hessen-depesche.de

Selig sei die Stadt genannt

Seligenstadt: … etwas satirisch durchleuchtet

Montag, 17 Dezember 2018 02:25 geschrieben von 
Seligenstadt - am Marktplatz Seligenstadt - am Marktplatz Quelle: Zeichnung: Hans-Jürgen Heyne

Seligenstadt - HURRA! Wir werden Großstadt! Ein Baugebiet jagt das andere. Unsere heimischen Baulöwen haben alles fest im Griff. Was irgendwie nicht mehr niet- und nagelfest ist, wird abgerissen. Es entstehen wunderschöne Bauten im NEU-Kapitalistischem-Stil. Alle sind so abwechslungsreich, wunderschön! Der OTTO-Normalverdiener kann da allerdings nicht mitreden, bezahlbarer Wohnraum bleibt für diese Klientel auch in Zukunft unerreichbar. Und es geht munter weiter, die Frankfurter Straße ist zum Eldorado der Bau-Investoren verkommen. Sieht doch alles ganz toll aus wenn es fertig ist, ODER?

Wie in der heimischen Presse zu lesen war, bekommen wir jetzt den Gipfel auf die Krone gesetzt. Mit dem Neubaugebiet Westring soll es bald losgehen, allen Protesten zum TROTZ. Irgendwelche Proteste haben in Seligenstadt noch nie gefruchtet. Das Vertragswerk der neu ins Spiel gekommenen Baulöwen-Gesellschaft wird vom Bürgermeister als „Staatsgeheimnis“ eingestuft, das blöde Wahlvolk muss ja nicht alles wissen. Die in diesem Gebiet geplanten Alibi-Sozialwohnungen werden wohl wie immer im Sande verlaufen. Laut Auskunft sollen rund 200 Berechtigte auf eine Sozialwohnung warten, ob Flüchtlinge in dieser Zahl mit einbezogen wurden ist nicht bekannt. Wie zu hören war soll tatsächlich auch ein NEIN für das Projekt noch möglich sein. Ein Ausstieg vom Ganzen, sagte irgend eine himmlische Stimme, ob das jemand glauben soll sei dahin gestellt. Die derzeitigen Stadtführerparteien SPD/Freie Wähler/FDP wollen dieses Projekt durchziehen, egal was danach hinten herauskommt. Die Geschäfte laufen für die Baulöwen sehr gut, so muss es sein. Das Seligenstädter-Bauprojekt soll doch tatsächlich auch einige „Wutbürger“ auf den Plan gerufen haben die mit dem Riesenprojekt in dieser Form nicht einverstanden sind. Trotz allen Bekundungen aus dem Rathaus über die finanziellen Höhen und Tiefen die zur Zeit zu stemmen sind, muss das Ganze gut überlegt und durchdacht werden. Die Stadt darf sich aus parteipolitischen Überlegungen nicht finanziell übernehmen. Für die Sanierung des Rathausturmes soll zur Zeit kein Geld vorhanden sein, ist zurückgestellt worden. Das Türmchen hätte bestimmt einige Millionen Euro verschlungen. Oder war es nur ein kleiner Planungsfehler der Stadtoberen?

Es gab einmal eine ganz schwarze CDU-Stadtregierung in unserem Städtchen. Das waren damals die alleinigen Herrscher, sozusagen die Könige im Lande. In deren Regierungszeit war Seligenstadt die „Insel der Seligen“, zum Leidwesen der anderen Parteien, diese hatten damals nichts zu sagen, waren dazu auch nicht in der Lage und es gab nicht so viele Volksvertreter und Parteien. Der Fortschritt wurde von den herrschenden Königen um Seligenstadt herum geleitet. Die CDU wollte den geplanten Autobahnanschluss Seligenstadt verhindern, mit einer tollen Begründung: … ohne fertige Umgehungsstraße kein Autobahnanschluss. Und so wurde die Umgehungsstraße jahrelang verhindert. Maßgeblich beteiligt an diesen Verhinderungs-Aktionen war die damalige „Südring-Prominenz“ darunter auch viele CDU-Mitglieder und Sympathisanten. Die „Großkopferten“ wollten vor ihrer Haustüre keine Umgehungsstraße für das fahrende Volk haben. Viele Geschäftsleute im Städtchen klagten schon vor dem Bau der Umgehung von Umsatzrückgängen in den Kassen. Nach der Schwarzen Regierungsperiode wurde es etwas farbenfroher im Städtchen, es wurde Rot, Grün, Gelb und Blau, ach wie schön, es sollte doch alles besser werden.

