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Gelnhausener Liberaler für Energiepolitik mit Augenmaß

Main-Kinzig-Kreis: Kolja Saß (FDP) als „Don Quichotte“ gegen die Windräder

Donnerstag, 02 Juni 2016 21:11 geschrieben von 
Unternehmer und FDP-Politiker Kolja Saß Unternehmer und FDP-Politiker Kolja Saß Quelle: FDP Main-Kinzig-Kreis

Gelnhausen – Mit der Windkraft hat die FDP in vielen Bundesländern ein zugkräftiges Thema gefunden. Die Liberalen präsentieren sich als Skeptiker des massiven Ausbaus von Windkraftanlagen, den Bürgerinitiativen auch gerne als „Verspargelung“ der Landschaft bezeichnen, um die Problematik mit einem plastischen Bild auf den Punkt zu bringen. In manchen Regionen, etwa im sächsischen Vogtland, sind die Windräder mittlerweile zum Aufregerthema Nummer eins avanciert.

Auch im Main-Kinzig-Kreis ist die Windkraft ein Dauerbrenner, die Befürworter und Gegner stehen sich unversöhnlich gegenüber – auch in der politischen Arena. Als „Don Quichotte“ im Kampf gegen die Windräder gilt dort ebenfalls die FDP unter ihrem Kreisvorsitzenden Kolja Saß. Der Unternehmer aus Gelnhausen ist fest entschlossen, sein Wahlversprechen nicht zu brechen. Damit hat er schlechte Karten bei der Windkraftlobby – und nicht zuletzt deshalb sind Anfang Mai die Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen im Kreistag gescheitert.

FDP-Chef Saß erklärte dazu gegenüber der „Frankfurter Rundschau“: „Neben einer Erhöhung der Transparenz bei den Beteiligungsgesellschaften des Landkreises und einem deutlichen Ausbau der Wirtschaftsförderung stehen wir Freie Demokraten konsequent gegen den Bau weiterer Windkraftanlagen im Kreis. Während man sich bei den Beteiligungsgesellschaften und der Wirtschaftsförderung weitgehend einigen konnte, war dies bei der Windkraft nicht der Fall.“ Nun deutet alles auf eine Große Koalition zwischen den „Energiewendeparteien“ CDU und SPD hin.

Wie seine nordhessische Parteifreundin Wiebke Reich, die gegenüber der HESSEN DEPESCHE das Umfallen der Liberalen bei der letzten Regierungsbeteiligung auf Bundes- und Landesebene kritisierte und wörtlich sagte, die FDP habe sich an der Seite der Union „zu oft verbogen“ (https://www.hessen-depesche.de/politik/wiebke-reich-fdp-„wir-liberalen-vertrauen-auf-den-gesunden-menschenverstand“-cdu-ist-sehr-sozialdemokratisch-geworden.html), hat Kolja Saß erkannt, dass ein Einknicken in zentralen Fragen Gift für seine sich nicht nur in Hessen, sondern bundesweit wieder im Aufwind befindliche Partei wäre. Der FDP-Jungpolitiker verzichtet deshalb lieber auf einen Posten und nimmt schwere Anwürfe der zurückgewiesenen Fast-Koalitionäre auf sich. SPD-Kreistagsfraktionschef Klaus Schejna warf ihm vor, die Gespräche „unseriös beendet“ zu haben, Reiner Bousonville, Fraktionschef der Grünen, sprach von „null Kompromissbereitschaft“ und „Politikunfähigkeit“. Saß ficht dies nicht an, ist er doch gewillt, das Vertrauen seiner Wähler nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Der 28-jährige Finanzexperte ist der neue Shootingstar der FDP im Main-Kinzig-Kreis. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Gelnhausen absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann und zum Versicherungsfachmann. Letztere schloss er 2009 mit IHK-Zertifikat ab und ist seitdem als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler tätig, seit 2010 als geschäftsführender Gesellschafter der Hanauer Bestens Beraten GmbH, die von Immobilienfinanzierung bis zu Versicherungen und Vorsorge die traditionellen Felder der Finanzdienstleistungen abdeckt.

Außerdem ist der findige Unternehmer Chef der Unternehmensberatung Armbrust Saß UG sowie der WDL Westdeutsche Liegenschaften GmbH, die mit Haus- und Mietverwaltung, dem Ankauf und der Aufteilung von Baugrundstücken sowie der Vermittlung von Bauleistungen befasst ist. Mancher nennt Saß daher auch einen „Hansdampf in allen Gassen“, der sich aufgrund seiner unternehmerischen Tätigkeit politische Unabhängigkeit bewahrt hat.

Politisch engagiert sich Saß seit 2007 in der FDP, seit 2009 gehört er dem Vorstand des Ortsverbandes Gelnhausen an, von 2014 bis 2015 war er stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Main-Kinzig, 2015 wurde er zum Kreischef gewählt, seit 2016 ist er Stadtverordneter in Gelnhausen und Fraktionsvorsitzender der Liberalen Kreistag des Main-Kinzig-Kreises.

„Wir müssen mit glaubwürdiger liberaler Kommunalpolitik die Wähler gewinnen“ – so das Credo, das Saß nach seiner Wahl zum FDP-Kreisvorsitzenden im März 2015 (mit 39 Ja- bei vier Gegenstimmen) ausgegeben hat. Das bedeutet für ihn eben auch, in der Windkraft-Frage auf Kurs zu bleiben. Hierbei betont der Gelnhausener oft und gern, dass er nichts gegen Erneuerbare Energien habe, doch neben der Gefährdung von Natur und Landschaft bei einem weiteren Windkraftausbau stören ihn und die FDP vor allem die EEG-Umlage die damit verbundene dauerhafte Subventionierung des Windstroms. Wie im Berufsleben setzt Kolja Saß hier in urliberaler Tradition auf den Markt. Bei immer mehr Bürgern in der Region stößt er damit auf offene Ohren.

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Michael Krug

Michael Krug (Jahrgang 1974) kam vor Jahren aus dem norddeutschen Hamburg nach Sachsen.

Seine alte und seine neue Heimat verbindet die Elbe. Heute pendelt er zwischen Dresden und Frankfurt am Main. Ursprünglich aus der volkswirtschaftlichen Richtung kommend, entwickelte sich der studierte Journalist zu einem Vollblutberichterstatter aus Politik, Medien, Lifestyle, Kultur und Wirtschaft. Seit Mai 2016 gehört er unserer Redaktion an.

Webseite: https://www.hessen-depesche.de/show/author/60-michael-krug.html
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