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Mehr als Basilika und Einhard

Die unendlichen Geschichten von Seligenstadt

Donnerstag, 05 April 2018 06:45 geschrieben von 
Seligenstädter Basilika Seligenstädter Basilika Zeichnung und Copyright: Hans-Jürgen Heyne

Seligenstadt - Die Perle am Main, das schöne Seligenstadt kann mit großen historischen Bauwerken glänzen. Es gibt allerdings Jahrhundertbauwerke in unserem Städtchen die niemals fertig werden.

Ganz aktuell geht es um den Um- oder Ausbau der innerstädtischen Kreisstraße K185 zwischen Seligenstadt und Klein-Welzheim, nun soll es ernst werden. Seit vielen Jahren wurde in der Regionalpresse über einen Baubeginn zur Erneuerung der Verbindungsstraße berichtet. Laut Presseberichten soll die komplette Erneuerung der Kreisstraße K 185 zwischen Seligenstadt und Klein-Welzheim in die Endphase gehen. Die Äußerungen der verschiedenen regierenden Landräte über den Baubeginn überschlagen sich bereits seit vielen Jahren.

Es sollen Geh- und Radwege entstehen. Auch barrierefreie Bushaltestellen sind geplant. Da es sich um eine Kreisstraße handelt ist Behörde Hessen-Mobil dafür verantwortlich. Die Jahre gingen so schnell vorüber das die überforderten Politiker und Planer mit diesem Tempo nicht mehr Schritt halten konnten. Sie waren schlichtweg überrascht oder überfordert. Während der Bauarbeiten an der Kreisstraße soll der Ortsteil Klein-Welzheim für die Dauer von acht Monaten quasi vom Rest der Welt abgeschnitten werden. Eine Teilumleitung soll über Mainflingen geführt werden. Von der Sperrung betroffene Gewerbebetriebe wollen einen Bauaufschub wegen Verfahrensmängel einklagen bis den Hessen-Mobil Planern eine andere Umleitungs-Lösung dazu einfällt, aber das kann sehr lange dauern. Der öffentliche Busverkehr wird in einer Richtung auf diesem Abschnitt während der Bauarbeiten komplett eingestellt. Zu den Vorwürfen will sich von den Verantwortlichen niemand äußern, wie immer mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren. Seit 41 Jahren schwebt dieses Projekt unerledigt im Raum. Am 1. Januar 1977 wurde Klein-Welzheim von der Stadt Seligenstadt eingemeindet. Es muss noch erwähnt werden das es sich bei dem Neubau nur um einen Streckenabschnitt von circa 1,5 km handelt.

Die neueste Meldung zu diesem Bauwerk überrascht nicht. Wie zu erwarten kann der Baubeginn nicht eingehalten werden. Das wurde von Hessen-Mobil mitgeteilt. Angeblich sollen die Kläger für den Bauaufschub verantwortlich sein. Für Hessen-Mobil kam die Klage der Anlieger wie gerufen. Böse Zungen behaupten die Planungsbehörde hätte die Abgabe einer europaweiten Ausschreibung für die Bauarbeiten verschlafen. Wie es mit dem Bauprojekt weitergeht das konnte oder wollte von den Verantwortlichen niemand sagen.

Mit dem Jahrhundertbauwerk Seligenstädter Ortsumfahrung auch Umgehungsstraße genannt haben wir die nächste unendliche Geschichte. An diesem Objekt wird seit über einem halben Jahrhundert geplant und herumgebastelt. Der noch nicht fertig gestellte dritte Bauabschnitt ist an Fehlplanungen nicht zu überbieten. Sollte der letzte Bauabschnitt jemals begonnen werden, muss der Froschhäuser „Hochkreisel“ wieder eingeebnet werden. Welch eine Planung, von den Kosten ganz zu schweigen. Ob das Projekt jemals fertig wird steht in den Sternen und wenn es nur die Sterne von Hessen-Mobil sind. Sind Fehlplanungen zu bewundern oder die Fertigstellung von Bauprojekten verzögert sich erheblich, ist diese Planungs-Behörde dafür verantwortlich und das in ganz Hessen. Die Straßenbaubehörde, (Straßen-und Verkehrsmanagement) wird fälschlicherweise „Hessen Mobil“ genannt, mit Mobilität hat das nichts zu tun. Es ist und bleibt ein schwerfälliger Behördenapparat.

Noch eine Fehlplanung von Hessen-Mobil ist auf der Frankfurter Straße zu bewundern. Auch das kann als eine unendliche Geschichte eingestuft werden. Der hastig entstandene Radfahrweg in Richtung Froschhausen ist eine Glanzleistung der Baubehörde aus Wiesbaden. Auch dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Joachim Bergmann ist die stümperhafte Ausführung aufgefallen. In einem Pressebericht hat sich Bergmann zu einer kleinen Kritik an Planung und Ausführung des Radfahrerstreifens hinreißen lassen, hat aber dabei die verantwortliche Behörde wohlweislich nicht erwähnt. Mehr ist dazu von den politischen Honoratioren im Städtchen bisher nicht geschehen. Eine schnelle verkehrssichere Änderung der Gegebenheiten auf der Frankfurter Straße lässt weiter auf sich warten oder es steht in den Sternen von Hessen-Mobil.

Ein kleines historisches Bauwerk, das Badehaus an der Steinheimer Straße kann ebenfalls in die Reihe der unendlichen Geschichten aufgenommen werden. Es wurden bereits viel Versuche unternommen, das Haus wieder zum Leben zu erwecken. Ein Groß-Investor wollte nachdem seine Firma den Zuschlag oder die Baugenehmigung für ein großes Bauprojekt im Städtchen erhalten hat, als kleines Dankeschön das Badehaus sanieren. So haben es viele Seligenstädter Bürger im Gedächtnis. Vielleicht besinnt sich dieser Wohltäter auf frühere Zusagen, es wäre schön für Seligenstadt.

Bei einer weiteren unendlichen Geschichte geht es um die Hans-Memling-Schule. Nach jahrelangen Streitereien zwischen der Stadt Seligenstadt und dem Kreis Offenbach wem denn die leerstehende Schule gehören soll, wurde tatsächlich noch eine Einigung erzielt. Die Stadt durfte das Sanierungsobjekt wieder sein Eigentum nennen. Die Sanierungskosten sollen sich laut Gutachten auf Drei Millionen Euro belaufen. Das soll die Stadt tragen als neuer/alter Eigentümer. Und wieder wird im großen Stil um die zukünftige Nutzung gestritten. Das Dilemma begann mit dem PPP-Projekt des ehemaligen CDU-Landrates Peter Walter. Da ging es um Nutzung und Finanzierung der gesamten öffentlichen Schulen im Kreis Offenbach. Bei der Sanierung aller Schulen im Kreis wurde die Hans-Memling-Schule vergessen. Ob gewollt oder nicht, die Einzelheiten dazu würden den Rahmen des Artikels sprengen.

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Hans-Jürgen Heyne

 

Hans-Jürgen Heyne (Jahrgang 1945) lebt in Seligenstadt am Main. 

Seit Februar 2018 schreibt er „Satire“ für die HESSEN DEPESCHE. 

Noch als „Kriegskind“ geboren, später auf der Gegenseite der politischen Staatsdiener mit der Nachkriegs-Politik aufgewachsen. Hobbygärtner, Bildermaler und Betreiber einer privaten satirischen Blogseite: politikamspiess.blogspot.com

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