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Publiziert in Politik

Hoffnung auf "Jamaika"

Neues von Roland Koch

Mittwoch, 28 Dezember 2016 23:07 geschrieben von 
Roland Koch Roland Koch Quelle: Roland Koch

Wiesbaden - Seit Roland Koch in die Wirtschaft wechselte und der Politik den Rücken kehrte, ist es um den einst als CDU-Rechtsausleger verschrienen ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten ruhiger geworden. 
Gelegentlich meldet sich Roland Koch allerdings noch zu Wort: In den letzten Wochen war seine Einschätzung in Anbetracht der unionsinternen Konflikte und der aus den Fugen geratenen westlichen Welt besonders gefragt. Seine Aussagen sind interessant, bestätigen aber auch seine Kritiker: Die Anti-Doppelpasskampagne und Aussagen wie „Ich lasse mir von Türkenvertretern nicht den Mund verbieten“ erscheinen im Lichte seiner jüngsten Äußerungen in der Tat als reiner Populismus, hinter dem Koch inhaltlich überhaupt nicht stand. „Alles, was nicht verfassungswidrig ist, muss ins Parlament“, sagte er etwa im Rahmen einer Podiumsdiskussion anlässlich des 70. Geburtstags des Bundeslandes Hessen in Wiesbaden. Andernfalls würden „radikale Parteien“ – also solche, die die harten Standpunkte auch ernst meinen – reüssieren.

Roland Koch sieht die Gefahr einer übermächtigen AfD im Bund

Gegenüber dem SPIEGEL sagte Koch in einem Interview Mitte November, die Parteien müssten nun „mit Sachkunde und Emotion für eine liberale Weltordnung und die soziale Marktwirtschaft kämpfen“. „Ganz wichtig“ für Deutschland sei – und die Deutlichkeit dieser Aussage überrascht – dass die große Koalition im Bund nicht fortgeführt werde, meint Koch zudem. Andernfalls würde die AfD bald womöglich wie die österreichische FPÖ im Bund stärkste Partei werden. Doch bei der kommenden Bundesversammlung zur Wahl des nächsten Bundespräsidenten wird der Hesse noch einmal höchstpersönlich für Schwarz-Rot stehen: Er wird im Namen der hessischen CDU dort abstimmen und vermutlich Frank-Walter Steinmeier (SPD) zum Staatsoberhaupt küren.

Koch wünscht sich die Jamaika-Koalition

Am liebsten wäre Koch übrigens eine Koalition aus Union, Grünen und FDP. Doch dazu müssten sich bei den Grünen „die Kretschmänner“ durchsetzen. Noch vor sechs Jahren hörte sich Kochs Einschätzung der Grünen, die heute in Hessen völlig geräuschlos mit der CDU regieren und – wie Kritiker sagen – ihr völlig ihren Kurs aufgedrängt haben, noch ganz anders an: „Schwarz-Grün ist geisteskrank!“, rief er auf einer politischen Aschermittwochsveranstaltung in Nordrhein-Westfalen der jubelnden Basis zu.

Ob Roland Koch noch einmal in die Politik zurückkehrt? Die jüngste Interview-Häufung - gerade stand Roland Koch auch der FAZ zu Wirtschafts-Themen Rede und Antwort – als Zeichen dafür zu werten, ginge wohl zu weit. Aber ein paar konservative Schmankerl des einstigen spiritus rector könnte die als „Stahlhelm-Truppe“ verschriene und als grüner Bettvorleger gelandete Hessen-CDU im kommenden Landtagswahlkampf mit Sicherheit gebrauchen.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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