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Publiziert in Interview

Interview zur Bürgermeisterwahl in Rödermark (III)

Carsten Helfmann (CDU): „Eine aktive Wirtschaftsförderung für mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze ist für mich Chefsache“

Freitag, 20 Januar 2017 02:40 geschrieben von 
Carsten Helfmann (CDU) möchte Bürgermeister von Rödermark werden Carsten Helfmann (CDU) möchte Bürgermeister von Rödermark werden Quelle: Carsten Helfmann

Rödermark – Der Christdemokrat Carsten Helfmann will den Grünen Roland Kern als Bürgermeister der Stadt Rödermark beerben. Derzeit amtiert der 43-jährige Bankkaufmann, Versicherungsfachwirt und Vater von zwei Kindern als Rathauschef der benachbarten Gemeinde Eppertshausen. Als neue Herausforderung betrachtet der Kandidat der CDU vor allem die Größe der Kommune: Rödermark hat rund 27.000 Einwohner und damit mehr als viermal so viel in Eppertshausen, der Rödermärker Haushalt hat ein Volumen von 70 Millionen Euro, der Eppertshausener ein Siebtel davon. Zu seinen Ambitionen erklärte Helfmann einmal: „Was im überschaubaren Eppertshausen geklappt hat, will ich jetzt in der großen Stadt versuchen“, so Helfmann zu seinen Ambitionen. HESSEN DEPESCHE hat bei ihm nachgefragt, was man darunter zu verstehen hat und wie seine kommunalpolitischen Vorstellungen für Rödermark aussehen.

HESSEN DEPESCHE: Herr Helfmann, Sie treten als Kandidat der CDU zur Bürgermeisterwahl in Rödermark an. Welches sind die Hauptpunkte, mit denen Sie die Wählerinnen und Wähler auf Ihre Seite ziehen wollen? 

Carsten Helfmann: Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Arbeitnehmer müssen immer flexibler arbeiten. Die Betreuungsangebote der Kindertagesstätten und die Betreuungsangebote der Grundschulkinder müssen bedarfsorientiert auf berufstätige Eltern abgestimmt werden. Bezahlbarer Wohnraum für Familien: Immer mehr Rödermärkerinnen und Rödermärker suchen bezahlbaren Wohnraum. Viele junge Familien möchten in ihrer Heimatstadt den persönlichen Wunsch nach eigenen vier Wänden realisieren. Aber auch bezahlbarer Wohnraum für Großfamilien und Senioren sind wichtig. Es soll auf einen bedarfsgerechten Ressourcenverbrauch geachtet werden – eine Innen- vor Außenentwicklung ist anzustreben. Ehrenamt in den Vereinen stärken: Einen besonderen Stellenwert soll die Stärkung des Ehrenamtes genießen. Das sind für mich die aktiven Helden des Alltages, ob in den Sport- oder Kulturvereinen, in den sozialen Verbänden oder in den kirchlichen Einrichtungen. Mittelfristig müssen die Nutzungsgebühren für die Kulturhalle deutlich reduziert werden. Um die Finanzierung der erheblichen Sanierungsrückstände bei den vereinseigenen Liegenschaften zu unterstützen, sollen die Investitionszuschüsse an die Vereine verdoppelt werden. Attraktiver Wirtschaftsstandort: Wir brauchen dauerhaft mehr Gewerbesteuereinnahmen, um steigende Aufgaben im Sozialbereich in Zukunft erfüllen zu können und wichtige neue Projekte umzusetzen. Rödermark benötigt eine aktive Wirtschaftsförderung zur Schaffung von mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und wird daher für mich Chefsache. 

HESSEN DEPESCHE: Derzeit amtieren Sie als Bürgermeister in der benachbarten Gemeinde Eppertshausen, wo alles eine Nummer kleiner ist als in Rödermark. Sehen Sie sich als Ortsfremder nicht im Nachteil gegenüber den in Rödermark ansässigen Kandidaten? 

Carsten Helfmann: Ich sehe mich nicht als Ortsfremder. Ich habe von 1990 bis 1996 bei der Sparkasse Dieburg in Ober-Roden, Urberach, Waldacker und Breidert gelernt und gearbeitet. Von 1996 bis zum Wechsel ins Rathaus Eppertshausen im Februar 2003 habe ich bei der Servicegesellschaft der Sparkasse Dieburg mbH mit Büro in Ober-Roden gearbeitet. Als direkter Nachbar zu Rödermark hatte ich immer gute Beziehungen und habe in den letzten Wochen viele ehemalige Kunden, Bekannte und Geschäftspartner wieder getroffen. Über die Medien haben viele Rödermärkerinnen und Rödermärker meine Erfolge in Eppertshausen in den letzten 14 Jahren mitverfolgen können. 

