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Münster und Cottbus:

Was die mediale Berichterstattung über die Presse verrät

Montag, 09 April 2018 14:05 geschrieben von 
Was die mediale Berichterstattung über die Presse verrät Quelle: Ramin Peymani, Photo by geralt | pixabay

Frankfurt am Main - Angesichts der schrecklichen Bluttat von Münster ist untergegangen, dass am Tag zuvor ein 25-Jähriger mit einem Geländewagen in Cottbus absichtlich in eine Gruppe von Passanten gefahren war. Es gab glücklicherweise keine Toten und der Täter hat sich zwischenzeitlich gestellt. Angeblich soll ein Streit vorausgegangen sein. Eine Alltagsmeldung vielleicht, die aber auf erschreckende Weise eine Verrohung dokumentiert, die weit fortgeschritten ist. Deutlich gemacht hat dies erst recht der Anschlag in Münster. Abgesehen von der Tatwaffe, unterscheiden sich die beiden Angriffe allerdings grundlegend: Hier die spontane Wuthandlung nach einer Auseinandersetzung, da der kaltblütig geplante Mordanschlag. Hier ein offenbar fremdenfeindlicher Drogenkonsument, da ein psychisch Gestörter ohne jedes politische Motiv. Vor allem aber unterscheiden sich die Taten von Cottbus und Münster in der Berichterstattung. Während sämtliche Medien von einem “Fahrzeug” titelten, das in Münster in eine Menschenmenge gefahren sei, weil sie zunächst nicht ausschließen konnten, dass der Anschlag einen islamistischen Hintergrund haben könnte, berichtete die Titelzeile zum zeitgleich publizierten Cottbuser Angriff von einem “Mann”, der seinen Geländewagen in eine Fußgängergruppe gesteuert habe. Während also die Headline zu Münster den Verursacher in den Hintergrund treten und bestenfalls als Insassen des zum Subjekt erklärten Tatfahrzeugs erscheinen lässt, macht die Überschrift zu Cottbus unmissverständlich klar, wer hier aktiv und bewusst eine furchtbare Straftat begangen hat.

Die Erleichterung der Journalisten über einen “deutschen” Täter war anschließend förmlich mit Händen zu greifen

Es sind diese Nuancen, mit denen der “unpassende” Täter medial entmenschlicht und eine Tat von der emotionalen auf die Sachebene gehoben werden soll, während man den “passenden” Täter so früh wie möglich benennt, um der Tat ein Gesicht zu geben. Nach dem Münsterer Attentat gingen selbst die Behörden in den ersten Stunden von einem terroristischen Anschlag nach dem inzwischen dutzendfach bekannten islamistischen Muster aus. Zu sehr schien alles auf einen weiteren heimtückischen Angriff eines religiösen Fanatikers hinzudeuten. Es ist geübte Praxis, die Aufmerksamkeit  in diesen Fällen vom Täter wegzulenken, damit nicht schon wieder der Islam in Verbindung mit einem Selbstmordattentat in die Schlagzeilen gerät. Denn der erste Eindruck zählt – da zieht man sich lieber technokratisch auf das Fahrzeug als Ersatztäter zurück. Mit dieser Entemotionalisierung haben gerade Deutschlands Medien immer wieder ihre Eilmeldungen zu gerade verübten islamistischen Attentaten aufgemacht. Also auch in Münster. Die Erleichterung der Journalisten über einen “deutschen” Täter war anschließend förmlich mit Händen zu greifen. In Cottbus hingegen war von Beginn an klar, dass eine religiöse Motivation ausgeschlossen werden konnte. Vor allem wurde früh mitgeteilt, dass der Täter dem rechten Milieu entstammen soll. Gerne lässt man ihn da so deutlich wie möglich vor dem geistigen Auge des Lesers erscheinen. Fahrzeuge, die sich losreißen und Morde begehen, scheiden dabei aus.

Der Normalbürger stumpft ab, weil ihn die schiere Masse der Taten überwältigt und weil die Presse bestimmte Täter schont

Die Taten von Münster und Cottbus werfen ein Schlaglicht auf eine besorgniserregende Entwicklung: Noch vor wenigen Jahren hätten arglose Fußgänger nicht mit einem gezielten Angriff durch Autofahrer rechnen müssen. Heute müssen sie es. Immer und überall. Sogar durch Menschen, die nicht im Namen der Religion morden. Gleiches gilt für die mittlerweile allgegenwärtigen Attacken mit Stichwaffen. Bis 2015 war es unvorstellbar, dass banalste Alltagsstreitigkeiten regelmäßig mit Mordwerkzeugen geklärt würden. Natürlich gibt es mehr als einen Grund für die zunehmende Verrohung. Doch einer dürfte darin liegen, dass mit der Zuwanderung Hunderttausender junger Männer aus Regionen, in denen ein irdisches Leben weniger zählt als eines im Jenseits, auch unfassbare Grausamkeiten eingewandert sind. Immer mehr Hemmschwellen fallen, und der Normalbürger stumpft ab, weil ihn die schiere Masse der Taten überwältigt. Und weil eine bemäntelnde Presse bestimmte Täter schont. Doch Teenager, die ohne mit der Wimper zu zucken, Frauen und Rentner zusammenschlagen oder sofort das mitgeführte Messer zücken, wenn sie in der Fußgängerzone in Streit geraten, hat es vor der Zuwanderungswelle ganz selten einmal gegeben. Journalisten könnten eine Menge leisten, um den Rechtsstaat und die Werte unseres Zusammenlebens zu verteidigen. Sie tun es aber nicht. Stattdessen berichten sie mit zweierlei Maß oder verklären Verhaltensweisen zur bereichernden Folklore, die bei uns als völlig inakzeptabel gelten. Die Headlines zu Münster und Cottbus verraten viel. Und sie verheißen nichts Gutes.

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Ramin Peymani

Ramin Peymani (Jahrgang 1968) lebt im Rhein-Main-Gebiet. Neben seinem ehrenamtlichen politischen Engagement für die FDP hält der Ex-Banker Fachvorträge zur Euro- und Staatsschuldenkrise und betätigt sich publizistisch. Er war Büroleiter des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger.

Der sportbegeisterte Hobbyfußballer zählt Reisen und gutes Essen und zu seinen Leidenschaften. Für HESSEN DEPESCHE berichtet er vor allem zu Themen aus Frankfurt/Main, dem Taunus und Entwicklungen im Finanzmarkt.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/56-ramin-peymani.html
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