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Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster zu Gast im Landtag

Michael Boddenberg (CDU): „Die Wiedererrichtung jüdischer Gemeinden ist ein historischer Glücksfall“

Donnerstag, 18 Mai 2017 17:17 geschrieben von 
Michael Boddenberg (CDU) Michael Boddenberg (CDU) Quelle: Michael Boddenberg

Wiesbaden – Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat am Mittwoch bei einer Veranstaltung der hessischen CDU-Landtagsfraktion in Wiesbaden dazu aufgerufen, Antisemitismus in jeglicher Form zu bekämpfen. Es dürfe keine „Kultur des Wegsehens“ geben, so Schuster, der CDU-Reihe „Große Debatten“ einen Vortrag zum Thema „Antisemitismus und jüdisches Leben in Deutschland“ hielt.

Der Zentralratsvorsitzende forderte einmal mehr die Ernennung eines unabhängigen Antisemitismus-Beauftragten im Kanzleramt und eine Erinnerungskultur, die den Holocaust als Mahnung an heutige Generationen begreife. In der Debatte um eine deutsche Leitkultur, die unlängst von Bundesinnenminister Thomas de Maizière angestoßen worden war, mahnte Schuster zu mehr Gelassenheit.

Nach der Veranstaltung im Landtag bekräftigte der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Boddenberg: „Die deutsche Geschichte und die israelische Geschichte bleiben für immer miteinander verwoben. Die Erinnerung und die Identität beider Staaten sind wechselseitig aufeinander bezogen. Das Existenzrechts Israels gehört zur deutschen Staatsraison. Die besonderen Beziehungen beider Länder sind dabei sowohl die Folge historischer Verantwortung, als auch gemeinsamer Werte und gemeinsamer Interessen.“

Die Erinnerung an den Holocaust, der Kampf gegen Antisemitismus und der Schutz jüdischen Lebens sei eine Verpflichtung aller Bürger, die höchste Priorität habe. „Ich schäme mich dafür, dass im Jahr 2015 mehr als 1300 antisemitische Straftaten in Deutschland registriert werden mussten; im zurückliegenden Jahr verzeichneten die Behörden der Länder zudem in vielen Fällen einen deutlichen Anstieg einschlägiger Straftaten“, so Boddenberg.

Der CDU-Fraktionschef nannte die Wiedererrichtung jüdischer Gemeinden in Deutschland einen „historischen Glücksfall“, der Staat und Gesellschaft besondere Anstrengungen zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland abverlange. „Trotz der Shoah reichten die Wurzeln des Judentums in Deutschland zum Glück tiefer als der menschenverachtende Nationalsozialismus“, erklärte der CDU-Politiker, der zugleich die herausgehobene Bedeutung der deutsch-israelischen Beziehungen unterstrich. „Diese einzigartigen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel haben auch in Hessen vielfältige Exponenten wie die zahlreichen Schul-, Hochschul- und kommunalen Partnerschaften, die Initiativen der Wirtschaft, der Kirchen und privater Träger sowie die beispielhafte Intensivierung der pädagogischen Zusammenarbeit zwischen dem Hessischen Kultusministerium und der Gedenkstätte Yad Vashem“, so Boddenberg.

Dr. Josef Schuster wurde 1954 in Haifa/Israel geboren. Er studierte Medizin in Würzburg und ließ sich 1988 als Internist in einer eigenen Praxis nieder. Seit 1998 ist der Mediziner Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken, seit 2002 steht er als Präsident dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern vor. 1999 trat er in das Präsidium des Zentralrats der Juden ein und war von 2010 bis 2014 dessen Vizepräsident. Am 30. November 2014 wurde Schuster zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt.

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Michael Krug

Michael Krug (Jahrgang 1974) kam vor Jahren aus dem norddeutschen Hamburg nach Sachsen.

Seine alte und seine neue Heimat verbindet die Elbe. Heute pendelt er zwischen Dresden und Frankfurt am Main. Ursprünglich aus der volkswirtschaftlichen Richtung kommend, entwickelte sich der studierte Journalist zu einem Vollblutberichterstatter aus Politik, Medien, Lifestyle, Kultur und Wirtschaft. Seit Mai 2016 gehört er unserer Redaktion an.

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