hessen-depesche.de

Immobilienmakler Mike Gerbig stößt kaum auf Resonanz

Der „wee“-Laden im sächsischen Pirna: „Erfolgsmodell“ von Cengiz Ehliz, Michael Scheibe und Mirko Scheffler?

Samstag, 22 Dezember 2018 12:44 geschrieben von  Götz Schubert
wee hat auch im sächsischen Pirna eine Akzeptanzstelle wee hat auch im sächsischen Pirna eine Akzeptanzstelle Quelle: SACHSEN DEPESCHE

München/Pirna – Mit einer Umtauschaktion von Aktien der der Swiss Fintec Invest AG (ehemals wee.com AG) in Token des angekündigten ICOs, für die Cengiz Ehliz und Mirko Scheffler sogar mit einem Video werben (https://www.hessen-depesche.de/wirtschaft/wee-und-mpm-group-ag-cengiz-ehliz-und-mirko-scheffler-bieten-seltsamen-umtausch-von-aktien-für-token-an.html), soll eine neue Stufe der „wee“-Rakete gezündet werden, die allerdings nach Ansicht von Kritikern eher wie ein Rohrkrepierer anmutet.

Tatsächlich wirft diese Umtauschaktion Fragen auf: Cengiz Ehliz erwähnt in besagtem Video geradezu auffällig immer wieder die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, obwohl sich diese offenbar Stück für Stück aus dem „wee“-Konglomerat zurückzieht.

Fragwürdige ICO-Umtauschaktion

In einer Mitteilung der MPM Group AG von Ehliz‘ Geschäftspartner Mirko Scheffler heißt es dazu: „In den nächsten Tagen wird die Incentives-Kachel 2018 in Ihrem Backoffice live geschaltet, dort können Sie dann die noch offenen Incentive-Aktien bestätigen. Leider istdie Auslieferung der Incentive-Aktien ein sehr langwieriger Prozess, und laut den Banken, kann sich dieser bis zu 4 Jahre hinziehen, da die Aktien an über 15.000 Aktionäre ausgeliefert werden müssen. Das haben wir uns alle etwas einfacher vorgestellt.“

Und weiter: „Aus diesem Grund möchten wir allen Partnern, deren Aktien noch nicht ausgeliefert worden sind, folgendes Angebot machen: Es gibt jetzt von der weeNexx AG auch ein Family & Friends Angebot im Rahmen des ICOs der wee, so wie es die meisten Partner ja noch von dem IPO her kennen. Mit dem ICO der weeNexx AG bereitet wee den nächsten Schritt für das bargeldlose Bezahlen mit wee dank Blockchain-Technologie vor.“

Zur Erklärung: ICO ist die Kurzform von Initial Coin Offering. In der Welt der Kryptowährungen dient ein solches ICO – vergleichbar mit einem IPO bei Aktien –als Finanzierungsphase für ein Projekt, das auf der Blockchain-Technologie beruht, in diesem Falle also des „wee“-Cashback-Systems. Mit der Ausgabe von Tokens, also gewissermaßen „Anspruchsscheinen“ auf spätere Kryptocoins, kann ein Unternehmen den strengen Regulierungen, denen Banken oder Börsen ausgesetzt sind, sowie der Finanzdienstleistungsaufsicht durch die BaFin weitgehend ausweichen. Dadurch wird eine größtenteils unregulierte Kapitalbeschaffung ermöglicht.

Auffällig an der Erklärung von MPM ist, dass die Umtauschaktion offenbar als eine Art „Ersatz“ für noch offene Incentive-Aktien präsentiert wird, deren Auslieferung sich bis zu vier Jahren (!) hinziehen könne. Viele Anleger werden durch diese angekündigte hohe Zeitspanne geradezu verleitet, auf das ICO auszuweichen. Dabei wird das ICO selbst im „wee“-Komplex schon seit Monaten intensiv beworben, sodass davon auszugehen ist, dass dies das eigentliche Hauptanlageangebot und nicht nur einen „Ersatz“ darstellt. Die Werthaltigkeit der angepriesenen Tokenbzw. des dazugehörigen ICOs sind laut Branchenexperten allerdings zweifelhaft.

Großer Laden, wenig dahinter?

Aufschlussreich ist ein Blick hinter die Fassade des „wee“-Komplexes. Einen solchen bietet eine aktuelle Reportage unseres Partnerportals SACHSEN DEPESCHE, das sich ein „wee“-Ladengeschäft im sächsischen Pirna einmal näher angesehen hat. Das ziemlich große Geschäft mit drei Schaufenstern, auf denen das „wee“-Markenlogo prangt, befindet sich in der in der Schössergasse 11 in der Innenstadt – direkt am Marktplatz, also in bester Lage. Doch Besucherverkehr herrscht dort kaum. Kein Wunder: Nach Aussagen von Mitarbeitern der Nachbargeschäfte ist dort so gut wie nie jemand anwesend. Es gibt keine Klingel, keine Angaben zu Öffnungszeiten, zu einer Telefonnummer, an die man sich wenden kann. Auf der Tür steht aber groß das Wort „Registration“.

Auf aufgeklebten Schildern an der Tür ist dort außerdem „Powered by MPM Group“ zu lesen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf Satoshi Vision Pool (SVPool), ein Unternehmen, das mit dem Mining von Kryptowährungen befasst ist, und Bitcoin Cash, die fünftgrößte Kryptowährung am Markt. Aber will „wee“ nicht einen eigenen Kryptocoin schaffen? Warum macht man dann Werbung für die Konkurrenz?

Nach Recherchen der SACHSEN DEPESCHE ist der Dresdner Immobilienmakler Mike Gerbig, Geschäftsführer der CR Management GmbH sowie der BBV Asbeco GmbH und Betreiber der Internetseite immo24-dresden.de, für den anscheinend verwaisten „wee“-Laden in der Pirnaer Innerstadt zuständig.

Nur zwei „wee“-Akzeptanzstellen

Dieser bemüht sich schon seit 2017 darum, das Cashback-System bei den regionalen Einzelhändlern bekannt zu machen. Von großem Erfolg scheint das allerdings nicht gekrönt zu sein – denn bislang gibt es in der 20 Kilometer von Dresden entfernten Kleinstadt in der Sächsischen Schweiz nur ganze zwei (!) Akzeptanzstellen für „wees“: die WELTGEWANDT GmbH Exklusiv Reisen in der Jacobäerstr. 1 und die GO Tankstelle in der Dresdner Straße 46a.

Hier stellt sich die Frage: Ist Pirna eine Ausnahme – und woanders läuft es besser? Oder ist der so gut wie nie geöffnete „wee“-Laden in Pirna und die dürftige Resonanz beim regionalen Einzelhandel symptomatisch für das angebliche „Erfolgsmodell“ von Cengiz Ehliz und seiner Geschäftspartner Michael Scheibe und Mirko Scheffler? Diese Frage dürften sich insbesondere potenzielle Interessenten für das angekündigte ICO stellen…

Die gesamte Reportage der SACHSEN DEPESCHE finden Sie unter: https://www.sachsen-depesche.de/wirtschaft-finanzen/„wee“-in-pirna-cengiz-ehliz,-michael-scheibe-und-mirko-scheffler-drehen-mit-mike-gerbig-offenbar-kein-großes-rad.html

Letzte Änderung am Samstag, 22 Dezember 2018 12:59
Artikel bewerten
(8 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Team