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Jagdmentalität

Deutsche Bank: Christian Sewing mimt den „Finanz-Gauland“

Freitag, 13 April 2018 12:45 geschrieben von 
Deutsche Bank: Christian Sewing mimt den „Finanz-Gauland“ Quelle: Deutsche Bank AG

Frankfurt am Main - "Wir werden sie jagen“ – für diesen Satz am Abend der Bundestagswahl im letzten Herbst musste Alexander Gauland viel Kritik einstecken. Längst ist der Ausspruch zum Sinnbild der AfD-Politik im Bundestag geworden – bei Freund wie Feind. Nun spricht auch Christian Sewing, neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank von „Jagdmentalität“ und legt eine erstaunliche Aggressivität und Deutlichkeit an den Tag.

„Jagdmentalität“ statt Ruhe

Nach Jahren der Lethargie und technokratischer, eingekaufter Führungskräfte aus fernen Ländern soll sich nun der Wind bei der Deutschen Bank, die anders als die Konkurrenz nach der Finanz- und Bankenkrise immer noch nicht die Kurve gekriegt hat, endlich drehen. Daran will Sewing keinen Zweifel lassen. Er werde „harte Entscheidungen treffen und umsetzen“ und auch Geschäftsbereiche aufgeben, die für die Bank nicht profitabel seien. Man müsse die „Jägermentalität zurückgewinnen“, sich „in allen Geschäftsbereichen steigern und die Messlatte wieder höher legen“. Es gebe nichts, auf dem man sich ausruhen könne.

Die Deutsche Bank wird ein Stück deutscher

Mit dem Aufstieg des bisherigen Vize-Vorstandsvorsitzenden zum Chef der Deutschen Bank ist diese auch wieder etwas deutscher geworden: Christian Sewing kommt nicht aus der Investmentbanking-Branche, er ist kein Ausländer und er hat bis auf ein Intermezzo bei einer genossenschaftlichen Immobilienbank sein Leben lang für die Deutsche Bank gearbeitet. Als Hausnachwuchs begann er sogar mit einer Lehre zum Bankkaufmann, sodass ihn eine bodenständige Aura umweht, die auch ein klares Signal an die eigene Kundschaft und die Anleger ist.

Geteilte Analystenmeinungen, Aktienkursanstieg nur Strohfeuer?

Denn obwohl der Sitz der Bank in Frankfurt am Main ist, geriet das Privatkundengeschäft und überhaupt das Deutschlandgeschäft - nicht nur bezogen auf das Image - immer stärker in den Hintergrund. Das könnte sich nun ändern. Die Aktie stieg nach der Ankündigung der Personalentscheidung zunächst stark um mehr als drei Prozent, doch im Tagesverlauf des 09. Aprils schrumpfte das Plus schnell wieder auf etwa 1,5 Prozent. Seit dem Jahresbeginn ist die Aktie von etwa 16 € auf nur noch knapp über 11 € gefallen. Seit März befindet sie sich in einer Seitwärtsbewegung. Diese wurde auch durch die Kursbewegungen anlässlich der Personalentscheidung nicht verlassen, sodass derzeit noch völlig offen ist, wie sich die Aktie weiter entwickelt. Unterschiedlich sind auch die Erwartungen der Analysten. Einzig die DZ Bank gab heute eine Kauf-Empfehlung für die Aktie ab, sechs Analysten empfehlen, die Aktie falls bereits gekauft weiter zu halten. Unter ihnen befinden sich Schwergewichte wie Morgan Stanley, Goldman Sachs oder JP Morgan Chase & Co. Die Société Générale, die Citigroup und die Independent Research GmbH empfehlen gar, die Aktie zu verkaufen.

Sewing muss also noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Ob er den großen Wandel bringt, ist auch deshalb fraglich, da er bereits zuvor Vize-Vorstandsvorsitzender und an den Fehlentscheidungen der letzten Jahre jedenfalls nicht unbeteiligt war.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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