HESSEN DEPESCHE: Wie ist Ihre Aussage „Was im überschaubaren Eppertshausen geklappt hat, will ich jetzt in der großen Stadt versuchen“ genau zu verstehen? Oder anders gefragt: Was hat in Eppertshausen so gut geklappt, dass Sie es nun auf Rödermark übertragen möchten? 

Carsten Helfmann: Von Beginn an habe ich die Wirtschafts- und Standortentwicklung zur Chefsache gemacht. Durch die positive Entwicklung der Gemeinde Eppertshausen konnten viele soziale Leistungen und Projekte umgesetzt werden. Beispielsweise zahlen so in Eppertshausen die Vereine weder Nutzungsgebühren für Übungsstunden noch seit dem 01.01.2017 Mieten oder Verbrauchsgebühren für Veranstaltungen. Um dies umzusetzen wird es aufgrund der derzeitigen Haushaltslage in Rödermark noch ein längerer Weg sein – aber das Ziel steht fest. Rödermark kann mehr und das möchte ich Ihnen beweisen!  

HESSEN DEPESCHE: Die Unterbringung und Integration von Migranten ist auch in Rödermark ein wichtiges Thema. Uns ist aufgefallen, dass es dazu keinen gesonderten Punkt in Ihrem „Zukunftsprogramm“ gibt. Vielleicht können Sie uns ja trotzdem Ihre Verbesserungsvorschläge in diesem Bereich verraten? 

Carsten Helfmann: Rödermark hat hier in den letzten Monaten einen guten Weg eingeschlagen. Neben dem städtischen Personal sind über 100 Ehrenamtliche aktiv. Das ist eine tolle Arbeit und gebührt meiner vollsten Anerkennung. Zusätzlich zu den fünf überschaubaren Gemeinschaftsunterkünften erfolgt die Unterbringung in fast 50 städtischen und privaten Wohnungen. Durch diese kleinen Einheiten müssen die Mitarbeiter der Stadt Rödermark zwar mehr Fahrstrecken zurücklegen, aber eine Integration ist wesentlich einfacher als in größeren Gemeinschaftsunterkünften. 
Ich möchte den Ehrenamtlichen mehr Anerkennung zukommen lassen und die Abstimmungen zwischen den einzelnen Akteuren und Verbänden mehr koordinieren. 

HESSEN DEPESCHE: Sie wollen als Bürgermeister Familien und Kinder in den Fokus rücken, Investitionen in die Jugend als Zukunftsinvestitionen begreifen, Finanzsolidität sichern, damit auch kommende Generationen gut in Rödermark leben können, und zugleich auf die Lebenserfahrung der Senioren bauen und sie in alle Gestaltungsprozesse einbeziehen. Wie stehen Sie in diesem Zusammenhang zu Mehrgenerationenhaus-Projekten wie in Seligenstadt? Ist das auch ein Modell für Rödermark? 

Carsten Helfmann: In der Theorie hört sich ein Mehrgenerationenhaus-Projekt immer sehr gut an. Ich habe mir praktische Beispiele bereits angesehen. Einige haben funktioniert, bei anderen gibt es unterschiedliche Konflikte. Positive Beispiele findet man meist, wenn nicht auf engstem Raum diese Häuser entstanden sind, sondern genügend Grün- und Freiflächen vorhanden sind. Die erste Frage ist aber sicherlich, ob die Einwohnerinnen und Einwohner entsprechendes Interesse zeigen. Ein Mehrgenerationenhaus aufgrund politischer Entscheidungen wäre sicherlich zum Scheitern vorprogrammiert. Die Einbeziehung der Einwohner ist nicht nur deshalb oft ein wichtiger Aspekt. 

HESSEN DEPESCHE: Die Stadt Rodgau wirbt mit einem für die Eltern kostenlosen Kita-Besuch. Ist das ein Modell, das auch für Rödermark wünschenswert und finanzierbar wäre? 

Carsten Helfmann: Ich bin der Auffassung, dass die qualifizierte Arbeit in unseren Kindertagesstätten mit den Bildungsangeboten der Schulen sowie der Universitäten verglichen werden können. Wir haben jedoch eine sehr unterschiedliche Finanzierung dieser Bildungsangebote. Ich bin der Auffassung, dass Land und Bund viel mehr Zuschüsse für den laufenden Betrieb der Kindertagesstätten übernehmen müssten. Mit einem Zuschussbedarf von über 10 Millionen Euro ist die Kinderbetreuung der höchste Zuschussbereich im Haushalt der Stadt Rödermark. Dies ist aber auch gut und richtig angelegtes Geld in unsere Zukunft. Ich finde es nicht gut, wenn von einzelnen Kommunen auf die Elternbeiträge verzichtet wird und es eine Querfinanzierung innerhalb der Stadt gibt. Denn diese Gelder holt sich die Stadt dann an anderer Stelle, beispielsweise bei der Grundsteuer oder der Gewerbesteuer. Persönlich bin ich der Auffassung, dass wir in den Kitas bessere Qualität mit kleineren Gruppen, mehr Personal und Vertretungskräfte ab dem ersten Tag benötigen. Ich bin der Meinung, wir sollten mit Leistung und Qualität für unsere Kinder in den Kitas werben. 

