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Wenn Qualitätsmedien mal wieder dpa-Fakenews übernehmen

Jagd auf Petr Bystron (AfD): BR ändert klammheimlich falsche Überschrift

Mittwoch, 29 November 2017 20:59 geschrieben von  Birgit Stöger
Neues Logo der Deutsche Presse-Agentur (dpa) Neues Logo der Deutsche Presse-Agentur (dpa) Quelle: de.wikipedia.org

Greding - Am Wochenende übernahmen  einige „Qualitätsmedien“ eine dpa-Meldung über den AfD-Parteitag in Greding, in der die dpa nachweislich FAKE News verbreitete. Laut dpa will der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron Flüchtlinge, die in ihren unsicheren Heimatländer Urlaub machen, „selbstverständlich entsorgen“.  Dabei sagte Bystron in seiner viel umjubelten Rede, man müsse „solche Menschen“ wie die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) „selbstverständlich entsorgen“. Dabei nahm er für alle beteiligten (auch andere Reporter) gut wahrnehmbar Bezug auf seinen Kollegen Alexander Gauland. Nur der dpa-Berichterstatter Klaus Tscharnke aus Nürnberg hörte etwas anderes und schickte seine Version über den Ticker.

BR24, Focus Online sowie FAZ Net übernahmen bereitwillig, obwohl der Live-Mitschnitt der Rede von Bystron von dem Landesparteitag der bayerischen AfD in Greding am Samstag seit Samstag abend in voller Länge  online frei verfügbar war und somit leicht vor der Veröffentlichung von jedermann nachzuprüfen gewesen wäre, was Bystron wirklich gesagt hat. Die dezidierte Kritik des AfD-Bundestagsabgeordneten bezog sich auf das unsägliche Verhalten der Integrationsministerin Aydan Özoguz. Petr Bystron unterstrich die Aussage des Parteikollegen Dr. Alexander Gauland und bekräftigte diese, in dem er ebenfalls feststellte, dass man solche Leute „selbstverständlich entsorgen“ müsse.

„Qualitätsmedien“ berichtigen dpa-Fake-News äußert verhalten

Nachdem die dpa durch Bystron selbst darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei der Darstellung des Gesagten um eine glatte - freundlich ausgedrückt - Fehlinterpretation handelt, weigerte sich die Agentur eine Korrektur vorzunehmen. Unter Androhung rechtlicher Konsequenzen publizierte die die dpa dann am Sonntag eine aktualisierte Version.

Unter dem Druck der Berichterstattung von Jouwatch änderten alle Medien die Meldung: Als erste rang sich die FAZ, die ebenfalls die dpa-Meldung samt falschem Bystron-Zitat – und das gut platziert in der Artikelüberschrift- , zu so etwas wie einer „Richtigstellung“ zu veröffentlichen. Auf dem Onlineportal der Zeitung war abMontag die Headline „Scheidender AfD-Landeschef hält Abschiedsrede im Gauland-Jargon“ zu lesen. Im aktualisierten FAZ-Artikel selbst wird Bystron jedoch nach wie vor das alte, von der dpa ihm in den Mund gelegte Gesagte zugeschrieben. Im letzten Absatz des aktualisieren Artikels kommt gut versteckt die Erwähnung, dass Bystron die Aussage nicht auf Flüchtlinge, sondern auf Frau Özoguz bezogen habe.

BR ändert klammheimlich falsche Überschrift ab

Ebenfalls wurde der Bayerische Rundfunk  (BR24) am Montag von jouwatch danach gefragt, wann dieser gedenke, eine journalistisch saubere Richtigstellung ihrer  Falschmeldung zu veröffentlichen. Der zugesagte Rückruf nach angekündigter Rücksprache beim vor Ort berichtenden BR24-Reporter Florian Haas blieb bis zur Veröffentlichung des Artikels aus.

Indes verharrte der BR nicht untätig und auch hier- allerdings ohne den Hinweis einer Aktualisierung oder Richtigstellung – wurde die Überschrift klammheimlich der Wahrheit angepasst. Ab dem späten Montagnachmittag hieß es nun auch hier: „ Bystron will Integrationsbeauftragte Özoguz "selbstverständlich entsorgen. Im aktuellen BR24-Link ist jedoch  immer noch die ursprüngliche, falsche Zitatzuschreibung zu lesen: „https://www.br.de/nachrichten/bystron-will-urlaubende-fluechtlinge-selbstverstaendlich-entsorgen100.html

Allein der Focus wartet beharrlich mit der dpa-Fake-News vom Wochenende weiterhin in seinem Onlineangebot auf.

Die dpa, Deutschlands größter Nachrichtendienst mit mehr als 100 Auslandsvertretungen und zwölf Innlandsdiensten, fiel in der Vergangenheit bereits mehrfach durch Falschdarstellungen auf, wenn es um Berichterstattungen über die AfD ging. Und auch im aktuellen Fall würde es den selbsternannten „Qualitätsmedien“ wie BR24, FAZ oder Focus beim rasanten Vertrauensverlust in ihre Berichterstattungen gut zu Gesichte stehen, eine einmal als Fake-News enttarnte dpa-Meldungen vollumfänglich richtig zu stellen. Der aktuell verhuschte und möglichst unauffällige Umgang mit der Wahrheit verstärkt das redlich erarbeitet Misstrauen weiter.

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