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Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) droht die Abwahl

Grünes Lebensgefühl für Hessen?

Freitag, 19 Oktober 2018 15:25 geschrieben von 
Auch in Österreich boten die Grünen ein ganz neues Gender-Gefühl an Auch in Österreich boten die Grünen ein ganz neues Gender-Gefühl an Quelle: Claudio Michele Mancini

Wiesbaden - Da bahnt sich wieder etwas an. Kaum haben sich die treuen Gefolgsleute der CSU von ihrem Wahldebakel in Bayern erholt, deuten sie in Richtung Wiesbaden, um ihre eigene Schlappe vergessen zu machen. Dort will Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gerne sein Amt verteidigen und präsentiert sich derzeit mit altväterlichem Habitus in allen Medien mit der epochalen Nachricht: Es geht um Hessen! Er irrt. Es geht um seinen Kopf, und damit auch um den Stuhl von Kanzlerin Angela Merkel.

Schon vor hundertfünfzig Jahren war es in der Politik nicht immer ganz einfach, hohen Staatsbeamten den Laufpass zu geben. Otto Fürst von Bismarck behauptete deshalb: „Für das ordnungsgemäße Funktionieren eines Staates muss man turnusgemäß einige Minister und Staatsräte füsilieren.“ Offen gestanden, ich kann diesem Gedanken angesichts unserer derzeitigen Polit-Elite gewisse Sympathien abgewinnen. Nun ja, im Jahr 2018 versucht man über Wahlen Politiker loszuwerden, die während ihrer Amtszeit nichts Substantielles zustande gebracht haben.

So gesehen wäre man versucht, nicht nur die Mitglieder des Bundestages komplett auszutauschen, sondern auch das gesamte Führungspersonal der Alt-Parteien, völlig gleichgültig, welcher Farbe sie angehören. Die Umfragen der führenden Demoskopen lassen die Hoffnung aufkeimen, dass die SPD ihre Vorsitzende nach dem Wahlergebnis eiskalt abserviert. Das dürfte den Genossen nicht schwerfallen, immerhin haben sie als berüchtigte Königsmörder profunde Erfahrung. Innerhalb von 20 Jahren – also seit Oskar Lafontaine -, 11 Parteivorsitzende zu verschleißen, ist mehr als nur ein Nachweis für gnadenlose Selbstzerfleischung.

Welche Übungsfortschritte sich bei der SPD hinsichtlich der Eliminierung ihrer Parteivorsitzenden haben, zeigt sich in den immer kürzer werdenden „Ablöse-Zyklen“. Sigmar Gabriel (2014) – Martin Schulz (2017/18) – Olaf Scholz (2018) – Andrea Nahles (2018). Selbst ein genialer Geist wäre in solch kurzen Arbeitszeiträumen nicht in der Lage, positive Arbeitsergebnisse zu erzielen. Um wie viel illusorischer wäre ein signifikanter Fortschritt mit dämlichem Personal an der Spitze? Und dann fragen sich die Genossen, weshalb sich der Wähler mit Grausen abwendet?

Jetzt wird sich Thorsten Schäfer-Gümbel mit Verve in die Wahlschlacht begeben und mit hoher Kompetenz ungewollt den weiteren Niedergang der SPD vorantreiben. Auch er hat noch nicht bemerkt, dass sich seine Partei überflüssig gemacht hat. Arbeiterpartei? Das war mal. Engagement für die kleinen Leute? Lippenbekenntnisse, und das schon seit 100 Jahren. Die Grünen, avanciert zur Milieupartei, sind auf dem Vormarsch, und das mit kaum zu überbietender Inkompetenz. Ob die SPD die 19-Prozent-Marke überspringen wird, ist fraglich.

Sie dürfen in ihren „sozialen Ghettos“ missionarische Weltverbesserer gewinnen, die ihre eigenen Wertevorstellungen und gehobenen Lebensumstände zur Norm erhoben haben und keine Abweichung zulassen. Sei es in der naiv-verklärten Flüchtlingspolitik, in sozialen Bereichen oder beim Autofahrer, denen man am liebsten sofort die Karren still legen würde. Die Klientel der Grünen zeigen in der Regel keinerlei Kompromissbereitschaft mit ihrer gesellschaftlichen Umgebung. Auch in München konnte man das Phänomen beobachten, besonders in den Universitätsstädten.

In Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Fulda oder Gießen hat sich die „Bionade Bourgeoisie“ breitgemacht, eine militant grüne Wählerschicht, die in sündhaft teuren Stadtteilen und Innenstadt-Luxusaltbauwohnungen ihre eigene Welt mit totalitärer Attitude verteidigen. Bioläden, Ökofriseure, Bioweinhandlungen, Biogastronomie, Waldorfschulen oder Ökokindergarten, alles zu Fuß erreichbar, Einrichtungen, die sich kaum ein Normalverdiener leisten kann. Gott sei den einfachen Leuten mit geringem Einkommen gnädig, denn die haben einfach nur Pech gehabt.

Die Ausgegrenzten jedoch werden sicher nicht die CDU wählen. Sie werden bei den kleinen Parteien landen. Prognosen zufolge dürfte die AfD knapp 15 Prozent erreichen und aus dem Stand in den Landtag einziehen. FDP und LINKE werden wahrscheinlich ein paar Pünktchen hinzugewinnen. Es wird windig in Berlin. Das Koalieren dürfte keinem der Parteien besonderen Spaß machen, zumal in Berlin und Bayern nach der Wahl das große Stühlerücken ansteht.

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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.
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