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Wer folgt im Vorsitz auf Angela Merkel?

Merz, Spahn, Kramp-Karrenbauer: Ein Überblick über die CDU-Kandidaten

Donnerstag, 08 November 2018 20:30 geschrieben von 
Merz, Spahn, Kramp-Karrenbauer: Ein Überblick über die CDU-Kandidaten Quelle: CDU Rodgau

Hamburg - Zwölf Kandidaten haben ihren Hut für die Wahl des nächsten CDU Parteivorsitzenden schon in den Ring geworfen. Drei davon – Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz – gehören zu denen, die realistische Aussichten auf eine Wahl haben.

Spahn: Inhaltlich flexibler, wenig beliebter Merkel-Kritiker

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, gilt parteiintern als Kritiker Merkels und wird vor allem von der Jungen Union gestützt. Spahn bespielt zwar aktuell die Migrationsproblematik und dennoch ist der bekennende Homosexuelle eigentlich dem linksliberalen Lager zuzuordnen: Er leitete schon vor Jahren die „Pizza-Connection“ – ein Bündnis von CDU- und Grünen-Abgeordneten, die in einem Gesprächskreis Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit ausloten wollten. Künftig will das Bündnis – jetzt natürlich aktuell wie nie – wieder tagen. Dann wird Spahn jedoch nicht mehr dabei sein, er bespielt jetzt stärker den konservativen Flügel. Doch auch diesen hat er mit Ausnahme der Jungen Union mit dem Auftreten von Friedrich Merz verloren: Zu jung, unglaubwürdig und inkompetent wirkt Spahn einfach neben Friedrich Merz, bei dem viele den Nimbus der alten, erfolgreichen CDU-Zeiten spüren. Ein Sieg von Spahn erscheint dabei bereits jetzt sehr unwahrscheinlich.

Merz: Ein konzertierter Angriff aus der Deckung mit bislang großem Erfolg

Friedrich Merz hatte sich bereits im Rahmen der schwarz-gelben Landesregierung in NRW langsam in Stellung gebracht, als er von dieser als Brexit-Beauftragter ernannt wurde. Bereits kurz nach seiner jedenfalls für Außenstehende überraschenden Kandidatur, outeten sich zahlreiche prominente Unterstützer, was auf eine konzertierte Aktion schließen lässt. Auch die Medien – vor allem die BILD-Zeitung – feierten ihn sofort wie einen Messias. Erstaunlich: Umfragen zufolge kommt Merz bei AfD- und vor allem bei FDP-Wählern sogar besser an, als bei Unionsanhängern. Ob insbesondere die AfD-Anhänger zu einer Merz-CDU zurückkommen würden? Betrachtet man die aktuellen Forderungen von Friedrich Merz nach einer europäischen Armee, einer europäischen Arbeitslosigkeitsversicherung und überhaupt mehr EU, dann erscheint das auf die lange Sicht zumindest fraglich. In seiner aktiven Zeit als Politiker war Merz - anders als in aktuellen Umfragen - im Volk ziemlich unbeliebt, landete einmal in einer Beliebtheitsumfrage sogar auf dem vorletzten Platz. Mit seinen "Nebenjobs" im Finanzsektor und seinem kosmopolitisch-liberalen Duktus böte er wohl rechts wie links einiges an Angriffsfläche und ist auch in der CDU bereits jetzt durchaus umstritten.

Kramp-Karrenbauer: Merkels Wunschkandidatin darf auf die Delegierten hoffen

Definitiv keine AfD-Wähler anziehen dürfte die Dritte im Bunde, Annegret Kramp-Karrenbauer: Sie ist ganz klar die liberale Kandidatin, eine Art Merkel 2.0. Dass sie auch die Favoritin der Bundeskanzlerin ist und nicht ganz zufällig zur Generalsekretärin gekürt und in ein prominentes Amt gehievt wurde, ist eine Selbstverständlichkeit. Sie wäre sicherlich vor allem für die Grünen die attraktivste Parteivorsitzende in Hinblick auf mögliche Bündnisse. Doch auch in der Mitte der Partei punktet sie mit ihren Regierungserfolgen im Saarland, wo etwa schon seit langem die medizinische Altersfeststellung bei minderjährigen Flüchtlingen betrieben wird. So richtig gegen sie ist eigentlich niemand in der Union – ein nicht zu unterschätzender Vorteil in einer stabilitätsliebenden Partei.

Am Ende erscheint folgendes Szenario am wahrscheinlichsten: Spahn wird irgendwann mit expliziter Wahlempfehlung für Merz zurückziehen und Kramp-Karrenbauer und Merz den Kampf um den Vorsitz unter sich ausmachen. Während Merz im Volk und bei den Parteimitgliedern einen leichten Vorteil hat, dürfte Kramp-Karrenbauer bei den Delegierten, die sie schon mit über 90 Prozent zur Generalsekretärin gewählt haben, einen leichten Bonus genießen. Wie groß dieser ausfällt, wird letztlich die Wahl entscheiden.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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