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Neu: Weitere Klage vor dem Amtsgericht Köln anhängig

Überraschende „wee“-Wendung: Cengiz Ehliz zieht Einstweilige Verfügung gegen Rudolf Engelsberger zurück

Donnerstag, 20 Dezember 2018 02:45 geschrieben von  Götz Schubert
Das wee/COOINX Konglomerat erscheint dem äußeren Betrachter wie ein Labyrinth aus Fragen. Das wee/COOINX Konglomerat erscheint dem äußeren Betrachter wie ein Labyrinth aus Fragen. Quelle: HESSEN DEPESCHE

Köln – Die juristische Auseinandersetzung zwischen dem Gründer des Cashback-Systems „wee“ und Chef der Swiss Fintec Invest AG, Cengiz Ehliz, und dem früheren CEO der weeCONOMY AG sowie der weeCONOMY Group AG, Rudolf Engelsberger, hat eine überraschende Wendung genommen: Die für Mittwoch, 19. Dezember 2018, angesetzte Verhandlung wurde einen Tag vorher abgesagt. Der Grund: Ehliz hat die Einstweilige Verfügung gegen Engelsberger, die Gegenstand der Streitigkeit war, zurückgezogen.

Vieles spricht dafür, dass die akribische Berichterstattung der HESSEN DEPESCHE über den „wee“-Komplex einen nicht unerheblichen Anteil anEhliz‘ Entscheidung gehabt haben könnte. Normalerwiese wäre die Verhandlung in Köln unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle geblieben. Doch inzwischen beobachtet die HESSEN DEPESCHE die Aktivitäten von Ehliz und seines wee.com-NachfolgersSwiss Fintec Invest AG (https://www.hessen-depesche.de/wirtschaft/michael-scheibe,-wee-und-cooinx-zieht-sich-cengiz-ehliz-aus-dem-namen-weeconomy-zurück.html) ebenso intensiv wie seine Zusammenarbeit mit Michael Scheibe und seiner Luxemburger COOINX S.A. im Rahmen der „neuen“ weeNexx AG (1977 als Tennis-Center-Egnach AGgegründet, später in CORAFIN AG und dann in weeLICENCES AG umbenannt; seit Juni 2018 trägt die Gesellschaft ihren jetzigen Namen; https://www.hessen-depesche.de/wirtschaft/weenexx-ag-kritiker-zweifeln-am-„erfolgsmodell“-von-michael-scheibe-cooinx-und-cengiz-ehliz.html). Diese mediale Begleitung hat den deutsch-türkischen Unternehmer aus dem beschaulichen Bad Tölz Brancheninsidern zufolge deutlich vorsichtiger werden lassen. Erst vor wenigen Tagen hatte HESSEN DEPESCHE auch über den nun abgesagten Prozess in Köln berichtet (https://www.hessen-depesche.de/wirtschaft/„wee“-vor-gericht-rudolf-engelsberger-klagt-in-kreuzlingen-und-köln-gegen-cengiz-ehliz.html).

Eidesstattliche Erklärung bleibt unbehandelt

Nun ruderte Ehliz bei seinem Vorgehen gegen Engelsberger zurück. Doch worum hätte es in Köln gehen sollen? Rudolf Engelsberger hatte im November 2017 einen Presseartikel mit dem Titel „wee – Bereichert sich Cengiz Ehliz an seinen loyalen Geschäftspartnern?“ veröffentlicht. Dagegen erwirkte Ehliz eine Einstweilige Verfügung, woraufhin Engelsberger den Text aus dem Netz nahm. Allerdings wollte es der frühere Chef der weeCONOMY AG damit nicht auf sich beruhen lassen, sondern klagte seinerseits gegen die Einstweilige Verfügung. Vor dem Amtsgericht Köln wäre über diese Klage Engelsbergers entschieden worden.