Irgendwann wurden wir von einer „Dreier-Bande“ regiert und beglückt. Die CDU mit ihren Mitläufern GRÜNE und SPD die als Mehrheitsbeschaffer bei Abstimmungen im Stadtparlament dienten. Jeder natürlich für ein paar Pöstchen im Politikleben, als kleines Dankeschön. Diese haben lange Zeit selbstherrlich das Städtchen regiert, natürlich zum Unmut der Opposition. Diese regierende Elite wurde bei einer Wahl tatsächlich abgewählt. Die Seligenstädter Bürger sind mit einer neuen „Dreier-Bande“ beglückt worden. Die SPD hat jetzt das Zepter in der Hand. Die Mitläufer FDP und die Freien Wählern dürfen für die Mehrheiten im Stadtparlament stimmen, natürlich für ein paar Pöstchen als Dankeschön. Den Bürgermeister durfte die FDP stellen, die Bürger haben den Kandidaten Daniell Bastian gewählt. Die SPDler haben sich bei Entscheidungen im Stadtparlament zu Wendehälsen entwickelt. Auch die Freien Wähler sind bei ihren Grundsätzen nicht mehr die Alten und haben ihre Grundsätze über Bord geworfen. Die Fahnen müssen flattern im Wind. Es hat sich nichts geändert, es wird selbstherrlich weiter regiert.

Wenn Seligenstadt durch die vielen Bauprojekte zur „Millionen-Stadt“ heranwachsen sollte, müssen sich die Macher schnell etwas einfallen lassen. Die Verkehrsanbindungen lassen sehr zu wünschen übrig. Bei diesen Thema ist seit Jahren vieles absichtlich verhindert worden, siehe „Insel der Seligen“ in der Frühepoche. Die viel gepriesene „Odenwaldbahn“ ist im jetzigen Zustand nicht das Verkehrsmittel der kommenden Jahre. Die Zukunft ist im Städtchen verschlafen worden. Ein Seligenstädter S-Bahn Anschluss nach Rodgau (nicht über Hanau) und damit direkt in das Rhein-Main-Gebiet, Flughafen und weitere Regionen, das wäre toll gewesen. War kurz im Gespräch, wurde aber damals schnell vom Tisch gefegt, das benötigt unser seliges Seligenstadt nicht. Im Jahre 1897 gab es bereits Planungen für eine Regionalbahn von Alzenau über Seligenstadt nach Weißkirchen, welch ein Weitblick der damaligen Politiker. Ganz aktuell hat der Bürgermeister verlauten lassen, Seligenstadt wäre doch ganz gut mit dem ÖPNV versorgt.

Zu dem ganzen Dilemma gehört noch das Jahrhundertbauwerk Umgehungsstraße, die Fertigstellung ist laut der „Comedy-Behörde Hessen-Mobil“ inzwischen auf den Sanktnimmerleinstag verlegt worden, es wird zehn Jahre später mit dem Bau begonnen. Mit dieser Entscheidung der Comedy-Behörde sind unsere Stadtpolitiker über den Tisch gezogen worden. Für was benötigen wir dann noch eine Umgehungsstraße? Bis dahin sind alle Kröten und Windelschnecken aus Froschhausen verschwunden.

Was besonders benötigt wird ist der allseits geliebte Kreisel am Kapellen-Platz, da soll es jetzt mit rasanten Millionen-Euro-Schritten voran gehen, oder auch nicht. Es geht aber trotzdem munter weiter. Die Kreuzung Jahnstraße/Ellenseestraße ist von den Stadtoberen für den nächsten Kreisel bereits auserkoren worden. Wir haben scheinbar noch genügend Geld in der Stadtkasse, das muss noch für einige Kreisel verprasst werden. Damals hatte der Superplaner aus Darmstadt seinen Abfall in unserem Städtchen hinterlassen, ein großer Sack voller Kreisel, den er über der Stadt ausleeren durfte. Ein paar sind sinnvoll, andere hätte man sich sparen können und diesen Schrott sollte der Professor wieder abholen. Der Kreisel Rilkestraße/Würzburger-Straße ist solch ein Produkt, ein Unfallschwerpunkt, das muss geändert werden. Weiterhin muss die Rennstrecke Würzburger-Straße entschärft werden. Liebe Stadtpolitiker, es wäre doch eine sinnvolle Aufgabe die „Würzburger“ mit einer 30er Begrenzung zu entschärfen, die Anwohner würden es begrüßen. Der dafür zuständige neue Stadtrat will in Zukunft alles besser machen, das wäre doch eine Aufgabe zum besser machen.

