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Wohnungsnot und Verdrängung der Mittelschicht als Problem

Direktor des Deutschen Architekturmuseums regt Städtefusion von Frankfurt/M. und Offenbach/M. an

Donnerstag, 28 April 2016 18:34 geschrieben von  Axel Frohmeier
Dipl.-Ing. Peter Cachola Schmal Dipl.-Ing. Peter Cachola Schmal Quelle: dam-online.de | Fotografin: Lisa Farkas

Frankfurt am Main - Der Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), Peter Cachola Schmal, hat jetzt vorgeschlagen, dass die Main-Städte Frankfurt und Offenbach fusionieren, um besser mit den Folgen der großen Wohnungsnot fertigzuwerden.

Im Interview mit der „Hessenschau“ sagt Schmal: „Im Grunde gehören Frankfurt und Offenbach fusioniert. Inhaltlich sind sie es schon längst. Sie haben dieselbe Vorwahl, die Menschen arbeiten in der einen und wohnen in der anderen Stadt. Projekte für eine bessere Nahverkehrsanbindung sind in Vorbereitung.“

Mit Blick auf Stadtplanung und Wohnungsbau erläutert der Museumsdirektor: „In Frankfurt gibt es das Geld, Offenbach hat die Industriebauten, die leeren Grundstücke. Frankfurt hat keine leeren Grundstücke mehr. Die Stadt weiß nicht, wohin sie mit ihrem Wohnungsbau gehen soll. Inzwischen bauen die Wohnungsbaugesellschaften, die Frankfurter ABG und die Nassauische Heimstätten, ja schon in Offenbach.“

Der 1960 geborene Schmal, der in Pakistan und Mülheim an der Ruhr aufwuchs und die „High School“ im indonesischen Jakarta besuchte, befürchtet angesichts des Grundstücks- und Wohnungsmangels die Verdrängung der Mittelschicht aus Frankfurt. Es drohe das Szenario, dass in der Main-Metropole fast nur noch Hartz-IV-Bezieher mit alten Mietverträgen und – kulturell und räumlich von ihnen getrennt – Reiche wohnen. „Wir könnten natürlich noch mehr Hochhäuser bauen, aber bislang ist kaum eins für die Mittelschicht dabei. Sie sind durch die höheren Investitionen eher für die Oberschicht“, erklärt der studierte Architekt und warnt: „Wenn das so weiter geht, werden wir in absehbarer Zeit eine Stadt sein, in der die Mittelschicht nicht mehr wohnen kann. Es wäre doch vollkommen absurd, wenn Frankfurt nur noch aus denen besteht, die alte Mietverträge haben, aus Hartz-IV-Empfängern und aus Reichen. Das wäre das Ende der Stadt.“

Die von der Politik offen eingestandene Verschärfung der Wohnungsknappheit durch den Massenzustrom von Asylbewerbern will der DAM-Direktor nicht als Problem sehen.

Ganz im Gegenteil: Auf Betreiben Schmals beteiligt sich ein Team des Architekturmuseums am deutschen Beitrag zur diesjährigen Architektur-Biennale in Venedig. Unter dem Titel „Making Heimat – Germany Arrival Country“ wird Deutschland ganz im Sinne von Angela Merkels „Willkommenskultur“ zum Einwanderungsland erklärt.

Das Kuratoren-Team des DAM hebt dabei ganz konkret die Integrationsarbeit in Offenbach als „deutsche Stadt mit dem höchsten Ausländeranteil“ hervor, die, so Schmal, mit einer schlanken Verwaltung eine „ungeheure Integrationsleistung“ erbringe.

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