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Zum 30. Juni 2016 lag Quote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Offenbach bei 57,8 Prozent

Immer mehr Gut- und Besserverdiener ziehen nach Offenbach/Main und lösen einen Bauboom aus

Donnerstag, 20 Juli 2017 04:27 geschrieben von  Axel Frohmeier
Immer mehr Gut- und Besserverdiener ziehen nach Offenbach/Main und lösen einen Bauboom aus Bildquelle: PIXABAY.COM

Offenbach am Main - Der Wohnraummangel und die Mietpreisexplosion im Rhein-Main-Gebiet führen dazu, dass immer mehr Gut- und Besserverdiener nach Offenbach ziehen und dort einen Bauboom auslösen. Damit verändert sich auch die Sozialstruktur der Stadt in die vom Rathaus gewünschte Richtung. Laut dem jüngsten statistischen Vierteljahresbericht der Stadt stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 15 und unter 65 Jahren am Wohnort Offenbach in den vergangenen drei Jahren deutlich stärker als in Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden und Kassel. Zum Stichtag 30. Juni 2016 lag die Quote in Offenbach bei 57,8 Prozent und damit deutlich vor diesen Vergleichsstädten.

Offenbach profitiert von einem Bevölkerungswachstum, seiner zentralen Lage im Rhein-Main-Gebiet, einem ökonomisch dynamischen Umfeld und guten Verkehrsanbindungen.

Einen relativen Spitzenplatz nimmt Offenbach auch beim Beschäftigungsgrad dort lebender Ausländer ein: 53,7 Prozent der Nicht-Deutschen gehen einer geregelten Beschäftigung nach – deutlich mehr als in den Vergleichsstädten. Das heißt aber auch, dass selbst in Offenbach 46,3 Prozent der Ausländer nicht geregelt arbeiten. Die „Welt“ stellte dieser Tage fest: „Inzwischen haben 43,1 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland einen Migrationshintergrund, in den westdeutschen Bundesländern sind es sogar 49,5 Prozent – in Hessen wird der höchste Wert erreicht: 57,7 Prozent.“

Wie das Offenbacher Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration mitteilt, ist die positive Entwicklung einigermaßen bemerkenswert, weil die Dynamik Offenbachs als Wirtschaftsstandort „allenfalls als verhalten“ zu bewerten sei. Seit 2013 ist zwar der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort (also jenen Menschen, die in Offenbach arbeiten, aber nicht unbedingt hier wohnen) gestiegen. In der langfristigen Betrachtung ist die Situation aber von einem deutlichen Rückgang der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort gekennzeichnet. Zum Stichtag 30. Juni 2016 gingen 45.970 Menschen in Offenbach ihrer Arbeit nach, 1992 waren es noch 51.867 Menschen.

Diese Entwicklung zeigt auch der Blick auf die Pendlerströme: Erstmals verzeichnet die Statistik für das Jahr 2015 einen Auspendlerüberschuss von 1,3 Prozent. Somit pendeln mehr Arbeitnehmer aus Offenbach aus als ein. Die Stadt entwickelt sich folglich von einem Arbeitsort zu einem Wohnstandort. Ursächlich hierfür ist der Rückzug der Industrie: Nur noch 19,5 Prozent der Beschäftigten am Wohnort Offenbach arbeiten in diesem Wirtschaftszweig. In den Jahren zwischen 2008 und 2016 verlor das verarbeitende Gewerbe über ein Drittel der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Gewachsen ist die Zahl der Beschäftigten hingegen in anderen Branchen.

Für Noch-Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) zeigen diese nicht durchweg positiven Zahlen, dass die Stadt in den kommenden Jahren „ihr ganzes Augenmerk auf die Ansiedlung neuer Unternehmen und Arbeitsplätze werfen“ muss. „Mit dem Masterplan haben wir die Grundlage geschaffen, um unter anderem den Kaiserlei, den Ostbahnhof und das Allessa-Areal zu zeitgemäßen Gewerbegebieten zu entwickeln. Dort müssen qualifizierte und attraktive Arbeitsplätze entstehen“, so Schneider.

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