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Publiziert in Regional

Mehrheit folgt knapp Erdogan

Frankfurter Türken stimmen für Präsidialsystem

Montag, 17 April 2017 17:40 geschrieben von 
Frankfurter Türken stimmen für Präsidialsystem Bildquelle: PIXABAY.COM

Frankfurt am Main - Der Volksentscheid in der Türkei über die Einführung eines Präsidialsystems mit starkem Machtzentrum beim Präsidenten, der aktuell Erdogan heißt, hat international hohe Wellen geschlagen: Insbesondere die Wahlkampfauftritte türkischer AKP-Politiker für den immer autoritärer regierenden Erdogan in europäischen Ländern sorgten für Trubel und einen neuen Tiefpunkt in den diplomatischen Beziehungen zum EU-Beitrittskandidaten Türkei.

Seit gestern ist klar: Erdogan hat sich mit seinem Vorhaben mit einer knappen Mehrheit von 51,3 Prozent durchgesetzt. Mit zu der knappen Mehrheit verholfen haben ihm die Auslandstürken – auch in Frankfurt. Dort war die Zustimmung zu seinem Referendum mit 58 Prozent höher als in der Türkei. Bundesweit stimmten die in Deutschland lebenden Türken sogar zu 63 Prozent mit „Evet“, also mit ja. 

Große Zustimmung zum Präsidialsystem unter Türken in Deutschland

Dieser Umstand passt natürlich gar nicht zu dem integrierten, europäischen Bild, das Vertreter der etablierten Parteien, aber auch Türkei-Lobbyisten hierzulande gerne von den türkischen Gastarbeitern und ihren Nachfahren zeichnen. Dies gilt umso mehr deshalb, weil in Deutschland Kurden und andere Minderheiten mit türkischem Pass, die in großer Zahl gegen das Referendum gestimmt haben dürften, prozentual deutlich stärker repräsentiert sind als in der Türkei selbst. Demnach dürfte die Zustimmung unter den „echten Türken“ sogar noch höher gewesen sein. 

Volker Bouffier zeigt sich enttäuscht

Volker Bouffier, der die Hessen-CDU in der schwarz-grünen Koalition gerade auf Weltoffenheit getrimmt hat, zeigte sich dementsprechend enttäuscht über das Abstimmungsverhalten der in Hessen lebenden Türken. Er hoffe, dass das Land sich nicht auf dem Weg in eine Diktatur befinde, sagte er gegenüber dem HR. 
Eine Sorge, die den 100 vor dem türkischen Generalkonsulat in Frankfurt feiernden Erdogan-Anhängern eher fremd sein dürfte. Auch in Hanau und Fulda feierten Türken das Ergebnis – wenn auch wesentlich weniger. Insgesamt blieb es friedlich.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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