinnskarriere des Mehmet E. Göker" läuft sehr gut im Buchhandel. Göker erscheint nach wie vor sehr gefragt in Deutschland. Der Nordhesse mit türkischen Wurzeln sieht in der Integrationspolitik in Deutschland schwere Mängel und glaubt, dass sich nach dem Bashing gegen den früheren deutschen Fußball- Nationalspieler Mesut Özil weitere in Deutschland geborene Türken in die innere Immigration zurückgezogen haben. Auch der besondere Erfolg der AKP des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan unter den in Deutschland lebenden Türken erkläre sich durch eine einseitige und moraltriefende Berichterstattung in deutschen Leitmedien gegen das politische Werk Erdogans und die Türkei.

HESSEN DEPESCHE: Herr Göker, wie geht es Ihnen in der Türkei, woran arbeiten Sie gerade?

Mehmet E. Göker: Mir geht es wunderbar in der Türkei, ich bin sehr glücklich hier. Ich arbeite wie immer zeitgleich an mehreren Projekten. Unter anderem berate ich aktuell ein renommiertes Investmenthaus aus Norddeutschland. Ansonsten habe ich natürlich mein kleines, bescheidenes Unternehmen hier, mit dem wir Kunden in allen Versicherungsfragen beraten. Wir sind 17 Personen – wir beraten allerdings nur noch, verkauft wird nicht mehr. "Ansonsten gibt es natürlich noch einmal im Quartal meinen MEG-Master-Kurs, für den Privat- und Unternehmenskunden für den Preis von 6000 € für drei Tage zu mir kommen und von mir lernen."

HESSEN DEPESCHE: Ihr Buch "Die Wahnsinnskarriere des Mehmet E. Göker", erschienen im Finanzbuchverlag, ist auf Amazon immer noch Bestseller Nr. 1 in der Rubrik "Verkauf". Was bedeutet dieses Buch für Sie? Ist es nur ein weiterer Verkaufserfolg oder haben Sie eine besondere Beziehung zu dem Werk?

Mehmet E. Göker: Ich hatte nicht einfach so den Wunsch, ein Buch zu schreiben. Über die Jahre ist durch verschiedene Medienbeiträge und Dokumentationen das Interesse an meiner Person einfach enorm gestiegen. Wenn mich Deutschtürken irgendwo hier sehen, werde ich immer wieder angesprochen und kriege positive Feedbacks und Fotowünsche mitgeteilt. Außerdem wollte ich auch einfach mal einige Dinge korrigieren und so darstellen, wie sie wirklich waren. Mit dem Finanzbuchverlag hat sich dann ein toller Partner aufgetan, der bereits viele Biographien von berühmten Persönlichkeiten herausgebracht hat. Gemeinsam mit meinem Co-Autor Christian Schommers habe ich die Dinge dann einfach mal so erzählt, wie sie wirklich waren, nicht wie sie von anderen gedichtet wurden.

HESSEN DEPESCHE: Aktuell wird viel über in Deutschland lebende Türken, den Islam und die Integration diskutiert. Was sagen Sie zur aktuellen Diskussion in Deutschland?