Was aufhorchen lässt: Seine Einstweilige Verfügung hatte Ehliz mit einer Eidesstaatlichen Erklärung begründet. Diese wiederum wurde von Engelsberger angezweifelt. In Köln wäre diese Versicherung an Eides statt Gegenstand der Verhandlung gewesen. Durch die Zurückziehung der Einstweiligen Verfügung gegen Engelsberger und die Hinfälligkeit des Prozesses bleibt nun allerdings ungeklärt, ob Ehliz eine falsche Eidesstattliche Erklärung abgegeben hat – was ein schwerer Straftatbestand wäre – oder ob seine Angaben in dieser Erklärung der Wahrheit entsprechen. Ist das womöglich der wahre Grund für seinen Rückzug?

Weitere Klage von Engelsberger gegen Ehliz

Von dieser Sache unbenommen bleibt eine weitere juristische Auseinandersetzung, die zwischen Engelsberger und Ehliz besteht. Nach Informationen der HESSEN DEPESCHE ist – ebenfalls vor dem Amtsgericht Köln – unter dem Aktenzeichen 28 0 420 / 18 eine weitere Klage von Engelsberger gegen Ehliz anhängig. Dabei geht es um Folgendes: Auf seinem Blog cengizehliz.com hat der Erfinder des „Wee“-Systems im Dezember 2017 einen Beitrag über Engelsberger veröffentlicht, in dem er sich über angebliche „Erpressungsversuchen“ seines früheren Geschäftspartners beklagt.

In dem Text heißt es unter anderem: „Rudi [gemeint ist Rudolf Engelsberger] will allen Ernstes 2% der wee.com-Aktien haben. Völlig absurd! Er meint, seine 2% weeConomy-Group-Aktien gegen die am Euronext gelisteten Aktien umtauschen zu können. Einfach so. Ohne plausiblen Grund. Und um dieses Ziel zu erreichen, hat er versucht vor einigen Monaten Druck zu machen. Er hat dem Unternehmen gedroht. Er hat mir persönlich gedroht… ‚Wenn nicht, dann…!‘ Er hat sich im November ein Portal gebaut und mimt plötzlich den Enthüllungsjournalisten. Feiert sich schon selbst mit Veröffentlichungen, die er auf Onlineportalen gegen ‚wee‘ und mich publiziert hat. Mir zu unterstellen, ich würde mich nicht an Verabredungen halten und mich persönlich bereichern, ist infantil. Und derart abstruse Kursberechnungen von Aktien aufzustellen, grenzt an Wahn. (…) Weil ich keine Lust habe, mich von Totalversagern beschmutzen zu lassen, die vermeintliche Pressemitteilungen mit einem geklauten Foto von mir verschicken. Sowohl weeCONOMY AG als auch ich selbst werden den selbsternannten Schmalspur-Whistleblower verklagen. Und wir werden uns weder erpressen, noch auch nur ansatzweise unter Druck setzen lassen.“ (https://www.cengizehliz.com/statement-zu-erpressungsversuchen-von-rudolf-engelsberger) Im Rahmen dieser Erklärung veröffentlichte Ehliz außerdem ein Video, in dem er weitere Vorwürfe erhebt.

Gegen diese Veröffentlichung hat Engelsberger Klage beim Amtsgericht Köln eingereicht, die unter dem oben genannten Aktenzeichen anhängig ist. Wie der frühere weeCONOMY AG und der weeCONOMY Group AG auf Nachfrage der HESSEN DEPESCHE erklärte, wird er diese Klage auch nach dem Zurückziehen von Ehliz‘ Einstweiliger Verfügung in anderer Sache weiter aufrechterhalten.

Zudem kündigte er an, seine Internetseite, auf der er kritische Beiträge über Ehliz und den „wee“-Komplex veröffentlicht, vermutlich im Januar wieder online gehen zu lassen. Man kann sich also auf eine Fortsetzung der Auseinandersetzung zwischen den beiden früheren Partnern gefasst machen.

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