HESSEN DEPESCHE: Was muss Ihrer Ansicht getan werden, um den Bedarf an Kita- und Schulplätzen in Rödermark den kommenden Jahren zu decken? 

Carsten Helfmann: Der Platzbedarf speziell im Kleinkindbereich 0-3 Jahre steigt jährlich an. Wenn vor 5 Jahren von 30 % der Zweijährigen einen Betreuungsplatz benötigt haben, sind es aktuell bereits 50-60 % der Zweijährigen und 30 % der Einjährigen. Wenn diese Dynamik so weitergeht, werden wir bald zusätzliche Platzangebote für Kinder im Alter von sechs Monaten und jünger schaffen müssen. Das Angebot an U3-Kleinkindplätze ist aktuell gut in Rödermark, muss in den nächsten Jahren jedoch bedarfsgerecht ausgebaut werden. In der Grundschulbetreuung wird aktuell eine Mensa gebaut. Das Land Hessen bietet den „Pakt für den Nachmittag“ an. Mit den zuständigen Stellen beim Kreis Offenbach muss abgestimmt werden, ob die Stadt mit Unterstützung der Fördervereine dauerhaft die Trägerschaft übernimmt oder ob die Stadt sich dem kreisweiten Angebot anschließt. Das Land Hessen muss jedoch in diesem Bereich auch noch nachbessern. Für den Schulbau der Grundschulen bis zur Oswald-von-Nell-Breuning Schule ist der Kreis Offenbach und für die Lehrerversorgung das Land Hessen zuständig. Hier gilt es, entsprechend im Gespräch zu bleiben. 

HESSEN DEPESCHE: Abschließend bleibt noch die Frage, welches persönliche Wahlziel Sie sich für den 5. Februar gesteckt haben?

Carsten Helfmann: Ich wünsche mir 52,5 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von über 60 Prozent. 

HESSEN DEPESCHE: Herr Helfmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Zur Person: Carsten Helfmann ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Nach seiner Schulzeit absolvierte er von 1990 bis 1993 zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Dieburg und war in den Zweigstellen Breidert, Urberach und Ober-Roden tätig. Dem schloss sich von 1993 bis 1994 ein Studium zum Sparkassenfachwirt an. Von 1993 bis 1996 war er Geschäftsstellenleiter bei der Sparkasse Dieburg in Waldacker, von 1996 bis 2003 Bezirks- und Bereichsleiter Servicegesellschaft der Sparkasse Dieburg mit Büro in Ober-Roden. Von 1998 bis 2001 absolvierte er zusätzlich ein Studium zum staatlich geprüften Versicherungsfachwirt (IHK). Seit Februar 2003 amtiert er als Bürgermeister der Gemeinde Eppertshausen. Außerdem ist Helfmann Kreistagsabgeordneter, finanzpolitischer Sprecher sowie stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Darmstadt-Dieburg und unter anderem Mitglied im Hauptausschuss des Hessischen Städte- und Gemeindebundes sowie im Verwaltungsrat und der Verbandversammlung der Sparkasse Dieburg. Er ist ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Darmstadt und Mitglied des Brandschutzbeirates des Landes Hessen. In seiner knapp bemessenen Freizeit engagiert sich Carsten Helfmann als aktiver Feuerwehrmann, Voraushelfer beim DRK oder kümmert sich um seinen Garten.

Letzte Änderung am Freitag, 10 Februar 2017 15:20
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Michael Krug

Michael Krug (Jahrgang 1974) kam vor Jahren aus dem norddeutschen Hamburg nach Sachsen.

Seine alte und seine neue Heimat verbindet die Elbe. Heute pendelt er zwischen Dresden und Frankfurt am Main. Ursprünglich aus der volkswirtschaftlichen Richtung kommend, entwickelte sich der studierte Journalist zu einem Vollblutberichterstatter aus Politik, Medien, Lifestyle, Kultur und Wirtschaft. Seit Mai 2016 gehört er unserer Redaktion an.

Webseite: https://www.hessen-depesche.de/show/author/60-michael-krug.html
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