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Publiziert in Rheinhessen

Mainz macht den Anfang

Mainz - Sebastian Münzenmaier (AfD) unterstützt "Merkel muß weg" Demonstration

Mittwoch, 28 März 2018 23:24 geschrieben von 
Sebastian Münzenmaier, MdB/AfD Sebastian Münzenmaier, MdB/AfD Quelle: Sebastian Münzenmaier

Mainz - "Es gibt - kein Recht - auf Nazi-Propaganda", dröhnen die grob achtzig Jugendlichen unter dem Banner der Linksjugend. "Nazis raus! Nazis raus!" - so die Erwiderung der ungefährhundert "Merkel muss weg"-Demonstranten. Ja, richtig gelesen! "Sowas finde ich immer cool, wenn man denen ihre eigenen Parolen zurückschleudert", freut sich die blonde Rebecca Schwester* aus Mainz, von ihren Freunden "Becky-Vierecki" genannt. "Die sind dann immer so geil sprachlos!" Die lustige Endzwanzigerin feixt. Tatsächlich: Einigen der linken Gegendemonstranten in der ersten Reihe hat es die Sprache verschlagen. Möglicherweise setzt bei ihnen aber auch die Nachdenklichkeit ein. Derweil versucht der Initiator der Mainzer Montagsdemo - Anfang dreißig, kurzer roter Wikingerbart - ein paar Regeln zu verdeutlichen: Keine Gewaltanwendung, keine Pyrotechnik, keine "Dinge, die an die Zeit zwischen 1933 und 1945 erinnern" und kein Alkohol. "Diese Islamisierung aber auch! Jetzt dürfen wir nichtmal auf einer rechten Demo Alkohol trinken", witzelt ein Mitglied der Mainzer AfD in der vorderen Reihe.

Anders als auf der Gegendemo ist die Stimmung recht ausgelassen. Man sieht die üblichen politischen Fußsoldaten mit Schild und Banner, aber auch gemütliche Schaulustige, die sich der Demo spontan angeschlossen haben.

Auch der Mainzer Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier (AfD) flitzt die Versammlung rauf und runter. Ärger gibt es kaum. Einmal muss die Polizei deeskalierend eingreifen, als sich ein verwirrt wirkender Linker in braunem Anorak der Demo zu sehr näherte und die Teilnehmer beschimpfte. Ansonsten hatten die Beamten die Situation unter Kontrolle. Die Merkel-Gegner dankten es ihnen mit "Eins, zwei, drei... Danke, Polizei!"

Der Start der "Merkel muss weg"-Demonstration nach Hamburger Vorbild ist recht gut gelungen. Die Teilnehmerzahl hat sich innert einer Woche von weniger als vierzig auf knapp hundert drastisch erhöht. "Für Mainzer Verhältnisse ganz okay", raunzt der 33jährige Christopher Paulus*. "Natürlich kein Vergleich zu Dresden, aber ausbaufähig." Einige Besucher waren angereist. Aus Ludwigshafen, Bad Kreuznach - und von der anderen Rheinseite. "Ich wollte mir das auf jeden Fall mal angucken", beteuerte die blonde Michaela* aus dem AfD-Kreisverband Main-Taunus-Kreis. Ein Mitdemonstrant unterbricht die Mitzwanzigerin, schildert die von der Polizei auferlegte Rückzugstaktik. Derweil dröhnt ein letztes Mal von vorne an die Linken: "Ihr habt die Wahl verloren, ihr habt die Wahl verloren!"

 

*Name geändert

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Cornelius Persdorf

Cornelius Persdorf (Jahrgang 1985) arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Redakteur. Nebenberuflich engagiert sich der Politologe als Klaviermusiker und Chorbegleiter.

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