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Kein Opportunist

Hans-Georg Maaßen sticht ins rote Wespennest

Dienstag, 06 November 2018 00:14 geschrieben von 
Hans-Georg Maaßen sticht ins rote Wespennest Quelle: Claudio Michele Mancini

Berlin - Hans-Georg Maaßen macht wieder von sich reden. Mit seiner Brandrede gegen angeblich „linksradikale Kräfte“ in der SPD, die seiner Meinung nach in Kooperation mit den Medien versucht hätten, ihn als „Vehikel“ zum Bruch der Koalition zu benutzen, hat er wohl mitten in ein Wespennest gestochen.

Der ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes hat im Oktober während eines Treffens der Chefs europäischer Inlandsgeheimdienste so richtig vom Leder gezogen. Der Spiegel berichtete, dass Maaßen seine Rede anschließend ins geschützte „Intranet“ des deutschen Verfassungsschutzes gestellt habe. Ich vermute, er wollte auch seinen ehemaligen Mitarbeitern eine kleine Freude bereiten. Kann man ihm ja nicht verdenken, nachdem die roten und grünen Parteispitzen aufgrund seiner von ihm bestrittenen Hetzjagd in Chemnitz selbst das Halali bliesen. Die gesamte rote Garde inclusive der Berufswinkerin Eva Högl oder dem gerade einem Ei entschlüpften Jungjuso Kevin Kühnert reagierten in schierer Wut.

Wie sagte Herr Maaßen in seiner Rede so griffig? „Ich habe bereits viel an deutscher Medienmanipulation und russischer Desinformation erlebt. Dass aber Politiker und Medien ‚Hetzjagden‘ frei erfinden oder zumindest ungeprüft diese Falschinformation verbreiten, war für mich eine neue Qualität von Falschberichterstattung in Deutschland.“

Nun ja, von Politikern frei erfundene Hetzjagden, die kritiklos via Medien dem Bürger ins Kleinhirn geprügelt werden, damit er auch glaubt, was er nicht sieht, das hat schon eine besonders infame Qualität. Jetzt folgt die Rache der Verlierer. Es haben sich die Staats-Sophisten formiert und fallen gemeinsam über den Behördenleiter her. Mit im Boot blutrünstige Blätter wie der Stern, links-indoktrinierte Medienmacher, selbstredend auch Wohlfühlgrüne. Sie zeigen mal dem Herrn Verfassungsschützer, wie eine richtige Hetzjagd auszusehen hat.

Maaßen muss entlassen werden, so schallt es aus allen Winkeln und Löchern. Und Seehofer gleich mit ihm. Jetzt wetzt unsere Polit-Elite die Messer, weil sich ein Beamter erdreistet, eine politische Meinung zu äußern. Und wehe, er bringt auch noch die Kanzlerin in Erklärungsnöte. Dann hast du als Mitarbeiter bis in die Steinzeit ausgeschissen, völlig gleichgültig ob du recht hast oder nicht. Quod licet iovi, non licet bovi, das wussten schon die alten Lateiner.

Aber jetzt mal „Butter bei die Fische“: Kaum anzunehmen, dass ausgerechnet der ausgebuffte Maaßen mit seiner gezielten Provokation die Reaktionen düpierter und zutiefst beleidigter Politiker nicht vorhergesehen hat. Er dürfte sogar höchstselbst dafür gesorgt haben, dass sein Traktat „zufällig“ ruchbar wurde. Mit 55 Jahren bei bester Versorgung in Pension zu gehen, das hat schon etwas Anheimelndes. Wer will sich in diesem Alter noch 10 Jahre lang dämlichen Vorgesetzten aussetzen? Ich würde das auch nicht wollen.

Wie räudige Hunde stürzen sich die Medien und Partei-Nullen aufs Stöckchen, das Maaßen mit Bedacht ins kläffende Rudel geworfen hat. Der STERN titelt heute: „Maaßen hat nichts dazugelernt.“ WELT, ZEIT, FAZ und ähnliche Blätter warten mit knackigen Überschriften auf. Maaßen sei ein Verschwörer. Er habe Kontakte zu Rechtspopulisten. Er stünde der AfD nahe. Am schönsten fand ich die Überschrift: Maaßen wird Mitglied bei der AfD. Aha…, denke ich mir, nur Kinderschänder hat ihn noch niemand genannt. Aber ich bin da guter Hoffnung.

Dass auch aus der grünen Ecke ein Statement zu erwarten war, darf man als unvermeidlich voraussetzen. Der grüne Habeck hat angeblich einen Schritt weitergedacht und geht auch seinen Chef Seehofer an, wobei der Terminus „denken“ im Zusammenhang mit den Grünen ein Euphemismus darstellt. Der Grünenchef schießt aus der Hüfte: Seehofer sei überfordert. Er hätte früher handeln sollen. Dass er an Maaßen festgehalten habe, zeige, dass der CSU-Chef der falsche Mann als Innenminister sei. Nun ja, politische Demenz und anmaßende Selbstüberschätzung soll ja besonders bei den Grünen weit verbreitet sein. Ich bin ohnehin der Überzeugung, dass die Mehrheit unserer Politiker evolutionär gesehen, einer Fehlentwicklung unterworfen waren. Wie gesagt, eine persönlich Annahme.

Ja, ja, jetzt gibt es ein Hauen und Stechen. SPD und CDU haben insgeheim Maaßens Rede dankbar zur Kenntnis genommen, liefert das auf einem Silbertablett servierte Maaß’sche Sakrileg den absaufenden Parteien und deren Bettvorleger die Möglichkeit, die eigene Unfähigkeit mit hysterischem Geschrei ein wenig zu überdecken. Auch die uns liebgewordenen Fernsehmoderatoren und Talk-Show-Clowns fühlen sich in ihrem weidwund angeschossenen Erziehungsauftrag bemüßigt, zum Generalangriff auf Maaßen zu blasen, zumal er deren Berichterstattung über die Chemnitzer Treib- und Hertzjagden ad absurdum geführt hat. Wahrheiten zu verbreiten werden eben nicht verziehen, schon gar nicht wenn man vorher so erfolgreich gelogen hat.

Ob nun Maaßen seine vorzeitige Pension beschleunigen will oder nicht, mit seiner Beschreibung über die reaktionär-linke Brut innerhalb der SPD und das Zusammenwirken mit Medien und Medienvertretern ist evident. Wir können täglich den Genossen und Genossinnen Claus Kleber, Dunja Hayali, Maischberger, Anne Will und wie sie alle heißen, mit ihren engagierten Umerziehungsprogrammen, Belehrungsorgien und Meinungssuggestionen im Fernsehen erleben.

Ich kann mich dabei nur zurücklehnen und dem Hans-Georg einen geruhsamen Lebensabend wünschen. Er hat ihn sich redlich verdient, wenn man in Betracht zieht, dass er ein politisches Lied hat singen zu müssen, was ihm arrogante  Polit-Dilettanten jahrelang vorgegeben haben.

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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.
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