hessen-depesche.de

Publiziert in Frankfurt und Taunus

Modellprojekt „Vernetztes Lernen“

Hochtaunus: Grundschule Grävenwiesbach startet in digitales Schulzeitalter

Mittwoch, 08 November 2017 07:08 geschrieben von 
Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs zusammen mit den Zweitklässlerinnen Maxi (Mitte) und Alana (rechts). Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs zusammen mit den Zweitklässlerinnen Maxi (Mitte) und Alana (rechts). Quelle: Landratsamt Hochtaunuskreis

Hochtaunuskreis - An der Wiesbachschule in Grävenwiesbach ist heute Vormittag das neue Modellprojekt „Vernetztes Lernen“ vorgestellt worden. Mit dabei waren Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz (CDU) und Hochtaunus-Landrat und Schuldezernent Ulrich Krebs. Ausgerichtet an pädagogischen Prinzipien ist ein Konzept entstanden, das konventionelles und digitalisiertes Lernen an einer Grundschule kombiniert. Damit ist zum einen ein differenzierterer Unterricht für unterschiedliche Lerngruppen und -geschwindigkeiten möglich, zum anderen setzt das Modellprojekt des Hochtaunuskreises die Beschlüsse der Kulturministerkonferenz um, Schulen verstärkt zu digitalisieren und mit modernen IT-Systeme auszustatten.

Für Landrat Krebs ist das Projekt ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt in die Zukunft der Schulen im Kreis. „Wir haben konsequent gehandelt und ein Modell geschaffen, das hessenweit und darüber hinaus Schule machen kann“, sagte der Landrat und Schuldezernent. „Funktionelle Schulgebäude allein reichen nicht aus, um Kindern und deren Eltern im Hochtaunuskreis zukunftsfähige Schulen bieten zu können.“

Basis des Erfolges des Pilotprojektes sei die enge Kooperation von Pädagogen und IT-Experten, die auf Augenhöhe dieses Konzept entwickelt hätten. Krebs dankte allen Beteiligten auf Seiten des Kreises, dem Kreisverband des Interessenverbandes hessischer Schulleiter (IHS), stellvertretend persönlich dem Grävenwiesbacher Schulleiter Jan Drumla und Detlev Harms, dem Leiter des Medienzentrums des Hochtaunuskreises. Sie hatten das Projekt federführend vorangebracht.

„Die Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen, vor der unsere Schulen aktuell und in der Zukunft stehen. Damit sie diese bewältigen können, müssen sie nicht nur entsprechend ausgestattet sein, über ein stimmigespädagogisches Konzept verfügen, sondern auch das Lehrerkollegium mit auf diesen Weg nehmen. All dies ist hier an der Grundschule Grävenwiesbach dank der Initiative des Landrates auf einen sehr guten Weg gebracht worden“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz.

Grundlegend für das Konzept der IT-Ausstattung der Grundschule mit rund 200 Schülern ist das pädagogische Handeln der Lehrenden, der Lernprozess der Grundschüler und die zunehmende Individualisierung der Wissensaneignung im Zuge von Inklusion und Arbeit in heterogen Gruppen, die Kindern mit und ohne Handicap und Kinder mit und ohne Deutsch als Muttersprache einschließt. Die Digitalisierung ist in den vergangenen Jahren immer stärker in die Klassenzimmer vorgedrungen. Kinder müssen Schlüsselkompetenzen erwerben können, um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden.

Nach Vorgesprächen, die bereits 2013 begannen, bildete Landrat Krebs 2015 eine multiprofessionelle Arbeitsgruppe aus Computerexperten, Verwaltungsmitarbeitern, Schulleitern sowie dem Leiter des Medienzentrums. In dieser Arbeitsgruppe entstand innerhalb von zwei Jahren ein Konzept, wie Klassenräume in Grundschulen zukünftig ausgestattet sein können. Die Wiesbachschule wurde Pilotschule und im Sommer 2017 mit zwölf modernen ActivBoards anstelle von Kreidetafeln, 66 Tabletts anstelle von Schüler-PCs, sowie einem modernen und leistungsfähigen Netzwerk ausgestattet. Vielfältige neue Möglichkeiten für das interaktive Lernen ergeben sich durch die Einbindung digitaler Medien in den Unterricht mit der Nutzung von Apps, Videos, Internet und Animationen.

Die Forderung der Kultusministerkonferenz nach einer modernen IT-Ausstattung an Schulen, um parallel zum klassischen Unterricht auch digitale Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern zu schulen, ist an der Wiesbachschule nun umgesetzt. Im Hessen und darüber hinaus könnte das Modell der Taunus-Schule eine Vorreiterrolle einnehmen.

Nach dem ersten Schulhalbjahr wird das neue Konzept der Wiesbachschule von den zuständigen Stellen im Hochtaunuskreis evaluiert und auf seine Alltagstauglichkeit geprüft. Dann können nächste Schritte für die Übertragung des Konzepts auf eine weitere Grundschule im Kreis unternommen werden. Zuvor wird das Konzept den Kreisgremien vorgestellt, über Finanzierungsmöglichkeiten muss nachgedacht werden.

Das neue Konzept unterstützt auch das effiziente und kooperative Arbeiten innerhalb der Schule, zum Beispiel in der Unterrichtsvorbereitung des Kollegiums. „Das Projekt ist ein Meilenstein in der Vermittlung von Lerninhalten an Grundschulen“, sagte Schulleiter Jan Drumla und dankte Landrat Krebs für seinen Weitblick und dem Hochtaunuskreis für sein finanzielles Engagement. Rund 170.000 Euro hat der Kreis in die IT-Ausstattung der Schule investiert.

Eine besondere Herausforderung für das Pilotprojekt war und ist die Schulung deLehrerinnen und Lehrer im neuen System. Eine langfristige Aufgabe, für die Landrat Ulrich Krebs vor allem das Land in der Pflicht siehtEine Schwierigkeit sei dabei die bisherige Uneinheitlichkeit der IT-Systeme an den Schulen, sagte der Landrat. Die digitale Bildung auch der Lehrer sei jedoch ein elementarer Bestandteil eines gelingenden IT-Konzepts.

Die Präsentation- und Softwarelösung in einem Klassenraum an der Wiesbachschule fußt auf vier Kern-Komponenten und einem Netzwerk als Herzstück. Dazu gehören eine multimediale Präsentationsfläche, Tablets für digitale Lernmedien, die Möglichkeit der Visualisierung der Schülerarbeiten und eine MDM (Mobile Device Management) Lösung zum Steuern und Absichern der drahtlosen GeräteAlle Komponenten sindüber WLAN mit- und untereinanderverbunden.

Artikel bewerten
(4 Stimmen)
Jörg Pollert

Jörg Pollert (Jahrgang 1968) ist Handelsfachwirt. Er studierte Deutsch, Mathematik und Sport an der Johann-Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Seit März 2016 schreibt er für die Redaktion von HESSEN DEPESCHE vor allem über Themen aus Mainhausen und Seligenstadt. Er ist Mitglied der CDU und passionierter Handballtrainer. Seit Juli 2017 ist er leitender Redakteur der HESSEN DEPESCHE.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/54-jörg-pollert.html
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Team