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Der Conférencier des Hessischen Landtags

Frank Lortz (CDU) ist vom Machtpolitiker zum jovialen Macher geworden - und beliebt

Sonntag, 19 März 2017 16:37 geschrieben von 
Landtagsvizepräsident Frank Lortz (CDU) bei der immer noch sehr erfolgreichen CDU Hainburg. Landtagsvizepräsident Frank Lortz (CDU) bei der immer noch sehr erfolgreichen CDU Hainburg. Quelle: CDU Hainburg

Seligenstadt - "Vulkaninseln die entstehen, Vulkaninseln die vergehen", so oder ähnlich könnte Landtagsvizepräsident Frank Lortz, Kreisvorsitzender der CDU Offenbach-Land, denken, wenn er an seine Bundespartei und den Aufstieg und möglichen Fall der Bundesvorsitzenden Angela Merkel denkt. Eingekeilt, wie in einem Schraubstock, zwischen Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) und dem Phänomen AfD erscheint die Bundeskanzlerin inzwischen müde und erschöpft. Auch bei US-Präsident Donald Trump merkte man ihr diese Erschöpfung zuletzt an. Frank Lortz können zwar keine besonderen Vorlieben für den CDU- Reformkurs unter Merkel und CDU-Generalsekretär Peter Tauber vorgehalten werden, aber Lortz hielt lange Jahre in seinem Beritt die Truppen für die Union zusammen. Und das war eine Leistung unter erschwerten Bedingungen.

Kritiker der Christdemokraten in Offenbach-Land sehen ein Abwirtschaften großer Bastionen im Landkreis zwischen Dreieich und Seligenstadt. Nur noch in der Gemeinde Hainburg stellt die CDU derzeit mit Alexander Böhn einen Bürgermeister. Das war mal ganz anders. Doch Lortz hat diese Krise der Union nicht verursacht. Tatsächlich übernahm er die Führung der CDU Offenbach-Land erst zu einem Zeitpunkt als viele andere Regisseure den Blockbuster über die Union zu einem Beziehungsdrama der dritten Kategorie umgeschrieben hatten. Die Machtoption im Landkreis Offenbach unter Landrat Peter Walter (CDU) kostete einiges. Und in einigen Städten und Gemeinden lief sicher noch mehr schief, was den Anspruch der Union als führende politische Kraft minimierte. Dass zeitgleich auch die FDP im Landkreis Offenbach, vor allem in Seligenstadt und Rodgau, erstaunlich gut voran kam, erschwerte für Frank Lortz die Ausgangslage ähnlich wie das Phänomen AfD bei der letzten Kommunalwahl. Die Personaldecke bei der CDU wurde dünner.

Im Hessischen Landtag ist Landtagsvizepräsident Frank Lortz inzwischen zum jovialen Schrittmacher des parlamentarischen Alltags geworden. Persönlich über alle Parteigrenzen hinweg unumstritten, kann Lortz mit seiner langjährigen landespolitischen Erfahrung eigentlich alle anderen Parlamentarier einfangen. Er kommt mit jedem gut aus und führt sein Vize-Amt emphatisch. Gefühlt ist Frank Lortz längst der faktische Landtagspräsident. Anders als seine Kollegen, die den Vorsitz über das Hessische Landesparlament sehr politisch ausfüllen, moderiert Vize Lortz Plenarsitzungen eher wie ein warmherziger Conférencier. Gesungen und geschunkelt wird im Landtag zwar noch nicht, aber wenn Lortz den Vorsitz inne hat, erinnern sich ältere Besucher der Plenarsitzungen an lässig moderierte Auftritte eines Heinz Schenk im 'Blauen Bock' - hessisch, schnodderisch und sehr herzlich! Nur der Bembel fehlt.

Seine Basis findet Frank Lortz in jener CDU Froschhausen, die er vor langer Zeit und gemeinsam mit Georg Schwarz oder Josef Happel und vielen anderen zu einem sehr schlagkräftigen christdemokratischen Ortsverband ausgebaut hat. Viele andere CDU Ortsverbände haben ihre Höhen bereits lange hinter sich. Die Stärke der CDU Froschhausen, formal eine Untergliederung des CDU Stadtverbands Seligenstadt, tatsächlich aber die bestimmende Kraft, bleibt.

Und bald könnte Vater Frank Lortz Weichen ebenen, die vordergründig dynastisch erscheinen mögen, tatsächlich aber nur konsequent das Talent des eigenen Sohnes Thomas FJ Lortz in die richtigen Bahnen lenken. Es gilt noch nicht als ausgemacht, aber rein vom politischen Talent her besehen, könnte Thomas FJ Lortz in die großen Schuhe seines Vaters bald reinwachsen. Der Sohn Thomas FJ führt die JU Offenbach-Land ähnlich verbindlich und effektiv, wie man politische Führungsstärke unter Vater Frank in den 1970er und 1980er Jahren kannte.

Despektierlich oder analytisch erklärte ein anderer Landespolitiker gegenüber HESSEN DEPESCHE: "Frank Lortz und dessen Sohn Thomas FJ Lortz kann eigentlich nur noch ein erneuter Wahlsieg der Kanzlerin Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2017 aufhalten. Denn dann dürfte es bei der Landtagswahl 2018 für die CDU hessenweit sehr dunkel werden."

Ob Frank Lortz das auch so sieht?

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Roxana Miller

Roxana Miller wurde 1985 in Minsk/Weißrussland geboren.

Klassisches Ballett ist ihre Leidenschaft.

Sie studierte Germanistik (Universität Minsk) und später Slawistik (Universität Jena).

Seit Januar 2015 arbeitet sie für unsere Redaktion.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/42-roxana-miller.html
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