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Stromtrassen-Kompromiss

Trassengegner kritisieren Horst Seehofer

Donnerstag, 25 Juni 2015 13:48 geschrieben von 
Horst Seehofer Horst Seehofer Quelle: CSU

München - Die Energiewende ist ein kompliziertes Unterfangen. In den letzten Tagen ist es etwas ruhig um die Forderung der bayerischen Staatsregierung geworden, die SuedLink-Trasse größtenteils durch Hessen und Baden-Württemberg zu verlegen. Stattdessen protestierte die Regierung um Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) massiv gegen die von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) angekündigte Zwischenlagerung von neun Castor-Behältern im bayerischen AKW-Standort Isar.

Nun könnte es möglicherweise einen Kompromiss in der Frage der Stromtrassenverlegung geben. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte nun an, dass bei dem jahrelangen Streit um die beiden Höchstspannungstrassen eine Einigung bevorstehe. Es solle laut Gabriel zwar sowohl bei der SuedLink-Trasse als auch bei der Südost-Kuppelleitung bleiben, man wolle Bayern aber entgegenkommen. So solle die Südost-Leitung auf einer bereits bestehenden Leitung verlaufen, die letzten Kilometer gar als Erdkabel. Auch bei der SuedLink-Trasse sei man zu Änderungen bereit.

In der CSU gibt man sich feierlich, man sei mit seiner Verweigerungshaltung seinem Ziel einen gewaltigen Schritt näher gekommen. Seehofer dazu wörtlich: „Wir sind noch nicht fertig, aber wir sind auf einem guten Weg.“ Er werde aber nichts unterschreiben, was nicht den bayerischen Interessen entspreche.

Die gegen die Stromtrassen protestierenden Bürgerinitiativen werten Seehofers Reaktion als Einknicken. Hubert Galozy vom Aktionsbündnis gegen die Höchstspannungsleitungen sagte dazu: „Die Ansage nach dem Energiedialog war eindeutig: Zwei minus X. Wenn jetzt beide Trassen kommen, ist das nicht nur ein fauler Kompromiss. Dann ist das eine Verarschung der Leute.“ Noch vor wenigen Wochen hatte Seehofer gesagt, dass er die Ansichten der Trassengegner teile. Galozy dazu weiter: „Die jetzige Wende ist hochgradig enttäuschend. Aber wir werden unseren Kampf fortsetzen.“

Auch Hubert Weiger vom Bund Naturschutz nannte den anstehenden Kompromiss eine „schallende Ohrfeige für die Bevölkerung und die Umwelt“. Laut Weiger habe Seehofer „seine Glaubwürdigkeit an der Garderobe abgegeben“.

Die Trassengegner sprechen sich dafür aus, dass Bayern den benötigten Strom selbst produzieren soll. Doch das würde wohl dem Gesamtkonzept der Energiewende, auf regenerative Energiequellen umzusteigen, entgegenstehen. Die Energiewende bleibt ein komplizierter Prozess, weil sie nicht von allen Beteiligten ernst genommen wird.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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