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Vom Heimat-Horst und dem Schönbeter Peter

Asyl-Skandal als mundgerechtes Sonntags-Häppchen

Dienstag, 22 Mai 2018 11:55 geschrieben von 
Asyl-Skandal als mundgerechtes Sonntags-Häppchen Quelle: Claudio Michele Mancini

München - Damit war zu rechnen, zumal die Selbstverteidigung bei unseren Politikern zur schönen Tradition gehört, besonders, wenn es um vernichtende Nachrichten oder Skandale geht. Die Rituale, sich und die eigene Partei wie ein Bollwerk gegen eigene Unfähigkeit zu stellen, sind in solchen Köpfen genetisch festgelegt. Jeder Arzt würde dieser Berufs-Spezies sofort einen Krankenschein ausstellen.

Wenn die Gefahr besteht, dass der herkömmlicher Politiker mit treuherziger Miene und empörten Timbre im Unterton den selbst produzierten Bullshit uns Bürgern nicht mehr gänzlich verheimlichen kann, wird das Ausmaß der sich anbahnenden Katastrophe vorab in mundgerechte Häppchen seziert. Im Anschluss werden dem staunenden Publikum verdauliche „Müpfeli“ serviert, um es in Schweizerischer Mundart ein wenig schmackhafter zu erklären. Kauen und verdauen muss das Volk freilich selber.

Wir befinden uns nun im Stadium der Gefahr. BAMF überprüft weitere 13 Außenstellen und kündigt die Untersuchung von 8.000 fraglichen Asyl-Anträgen. Wir dürfen also getrost davon ausgehen, dass es sich bei der Anzahl dubioser Schiebereien im Amt um die „mundgerechte Version“ einer atemberaubenden Wahrheit handelt. Unser Heimat-Horst ließ nun wissen, dass er den für Migration zuständigen Abteilungsleiter inzwischen ausgetauscht hat. Hoffen wir, dass er einen Neuen gefunden hat, der ein wenig geschickter mit der Erteilung von illegalen Genehmigungen umgeht.

Ganz nebenbei erfahren wir, dass uns das bandenmäßige Durchwinken integrationswilliger Einreisenden 73 Milliarden Euro kosten wird. Demnach zahlten Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2016 netto mehr als 21 Milliarden Euro nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. 2015 waren es noch rund 5,2 Milliarden. Etwa 32 Milliarden Euro flossen dabei ins Ausland. Wohin im Einzelnen…? Man weiß es nicht, man forscht noch.

Doch zurück zu unserem Heimat-Horst, dessen Rolle man als Innenminister eher als Ankündigungsminister zu umschreiben müsste. Markus, der wilde Bayer hingegen stellt in Aussicht, die Grenzen notfalls für Flüchtlinge dicht machen zu wollen. Wieso eigentlich notfalls? Die Not ist doch längst eingetreten.

Nun ja, jetzt krempelt Christian Lindner die Ärmel hoch. Einen Untersuchungsausschuss will er einsetzen und die Arbeit des Bundesamtes für verfehlte Asylpolitik (BFVA) überprüfen lassen. Und nicht nur das. Jetzt will dieser smarte FDP-Schönling auch noch unsere Angela Merkel und deren Verantwortung aufklären. Alle Wetter! Das rasante Tempo, mit dem unsere alimentierten Politversager feststellen, dass seit 2014 irgendetwas nicht so läuft, wie es laufen soll, nimmt mir den Atem.

Wie formulierte er so knackig? "Es geht uns nicht um Anklagen, aber natürlich wäre eine Befragung der Kanzlerin, des Flüchtlingskoordinators Peter Altmaier und des damaligen Innenministers Thomas de Maizière unvermeidbar." Diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ich warne aber davor, nicht auch noch zu schlucken. Aber es kommt noch besser.

Luise Amtsberg, flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, sagte dagegen, der Ausschuss müsse "in erster Linie die Missstände im BAMF untersuchen, nicht die angebliche Grenzöffnung 2015“. Ach was…! „Angebliche Grenzöffnung?“ Ich frage mich, ob die Frau versehentlich Tinte gesoffen hat, denn mit Schnaps alleine kann man diesen intellektuellen Supergau nicht erreichen. Soweit ich mich erinnern kann, haben jede Menge grüne Humanitätsidioten an Bahnhöfen gestanden, Bärchen verteilt und sich darüber entrüstet, dass sich nicht halb Afrika in unserem Land eingefunden hat.

Kommen wir zurück zu den „verdaulichen Müpfeli“ und den 8.000 zu überprüfenden Anträgen. Ich möchte wetten, dass die Zahl nächsten Monat auf das Zehnfache ansteigen wird. Auf Regierungsebene wird entschieden, dass die Statistiker eine weitere Null am Ende der Zahl versehentlich unterschlagen, was nichts anderes bedeuten kann, dass wir in Wahrheit 800.000 Illegale im Land ernähren. Vielleicht erklären sich aber auch die atemberaubenden 32 Milliarden Euro, die von unseren Besuchern an die Verwandten überwiesen werden. Schließlich rechnen die reisefreudigen Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas mit angemessene Reisekosten.

Letzte Änderung am Freitag, 25 Mai 2018 01:35
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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.
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