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Aufrüttelnder Text nach dem Bombenanschlag von Manchester

Islamkritiker Hamed Abdel-Samad: „Europa gibt sich selbst auf“

Donnerstag, 25 Mai 2017 16:31 geschrieben von  Johann W. Petersen
Hamed Abdel-Samad auf der Frankfurter Buchmesse 2011 Hamed Abdel-Samad auf der Frankfurter Buchmesse 2011 Quelle: wikimedia.org | JCS | CC BY 3.0

München – Der bekannte Buchautor und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad hat nach dem Terroranschlag von Manchester auf Facebook einen Beitrag in englischer Sprache veröffentlicht, in dem er schwere Vorwürfe gegen Politik und Medien erhebt und die Selbstaufgabe Europas beklagt. Der zwischen Wut und Resignation angesiedelte Text gipfelt in den Worten: „Europa gibt sich selbst auf. Ich kämpfe nicht mehr für euch. Ich werde nur für mich selbst kämpfen, für meine Freiheit zu sagen, was ich sagen will, wie ich es sagen will und wo.“

Abdel-Samad wurde vorher offenbar von verschiedenen Medien kontaktiert, die seine Einschätzung zum Nagelbombenanschlag des mit dem „Islamischen Staat“ (IS) sympathisierenden Attentäters Salman Abedi hören wollten. In seinem Facebook-Text heißt es dazu: „Ich hasse es, wenn Journalisten und Radiostationen mich seit dem frühen Morgen anrufen, um meinen Kommentar zu Terrorattacken zu hören. Lange habe ich den Hörer nicht aufgenommen. Schließlich antwortete ich: Das einzige, das ich euch über diesen Anschlag sagen kann, ist, dass ich es nicht war. Ich kann euch nichts Neues sagen über meine Interviews und Bücher hinaus.“ Und er stellt die rhetorische Frage: „Warum sollte ich Leute beraten, die mir zuhören, aber danach weitermachen wie vorher?“

Der aus Ägypten stammende Publizist fährt fort: „Niemand will seine Komfortzone verlassen. Muslims bestehen darauf, dass Terror nichts mit ihrer Religion zu tun hat, und westliche Politiker wiederholen dasselbe Mantra nach jedem Anschlag: ‚Dies ist ein Anschlag gegen unsere Freiheit. Wir werden den Terroristen nicht erlauben, unsere Art zu leben zu ändern‘, aber sie verkaufen weiter Waffen an Saudi-Arabien.“

Abdel-Samad weist darauf hin, dass die IS-Terroristen die Lebensart der Europäer längst geändert hätten. „Schaut euch eure Flughäfen an und eure Regierungsgebäude, die von schwerbewaffneten Soldaten umgeben sind! Die Terroristen haben Angst in die Herzen von Millionen gepflanzt. Sie haben euch so in Furcht versetzt, dass ihr euch nicht einmal traut, eine Mohammed-Karikatur zu veröffentlichen“, so der Autor des Buches „Der Koran: Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses“.

Den Medienvertretern schreibt er schließlich ins Stammbuch: „Sie greifen nicht nur eure Freiheit an, sondern missbrauchen sie, sich frei bei euch zu bewegen und ihre Ideologie frei zu verbreiten, sogar in euren Schulen. Wenn das euer Lebensstil ist, den ihr nicht ändern wollt, dann seid ihr ein hoffnungsloser Fall. Dann habe ich keine Zeit für Kommentare, bloß um eure Sendezeit zu füllen.“

Hamed Abdel-Samad wurde als drittes von fünf Kindern eines sunnitischen Imams 1972 in Kairo geboren und wuchs in einem streng religiösen Elternhaus auf. Während seines Politikstudiums in Augsburg sagte er sich vom Islam los und dokumentierte dies 2009 in seiner Autobiographie „Mein Abschied vom Himmel“. Größere Bekanntheit erlangte der streitbare Publizist als Reisepartner von Henryk M. Broder in der ARD-Sendereihe „Entweder Broder“, die 2010 und 2011 in zwei Staffeln ausgestrahlt wurde. Abdel-Samads Bücher, beispielsweise „Mohamed – Eine Abrechnung“ oder „Der Koran: Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses“, rangieren stets weit oben in den Bestseller-Listen.

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