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Niedrige Stromkosten und CO2-Emissionen durch vermietete LED-Leuchten?

Deutschen Lichtmiete: Alexander Hahn und Marco Hahn werden immer kritischer beobachtet

Mittwoch, 05 Dezember 2018 13:40 geschrieben von 
Sitz der Deutsche Lichtmiete im niedersächsischen Oldenburg Sitz der Deutsche Lichtmiete im niedersächsischen Oldenburg Quelle: HESSEN DEPESCHE

Oldenburg – Lange Zeit glaubte man im Markt, die Brüder Marco Hahn und Alexander Hahn hätten mit der Deutschen Lichtmiete Unternehmensgruppe ein tolles und für Anleger attraktives Konzept entwickelt. Doch nun mehren sich kritische Berichte über die betriebswirtschaftlichen Ausblicke der im niedersächsischen Oldenburg beheimateten Unternehmung.

Sachwertanlagen erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie neben Nachhaltigkeit und Sicherheit auch Renditestärke versprechen, so widersprüchlich das auch klingen mag. Dass in diese Anlagekategorie auch LED-Industrieleuchten gehören, hat die 2008 gegründete Deutsche Lichtmiete Vermietgesellschaft mbH mit ihrem Geschäftsmodell unter Beweis gestellt. Das Oldenburger Unternehmen produziert und vermietet energieeffiziente LED-Beleuchtungstechnik in Industriequalität. Angeboten wird nach eigener Aussage langlebige und recyclebare Lichttechnik für Fabrik- und Lagerhallen, Werkstätten, Kühlhäuser, Tiefgaragen, Sporthallen, Autohäuser und Ladenlokale. Das von Alexander Hahn geführte Unternehmen verweist auf über 300 erfolgreich realisierte Beleuchtungsprojekte.

Zu den Vorteilen der Anmietung von Beleuchtungstechnik zählt die Firma mit inzwischen über 70 Mitarbeitern die Leuchtmittel-Erneuerung ohne eigenen Investitionsaufwand, das Angebot aller Leistungen aus einer Hand, eine hundertprozentige Beleuchtungsgarantie und die beträchtliche Reduzierung von Stromkosten und CO2-Emissionen. Dank des Mietmodells müsse sich die neue LED-Beleuchtungstechnik nicht erst amortisieren, sondern rechne sich schon ab dem ersten Tag. So könnten Unternehmen ihre Investitionsspielräume für das eigene Kerngeschäft nutzen, heißt es. Die Produktentwicklung, Leuchtenproduktion, Vermietungsplanung und Serviceabteilung befänden sich alle unter einem Dach, was kurze Wege und ganzheitliche Lösungen garantiere. Mit der „Beleuchtungsgarantie“ ist gemeint, dass die Deutsche Lichtmiete für die gesamte Dauer des Mietverhältnisses eine Produkt- und Betriebsgarantie übernimmt und das Ausfallrisiko damit ausschließlich bei ihr und nicht beim Mieter liegt. Mit der Umstellung auf eine moderne LED-Beleuchtung kann bares Geld gespart und die Umwelt geschont werden. Den Oldenburger Beleuchtungsexperten zufolge senkt die Umrüstung von Lichtanlagen auf neueste LED-Technik die Stromkosten und die CO2-Emissionen um bis zu 70 Prozent.

