hessen-depesche.de

Cornelius Persdorf

Cornelius Persdorf

Cornelius Persdorf (Jahrgang 1985) arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Redakteur. Nebenberuflich engagiert sich der Politologe als Klaviermusiker und Chorbegleiter.

Mainz - "Es gibt - kein Recht - auf Nazi-Propaganda", dröhnen die grob achtzig Jugendlichen unter dem Banner der Linksjugend. "Nazis raus! Nazis raus!" - so die Erwiderung der ungefährhundert "Merkel muss weg"-Demonstranten. Ja, richtig gelesen! "Sowas finde ich immer cool, wenn man denen ihre eigenen Parolen zurückschleudert", freut sich die blonde Rebecca Schwester* aus Mainz, von ihren Freunden "Becky-Vierecki" genannt. "Die sind dann immer so geil sprachlos!" Die lustige Endzwanzigerin feixt. Tatsächlich: Einigen der linken Gegendemonstranten in der ersten Reihe hat es die Sprache verschlagen. Möglicherweise setzt bei ihnen aber auch die Nachdenklichkeit ein. Derweil versucht der Initiator der Mainzer Montagsdemo - Anfang dreißig, kurzer roter Wikingerbart - ein paar Regeln zu verdeutlichen: Keine Gewaltanwendung, keine Pyrotechnik, keine "Dinge, die an die Zeit zwischen 1933 und 1945 erinnern" und kein Alkohol. "Diese Islamisierung aber auch! Jetzt dürfen wir nichtmal auf einer rechten Demo Alkohol trinken", witzelt ein Mitglied der Mainzer AfD in der vorderen Reihe.

Mainz - Der Spitzenkandidat der AfD Rheinland-Pfalz gilt als jugendliches Zugpferd. Neueste Umfragen sehen seinen Landesverband bei 11 Prozent zur Bundestagswahl am kommenden Sonntag - obwohl die Kandidatur des gebürtigen Südpfälzers von einem Gerichtsprozess überschattet wird. Engere Parteifreunde bewundern Ausdauer und Besonnenheit  an ihm. Auch wenn er sich keinem der bestehenden Parteiflügeln zuordnen lässt, gilt er als Vertreter einer neuen rechtsliberalen Stoßrichtung.

Hausen vor der Höhe - Wer allen Ernstes vom AfD-Politiker André Poggenburg eine nüchterne Bestandsaufnahme über die Strategie-Fähigkeit der AfD und ihre künftigen Koalitionsoptionen erwartet hatte, der sah sich bestätigt. Die Rede des Oppositionsführers im sachsen-anhaltinischen Landtag war merkwürdig wahlkampfuntypisch: Sie zerschlug alle öffentlich-rechtlich-medialen Schablonen, die ihn als ideologisch überhitzten Kobold darstellen wollen, der mit teppichbeißerischer Rhetorik die "jungen Männer am rechten Rand" fischt.

Team