Die Fähre darf nicht vergessen werden, die optimale Anbindung an den Freistaat Bayern. Allerdings wurde der Grenzübertritt in Richtung Freistaat auf ein paar Stunden begrenzt. Die neuen Fährzeiten haben für viel Unmut gesorgt. Selbst die FAZ hat am 29.8.2018 dem Thema Fähre einen Artikel gewidmet. Böse Zungen behaupten die Fährleute sollen noch nachmittags eine Kaffeepause von einer Stunde spendiert bekommen. An den Politikern gegenüber der Grenze könnten wir uns ein Beispiel nehmen, die waren immer etwas fortschrittlicher und schneller, müssten wir eventuell CSU wählen dürfen, aber das haut auch nicht mehr ganz hin. Ein Brücke in das „Bayrische“ wäre nicht das schlechteste gewesen. Ein Entwurf der neuen Mainbrücke wurde in einer Zeichnung für den Fastnachtszug im Jahre 1908 bildlich bereits verwirklicht. wurde ganz schnell vom Tisch gewischt. Wird nicht benötigt, BASTA! (Insel der Seligen)

Eine Fahrradstadt wollte Seligenstadt werden, es gab hochtrabende Pläne. Es sollten Fahrradstraßen entstehen, separate Fahrradstreifen durch die Stadt. Zwei kurzfristig geplante Fahrradstreifen wurden vorübergehend wieder auf Eis gelegt, gab es doch Proteste von den bösen Bürgern. Da hat es eventuell gefruchtet mit dem Protest. Kurz vor irgendwelchen Wahlen müssen die Politiker zu ihrem Stimmvieh immer ein wenig lieb sein und nach der Wahl wir alles durchgezogen wie gehabt. Der Fahrrad- und Kreisel-Professor aus Darmstadt hatte den Stadtoberen das Blaue vom Himmel erzählt wie toll das alles wird, die Radfahrer können sich wie im Paradies fühlen. Mit dem Paradies wurde es nichts, alle Fahrradmarkierungen auf den Straßen sind marode und nicht mehr als solche zu erkennen. Die Radwege sind in einem erbärmlichen Zustand. Die Radfahrer sind bei den Kreisel-Spielereien vergessen worden. Es ist gefährlich auf diesen Streifen zu fahren. Die bestehenden Radwege sollten erst einmal in Angriff genommen und verkehrstechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden, damit sie den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Danach können neue geplant werden. Die „Comedy-Behörde Hessen-Mobil“ ist für den neu markierten Radweg auf derFrankfurter Straße in Richtung Froschhausen zuständig. Allerdings entspricht dieser Radweg nicht den gesetzlichen Vorschriften. Aber was wollen wir von einer solchen Behörde erwarten, siehe die Kreisstraße Seligenstadt/Klein-Welzheim, das ist ein planerisches Spitzenprodukt von „Hessen Mobil“, natürlich in Zusammenarbeit mit unseren städtischen Hochleistungs-Politkern aller Couleur und dem Kreis Offenbach.

Wie aus der Presse zu entnehmen ist, sollen sich ein paar dunkle Wolken über dem Rathaus zusammen ziehen, speziell in finanzieller Richtung. In einer Pressemeldung ist zu lesen, es ist genug Geld vorhanden, in der nächsten Meldung sollen die Finanzen doch nicht so rosig aussehen. Was denn nun? Ist es doch nicht alles so selig in unserem kleinen Städtchen wie die Bürger es erzählt bekommen. Es wird versucht alles zu verharmlosen und glatt zu bügeln, belanglos nicht der Rede wert und nur Kleinigkeiten. Also die Insel der Seligen. BASTA!

Artikel bewerten
(4 Stimmen)
Hans-Jürgen Heyne

 

Hans-Jürgen Heyne (Jahrgang 1945) lebt in Seligenstadt am Main. 

Seit Februar 2018 schreibt er „Satire“ für die HESSEN DEPESCHE. 

Noch als „Kriegskind“ geboren, später auf der Gegenseite der politischen Staatsdiener mit der Nachkriegs-Politik aufgewachsen. Hobbygärtner, Bildermaler und Betreiber einer privaten satirischen Blogseite: politikamspiess.blogspot.com

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Team