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Kommentar zur Oberbürgermeisterwahl

Nur Jochen Partsch und Kerstin Lau gewannen - Chaoswahlen in Darmstadt

Montag, 20 März 2017 22:03 geschrieben von 

Darmstadt - Jochen Partsch (Grüne) hat die Oberbürgermeisterwahlen in Darmstadt mit 50,4 Prozent bereits im ersten Wahlgang für sich entscheiden können. Ein Grund dafür war mit Sicherheit das schwache, ja chaotische Bewerberfeld. Kaum ein Tag verging, an dem die anstehenden Oberbürgermeisterwahlen in Darmstadt nicht für eine Schlagzeile sorgte. In der hessischen Stadt mit immerhin 155.000 Einwohnern ging es im Wahlkampf drunter und drüber.

Gleich zwei schwächelnde Sozialdemokraten traten an

Beispiel Nummer eins: Die SPD. Bis kurz vor der Wahl sah es so aus, als würde es skurrilerweise nicht nur einen, sondern sogar zwei sozialdemokratische Oberbürgermeisterkandidaten geben. Neben dem auf SPD-Ticket antretenden Michael Siebel kandidierte auch der ebenfalls bislang mit rotem Parteibuch ausgestattete Achim Pfeffer. Damit war erst kurz vor der Wahl Schluss: Das Bezirksschiedsgericht der SPD Hessen-Süd schloss Achim Pfeffer wegen der Kandidatur aus der Partei aus. Pfeffer überlegte, sich einer anderen linken Gruppierung wie „Uffbasse“ anzuschließen. Doch die hatten ebenfalls schon eine eigene Kandidatin mit der dann recht erfolgreichen Kerstin Lau.

Die CDU hängt in Darmstadt am Rockzipfel der Grünen

Statt mit zwei Kandidaten wie die SPD, ging die schon bei der letzten Kommunalwahl auf 18 Prozent zurechtgestutzte Darmstädter CDU gleich ganz ohne Kandidaten ins Rennen. Der Kreisvorstand entschied bereits im Oktober letzten Jahres den grünen Kandidaten Jochen Partsch zu unterstützen. Das Echo zitierte gar den Darmstädter CDU-Kreisvorsitzenden Paul Wandrey mit der Aussage, es gebe „keine fundamental unterschiedlichen Positionen“.

Die AfD verschießt den Elfmeter

Eigentlich Wasser auf die Mühlen der AfD, die in Darmstadt nach ihrem Erfolg bei den Kommunalwahlen, bei denen sie 2016 12,2 Prozent der Stimmen erlangte, eine gute Ausgangsposition hatte. Doch ihr ebenfalls schwächelnder Kandidat Hans Mohrmann, der noch während des Wahlgangs aus der AfD austrat, konnte letztlich nur 4 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Ein Achtungserfolg, aber angesichts des vollständigen Kollabierens der Lokal-CDU kein gutes Ergebnis. Mohrmann präsentiert sich nun als liberaler Geläuterter, lästerte jedoch noch vor der Wahl sehr zum Ärger der hessischen Landes-AfD über Frauen und stellte sogar ihr Wahlrecht in Frage. Das war wohl zu viel für eine Partei mit einer weiblichen Bundesvorsitzenden und einer hessischen Spitzenkandidatin für den Bundestag, heißt es aus Parteikreisen. Und so kam Mohrmann wohl nur einem Parteiausschlussverfahren zuvor.

In Darmstadt setzt sich langsam aber sicher bei den Wahlen ein Muster durch: Bärenstarke Grüne und viele kleine Gruppierungen in einer Opposition, die von zwei relativ abgewirtschafteten Volksparteien mehr schlecht als recht geführt wird.

Letzte Änderung am Montag, 20 März 2017 22:08
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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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