hessen-depesche.de

Der Lack ist ab

Downgrading der Angela Merkel durch Donald Trump

Dienstag, 01 Mai 2018 19:21 geschrieben von 
Downgrading der Angela Merkel durch Donald Trump Quelle: Claudio Michele Mancini

Berlin - Wenn sich Angela Merkel bereits bei ihrer Wiederwahl schon schwertat, so beschleunigte sich ihr Niedergang in den ersten zwei Wochen nach ihrer Inthronisation. Doch der Besuch in den USA hat den freien Fall nun für alle sichtbar eingeläutet. Nicht nur die internationale Presse geht hart mit ihr ins Gericht. Der Verlust an Reputation, Einfluss und Respekt ist offenkundig.

Merkels mickrige Verhandlungs-Ausbeute war nur der Schlusspunkt eines geradezu entwürdigenden Empfangs im Weißen Haus, vergleicht man ihn mit dem prunkvollen Staatsspektakel für Frankreichs Präsidenten Macron. Der scharfe Gegensatz zur üppigen Begrüßung beider Staatsvertreter konnte nicht deutlicher ausfallen. Donald Trump zeigte der Welt, welche Wertschätzung unsere Frau Merkel in seinen Augen genießt. Der Lack der einst von renommierten Zeitungen in den USA als mächtigste Frau hochgelobte Kanzlerin ist ab.

Nicht nur Kanzlerin Merkel muss sich an ihre Nase fassen. Unser ganzes politisches Personal hat sich mit kleingeistiger Debattenkultur selbst zu einer lächerlichen Ansammlung bejammernswerter Bedenkenträger „downgegraded“. In der westlichen Welt wird uns eine tief verwurzelte Passivität unterstellt. Unserer sogenannten politischen Elite fehlt es an allem, was man für einen überzeugenden Auftritt benötigt, um ernst genommen zu werden. Wäre die weltpolitische Lage nicht so dramatisch, könnte man sich über die fehlende strategische und taktische Kompetenz nur noch amüsieren.

Deutschland versteckt sich, sobald ernste Themen auf dem Tisch liegen.  Parteigrößen debattieren sich ausschließlich der Profilierung und nicht der Lösung wegen über Nichtigkeiten, Petitessen und Belanglosigkeiten zu Tode. Niemand hat den Mumm, auch einmal Risiken einzugehen, besonders, wenn es um die schwierigen Fragen der Verteidigung oder der Sicherheit geht. Wir verschanzen uns hinter der schmachvollen Vergangenheit, um unseren Pazifismus zu rechtfertigen. Nirgends wird das deutlicher in der völlig verhundsten Flüchtlingspolitik.

Das Treffen zwischen Merkel und Trump ist mehr als nur gescheitert, es ist für unsere Kanzlerin ein Armutszeugnis, das mit der freundlich-nichtssagenden Vokabel „konstruktiv“ verpackt wird. Unübersehbar waren die Differenzen, die sich zwischen Trump und Merkel als unüberwindlicher Graben hinsichtlich Stil und Inhalt gezeigt hat. Ich frage mich, ob deutsche Journalisten, in Berlin, Frankfurt oder München noch alle Sinne beisammen haben, wenn sie dem Besuch in den USA auch nur ansatzweise etwas Positives abgewinnen können. Ich habe dergleichen nichts feststellen können. Den Vogel schoss die Berliner Zeitung ab. Sie titelte: „Mit diesen Fakten knackte Angela Merkel den Trump-Code.“ Dem Redakteur kann man bestenfalls „geistige Inkontinenz“ bescheinigen.

Ob nun Handelskrieg oder nicht, ob Trump aus dem Atomvertrag Irans aussteigt oder nicht, Angela hätte sich den Besuch sparen können, zumal auch Macron nichts erreicht hat, wenn man einmal von den präsidialen Küsschen absieht. Unsere alimentierten Selbstversorger in Minister- und Abgeordnetensessel haben nicht ansatzweise das Zeug, auf der internationalen Bühne mitzuspielen. Längst haben sie den rang politischer Loser eingenommen. Und Merkel hat den eigenen Absturz in die Bedeutungslosigkeit beschleunigt. Mit ihr wird auch die ganze Jämmerlichkeit der Parteiführer der Oppositionen offenbar. Ich kann nur für sie hoffen, dass sie sich beim Arbeitsessen nicht den Magen verdorben hat.

Artikel bewerten
(8 Stimmen)
Schlagwörter:
Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Team