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Publiziert in Politik

Motto des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) lautet „Für Glaube, Sitte und Heimat“

„Muslime können Schützenkönig werden“: Katholische Schützen im BHDS heißen Muslime willkommen

Dienstag, 14 März 2017 01:01 geschrieben von  Ralph Eichert
Schützenfreunde Schützenfreunde Dirk Schneider

Leverkusen - Zeitenwende bei den traditionsreichen katholischen Schützenvereinen: Bei seiner Bundesvertreterversammlung am Sonntag in Leverkusen hat der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) eine „umfassende Bereitschaft zum Miteinander mit Hinzugekommenen aus anderen Kulturkreisen“ beschlossen, wie es in einer BHDS-Mitteilung heißt. Mit breiter Mehrheit hat das sogenannte Schützenparlament die Öffnung der christlichen Bruderschaften für Muslime beschlossen und sie zum Königsschuss zugelassen, um Schützenkönig werden zu können.

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wurde 1928 unter dem Namen Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus gegründet. Er umfasst etwa 1.300 Bruderschaften mit 250.000 aktiven Schützen und 600.000 Mitgliedern und ist einer der größten Zusammenschlüsse von Schützenbruderschaften in Deutschland. Der BHDS versteht sich unter dem Dreiklang „Für Glaube, Sitte und Heimat“ als Dachorganisation der katholischen Schützen.

Auslöser des beschlossenen Richtungswechsels war der Fall eines muslimischen Schützenkönigs im westfälischen Werl. Der 36-jährige Mithat Gedik wurde im Jahr 2014 bei der zum BHDS gehörenden St.-Georg-Bruderschaft Schützenkönig, obwohl er nach den damaligen Statuten gar nicht hätte aufgenommen werden dürfen. In Paragraph 2 der BHDS-Satzung heißt es schließlich, dass man „eine Vereinigung von christlichen Menschen“ sei.

Dem türkischstämmigen Gedik wurde deshalb die Teilnahme am Bezirksschützenfest verwehrt und der St.-Georg-Bruderschaft der Rauswurf aus dem Dachverband angedroht. Der Verband legte ihm den Übertritt zum christlichen Glauben oder wahlweise den Rücktritt nahe. Mithat Gedik lehnte ab und erklärte forsch: „Da hab‘ ich gedacht: Leute, lasst mal die Kirche im Dorf. Mein Gott, dann gibt es eben einen muslimischen König.“ Später korrigierte der BHDS seine Entscheidung, und der Muslim durfte Schützenkönig bleiben.

Das Präsidium des katholischen Schützenbundes erklärte bei der Bundesvertreterversammlung in Leverkusen, es gehe darum, „durch gegenseitigen Respekt, Ehrlichkeit und Toleranz ein vertrauensvolles Miteinander mit allen gesellschaftlichen Kreisen zu ermöglichen“.

Gemeinsam mit Bundesschützenmeister Emil Vogt warb Monsignore Robert Kleine als Bundespräses bei den christlichen Schützenbruderschaften um Zustimmung für den neuen Orientierungsrahmen, der fortan die Aufnahme von Muslimen vorsieht, sofern sich diese zu den Zielen der Bruderschaften bekennen. Vogt erklärte unter Berufung auf Papst Franziskus, ihm sei auch mit Blick auf die Aufnahme von Asylbewerbern wichtig, dass die christlichen Schützen „jeden Menschen als Geschöpf Gottes anerkennen und ihm mit Achtung begegnen“. Der Bundesschützenmeister betonte, dass er „jede Form der Ausgrenzung“ ablehne.

Angesichts der religiösen und kulturellen Öffnung mahnte Vogt: „Wir dürfen bei aller Liberalität unser eigenständiges, christliches Profil nicht verlieren.“ Gerade diese Sorge treibt aber viele Schützen um, die auf „Glaube, Sitte und Heimat“ als Wertekanon verweisen.

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