Mehmet E. Göker: Ich kriege die Debatte sehr detailliert mit. Ich informiere mich jeden Tag über die Nachrichtenlage in Deutschland und habe viel Kontakt mit Deutschtürken. Ich rede von Türken, die in Deutschland geboren sind - ich kann Ihnen konkret vier Beispiele nennen: Alle vier sind in Deutschland geboren, alle vier sprechen Hochdeutsch wie Sie und ich, alle vier haben die doppelte Staatsbürgerschaft und in Deutschland Abitur gemacht. Zwei haben studiert, alle vier sind beruflich erfolgreich und verdienen gut. Wenn ich mich mit ihnen unterhalte, ist der Tenor immer der selbe: Wir sind Türken. Keine Deutschen. Das was mit Mesut Özil passiert ist, hat für viele Türken dazu beigetragen, sich noch einmal weiter vom Deutsch-Sein zu distanzieren. Deutschland hat es einfach irgendwann in den vergangenen Jahrzehnten verpasst, die super integrierten Ausländer als Deutsche anzunehmen. Wenn ich mich hingegen in den USA umhöre, in denen ich schon rund 15 Mal gewesen bin, und dort mit Türken, Arabern, Israelis oder Italienern rede, wird keiner sagen, er sei Türke, Italiener oder ähnliches. Die Antwort wird stattdessen immer lauten: Wir sind Amerikaner. Das hat Deutschland nicht geschafft. Warum? Das Beispiel Özil sagt alles! Er spricht in seiner „Abrechnung“ von eigenen Erfahrungen, die jeder Deutschtürke kennt. Als 22-Jähriger habe ich eine Wohnung gesucht und mir hat jemand am Telefon gesagt: „Das gute an dem Vierparteienhaus ist, dass es keine Kinder und keine Ausländer gibt.“ Das war vor 16 Jahren. Und diese Erfahrungen macht man als Türke immer wieder, immer wieder!
Wenn ich erfolgreich war, hieß es in Deutschland: „Das war der Türke!“ Bei Deutschen war es „der Michael“; heißt man Mehmet, war es „der Türke“.
Solange sich ein Türke in Deutschland an die Regeln hält – ich sage es jetzt ganz grob – sein Maul hält, sich anpasst, tut was sein Herr und Gebieter sagt – ich übertreibe jetzt bewusst – solange hat er sein Recht als Knecht an der Seite seines Herrn.
Das ist der Grund, warum so viele AKP wählen! Von den vier genannten Beispielen wählen drei AKP, darunter beide Frauen! Sie stehen zu hundert Prozent hinter Erdogan und zwar gerade, weil das in Deutschland so angegriffen wird. Je mehr man Menschen in eine Ecke drängt, desto mehr entsteht ein Gemeinschaftsgefühl – und Minderheiten halten immer zusammen.
Wenn man ein Kind in den Kindergarten bringt, stellt man es auch nicht hin und sagt: „Integrier Dich!“ Man muss das Kind heranholen und in die Gruppe integrieren. In Deutschland wird gesagt, wer herkommt, müsse sich integrieren. Dazu muss man die Leute aber auch abholen. Sonst ist es wie im Kindergartenbeispiel: Das Kind steht außen vor und weiß nicht, was es machen soll und dann wird er gehänselt.
Als ob von den Rechtsradikalen in Chemnitz, von der AfD, sich auch nur einer um den kubanisch-stämmigen Daniel kümmern würde. Die warten doch nur auf so etwas. Die warten auf einen Terroranschlag, um sagen zu können, sie hätten es ja gewusst. Das sind all diese Dinge, die die Integration mittlerweile nahezu unmöglich gemacht haben.

HESSEN DEPESCHE: Auf einer dubiosen Finanzmarktseite, gegen deren Betreiber zahlreiche Strafverfahren in Deutschland laufen, werden wilde Thesen über Ihr Leben in der Türkei, Ihre Verwandtschaft und Ihre Freunde verbreitet. Klartext: Ist da überhaupt etwas dran?

Mehmet E. Göker: Von dieser dubiosen Seite hatte uns jemand anonym angeschrieben, hier in der Türkei. Man werde einen Artikel über mich herausbringen und den könnte ich für 10.000 Euro abkaufen und so die Veröffentlichung verhindern. Auf so eine Erpressung haben wir nicht geantwortet. Daraufhin kam ein frei erfundener Artikel heraus, dass ich mit meiner Nichte ein sexuelles Verhältnis hätte. Die kriminelle Seite hat ein Impressum in den USA, um nicht verfolgt zu werden. Die Geschichten sind absoluter Schwachsinn.

HESSEN DEPESCHE: Herr Göker, vielen Dank für das Gespräch!

Letzte Änderung am Freitag, 07 September 2018 22:10
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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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