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Gelnhausen: Für Kerstin Schüler (SPD) beginnt nun scheinbar eine kritische Phase im Wahlkampf

Dienstag, 18 April 2017 16:47 geschrieben von 
Kerstin Schüler (SPD) möchte Bürgermeisterin von Gelnhausen werden Kerstin Schüler (SPD) möchte Bürgermeisterin von Gelnhausen werden Quelle: SPD Gelnhausen

Gelnhausen - Die Vorsitzende der SPD Kerstin Schüler ist vor der Bekanntgabe ihrer Bürgermeisterkandidatur innerhalb der Gelnhäuser Politik bisher nicht sonderlich in Erscheinung getreten.

Als Stadtverordnete nahm Schüler innerhalb der großen SPD-Fraktion eher eine untergeordnete Rolle ein. Gerade durch ihre fehlende Erfahrung in der überparteilichen Politik, ist sie in den Reihen der Sozialdemokraten nicht unumstritten. Nach Bekanntgabe der Personalie Schüler, durch die Kandidatenfindungskommission der SPD, prüften mehrere Genossen gar eine parteilose Kandidatur gegen Kerstin Schüler. Der langjährige Lokalpolitiker Walter Dreßbach hat sich den deutlichen Unmut einiger SPD-Parteifreunde zugezogen, als er seinen Hut tatsächlich in den Ring warf, um gegen Schüler als offizielle Kandidatin der SPD als Bürgermeisterkandidat anzutreten. 
Auch der Koalitionspartner der SPD, die Bürger für Gelnhausen, gaben bereits bekannt mit einem eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen zu gehen. Diese Nachricht dürfte der Wahrnehmung Kerstin Schülers in der Öffentlichkeit nicht gerade geholfen haben, zeigt es doch deutlich auf, dass der eigene Koalitionspartner in ihr nicht die bestmögliche Besetzung für den Chefsessel im Rathaus sieht. 
Der aktuelle Bürgermeister der Barbarossastadt Gelnhausen, Torsten Stolz, war im März mit einem hervorragenden Ergebnis von beinahe 60 Prozent zum neuen Landrat im Main-Kinzig-Kreis gewählt worden. Auf diesen Hype baute Kerstin Schüler ihren bisherigen Wahlkampf auf. Die zentrale Botschaft der Kandidatin: Weiter so wie bisher.

Seit sich die Negativschlagzeilen zum Planungstand des neuen Outletcenters in der Gelnhäuser Innenstadt mehren, stößt diese Strategie Schülers nun jedoch an ihre Grenzen. Denn das geplante Outletcenter ist das Prestigeprojekt des Vorgängers Stolz und die landesweiten Positivmeldungen zum Planungstand sind sicherlich ein elementarer Faktor für Thorstens Stolz beachtliches Ergebnis in der Landratswahl gewesen. 
Trittbrettfahren macht jedoch nur so lange Sinn, solange der Zug in die gewünschte Richtung fährt. Die öffentliche Kritik Schülers, an dem von Bürgermeister Stolz auserkorenem Investor Leutze, ist nun der erste zaghafte Versuch, aus den Fußstapfen des neuen Landrates herauszutreten und einen eigenen Weg zu versuchen. 
Es wird spannend sein zu beobachten, ob Kerstin Schüler es schafft in den kommenden Monaten ein eigenes Profil zu entwickeln. Der politischen Konkurrenz scheint das Vorgehen Schülers in die Hände zu spielen. Während die FDP der Barbarossastadt mit der Einsetzung eines Akteneinsichtssauschusses zum Outletcenter den wunden Punkt in der Strategie Schülers mit politischen Mitteln aufgreift, ruft die CDU Gelnhausen in einer Pressemitteilung bereits zu einem Ende der „Thorsten-Stolz-Festspielwochen“ auf, spricht von dem fehlen „eigener Impulse“ und dem „Beschreiten ausgetrampelter Pfade“.

Letzte Änderung am Dienstag, 18 April 2017 17:08
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Marc Jacob

Marc Jacob (Jahrgang 1994) lebt im Main-Kinzig-Kreis. Neben seinem ehrenamtlichen politischen Engagement im Kreisvorstand der Freien Demokraten ist Marc Jacob Stadtverordneter in Bad Soden-Salmünster. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der International School of Management in Frankfurt am Main und an der Corvinus Universität in Budapest.

Für HESSEN DEPESCHE berichtet er als Redakteur vor allem über aktuelles Geschehen im Main-Kinzig-Kreis.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/66-marc-jacob.html
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