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Gefühlte Ewigkeiten nach dem "Schulz-Effekt"

Beschleunigt oder verlangsamt sich der Zerfall der SPD unter Andrea Nahles?

Montag, 30 April 2018 19:23 geschrieben von 
Nun führt Andrea Nahles die SPD Nun führt Andrea Nahles die SPD Quelle: Claudio Michele Mancini

Berlin - Seit vielen Wochen dümpelt die SPD in der Gunst der Wähler im Bereich zwischen 17% und 19%, ein Wert, der die älteste Partei Deutschlands zu einem Provinzverein in der politischen Landschaft macht. Obwohl die Parteispitze der roten Loser bei jedem öffentlichen Auftritt mit der Einleitung beginnt, sich erneuern zu müssen, fragt sich der Bürger, was Berufsschwätzer und Heißluftverbreiter unter Erneuerung verstehen.

Klar ist: Der SPD sind die treuen Basiswähler längst abhanden gekommen. An wen soll man sich denn wenden, wenn die klassische Arbeiterschicht dermaßen zusammengeschrumpft ist, dass kaum noch einer dieser ehemaligen Malocher übriggeblieben ist?  Alte Strukturen gibt es nicht mehr. Sie heißen heute Facharbeiter, und denen muss man wahrlich nicht Gerechtigkeit predigen, zumal diese Klientel in der Regel haarscharf am Spitzensteuersatz vorbeischrammt. Wo will Nahles Zuwächse für die SPD generieren? Etwa bei den Sozialfällen? Bei Migranten etwa? Bei beschämend schlecht versorgten Rentnern? Die werden ihr etwas husten. Wer sich mit Verlierern identifiziert wird selbst zum Verlierer, eine Binsenweisheit, die eine Proletin vom Schlage Nahles nie begreifen wird, auch wenn die Höhe ihrer staatlichen Apanage den Grad ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit weit übersteigt.

Sozial Schwache sind die erklärte Zielgruppe der SPD, - schon immer gewesen. Wer sie fördern will, muss sich das Geld bei der zahlenden Mehrheit beschaffen. Wenn die jedoch nicht mitmacht, kann die ehemalige Arbeiterpartei Konkurs anmelden. Diesen Fehler hat Martin Schulz gemacht, Nahles ist drauf und dran ihn zu wiederholen. Dabei scheint es der Dame aus der unteren Etage der Gesellschaft nichts auszumachen, wenn die Presse ihr ein verheerendes Zeugnis ausstellt. Die SPD sollte sich allmählich auf eine Nahtod-Erfahrung einstellen, dann können sie wenigstens schon mal Vorsorge fürs eigene Begräbnis treffen.

Weder mit Geschrei noch mit dümmlicher Rhetorik kann man den Bürger mitreißen oder gar überzeugen. Überzeugungsarbeit braucht kein Gebrüll, sondern starke Argumente. Nach einem lauten Auftritt kann schon mal betretenes Schweigen herrschen, besonders bei den eigenen Wählern. Bätschi-Nahles scheint nicht begriffen zu haben, dass es für eine Erneuerung nicht ausreicht, sich Parteichefin zu nennen. Ja, sie scheint sogar noch dickfälliger zu sein, als unsere Kanzlerin, anderenfalls müsste sie längst wahrgenommen haben, dass sie in der eigenen Partei immer weniger Unterstützung hat. Da wird wohl eines Tages „Siggi der Beleibte“ wieder einspringen müssen. Man möchte unwillkürlich seinem geheimen Wunsch nachkommen, auf eine einsame Insel auszuwandern, um nicht länger diesem geistigen Elend der dreist auftretenden SPD-Spitze ausgesetzt zu sein.

Allem Anschein nach kann man in der SPD besonders schnell Karriere machen, wenn man sich durch aktive Verwendung kleinkindlicher Metaphern im Kreise vertrottelter Parteibonzen profiliert, denn seit einer Woche hat sie den Vorsitz in der Partei übernommen. Das nenne ich einen bemerkenswerten Karrieresprung mit unterirdischem Sprachduktus. Glücklicherweise ist man innerparteilich rotzfreches Kindergeplapper gewohnt, wobei ich der Meinung bin, dass man gerade hart daran arbeitet, durch geeignete Maßnahmen den derzeit herrschenden Intelligenzlevel nach unten zu korrigieren.

Beim breiten Publikum ist Nahles der Inbegriff einer Parteifunktionärin, die als Erwachsene keinen einzigen Tag in einem ordentlichen Beruf verbracht hat. Auch wenn sie durch jahrelanges üben inzwischen alle standardisierten Parteifloskeln beherrscht, bleibt zu konstatieren: Sie ist nicht die hellste Kerze auf dem staatlich alimentierten Versorgungskuchen. Mit ihren infantilen Ausbrüchen à la 'Bätschi', 'Kacke' und 'in die Fresse' beweist sie eindrücklich, aus welchem sozialen Milieu sie stammt. Es ist zweifellos eine der unteren Etagen. Ganz anders die AFD, die mit oft genug mit Mitgliedern der Bildungselite und brillanten Rednern, starken Argumenten und rhetorischen Könnern den Roten und Blauen das Fürchten lehren.

Die personelle Ausstattung der SDP gleicht eher einem tiefen Jammertal als einer wegweisenden Weiterentwicklung. Sie ist die personifizierte Beleidigung der durchschnittlichen Intelligenz deutscher Bürger. Wer Nahles und die SPD gewählt hat, sieht sich heute als ein politisches Opfer, das nur noch hoffen kann, dass die Nahles’sche Heimsuchung ihr baldiges Ende findet. Wie sagte einst Charles Pierre Péguy so treffend? Eine Partei lebt so lange von ihrem Kult, bis sie an der eigenen Politik stirbt. Böse Zungen streuen inzwischen das Gerücht, die SPD entwickle sich derzeit zu einer Partei der Sozialismushilfeempfänger und plane, sich in SSPD umzubenennen: Sich Selbst Prügelnde Demokraten.

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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.
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