Längst bietet die Deutsche Lichtmiete Gruppe (DLM) auch Direktinvestments an. Dabei geht es konkret um Direktbeteiligungen an den eigenen LED-Industrieprodukten und um Unternehmensanleihen. Die Investmentangebote firmieren unter dem Namen „LichtmieteEnergieEffizienz A+ Direktinvestitionsprogramm 2018“. Roman Teufl, Geschäftsführer der Deutschen Lichtmiete Vertriebsgesellschaft für ethisch-ökologische Kapitalanlagen mbH, sagt dazu: „Mit den angebotenen Vermögensanlagen liegt die Deutsche Lichtmiete voll im Trend, und das Angebot am Markt ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Immer mehr Anleger nehmen ihre Chance wahr und setzen auf innovative Finanzanlagen und Wertpapiere. Wir freuen uns über die konstant hohe Nachfrage und blicken zuversichtlich in eine vielversprechende Zukunft.“ Man habe bis dato erfolgreich eine Kapitalsumme von 81 Millionen Euro vermittelt, von der fast 28 Millionen Euro bereits zurückgezahlt worden seien. Durch das Engagement der bislang 2.750 Investoren könnten 342.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Die optimistischen Worte Teufls können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Anlageprodukte der Oldenburger immer mehr Kritik ausgesetzt sehen.

Zu Beginn des Jahres 2018 prüfte die Stiftung Warentest diese Direktinvestments und sprach in der Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 2/2018) eine Warnung aus. Unter dem Titel „Riskantes Direktinvestment: LED-Industrieleuchten für Anleger“ analysierte die gemeinnützige Verbraucherorganisation: „Die Leuchten gehen durch mehrere Firmen der DLM-Gruppe: Von der Herstellerin über eine Zwischenhändlerin an die Emittentin. Die Gruppe erzielt laut Verkaufsprospekt ‚handelsübliche Zwischengewinne‘, ohne die Höhe zu nennen. Anleger können den Kaufpreis daher schwer beurteilen. ‚Die Preise liegen auf dem Niveau von Premium-Mitbewerbern‘, teilt die Deutsche Lichtmiete dazu mit. Die Mietverträge mit den Industriekunden schließt eine weitere DLM-Gesellschaft ab. Die Emittentin bekommt monatlich 1,9 Prozent des Kaufpreises an Miete und gibt 1,14 bis 1,18 Prozent an die Anleger weiter. Aus der Differenz finanziert sie nach einigen Jahren den Rückkauf der Leuchten.“ Wie auch bei den Direktinvestments anderer Emittenten hätten die Anleger keine Mitsprache- und Kontrollmöglichkeiten. Wünschten sie eine Kontrolle der Mittelverwendung, müssten sie dafür extra zahlen. Die Stiftung Warentest hält zudem die Vermögensanlagen-Informationsblätter des Leuchtmittel-Vermieters für kaum aussagekräftig, weil die sich aus der mehrschichtigen Kauf- und Mietstruktur ergebenden Interessenkonflikte nur unzureichend dargestellt würden. Das Fazit der Verbraucherschutzstiftung lautet: „Als Geldanlage sind LED-Industrieleuchten nicht empfehlenswert.“

In der Chefetage der Deutschen Lichtmiete dürfte auch ein Artikel des Internetportals „GoMoPa“ vom 12. November 2018 für wenig Freude sorgen. Betitelt mit „Unbesicherte Anleihe für Immobilien von Alexander Hahn & Co.“ wird das Geschäftsmodell der Brüder Alexander und Marco Hahn unter die Lupe genommen, bei dem es darum gehe, ohne jedes eigene Risiko LED-Lampen an Industriekunden zu vermieten, die zuvor von Direktinvestoren gekauft wurden und später zurückgekauft werden sollen. Der Finanznachrichtendienst teilt mit: „Nun kamen die Brüder auf den zusätzlichen Dreh, sich mit Anlegergeldern auch noch eigene Immobilien zuzulegen. Eine eigene Fabrik mit Produktions- und Lagerhalle im niedersächsischen Hatten sowie ein eigenes neues Verwaltungsgebäude in Oldenburg zu bauen – wieder auf Kosten und alleiniges Risiko der Anleger. Für die neue Idee legten sie in diesem Jahr ihre erste Unternehmensanleihe auf. Die Anleihe spülte 10 Millionen Euro für die Immobilien von Alexander Hahn und seine Mitgesellschafter in die Kasse, ohne dass die Anleihegläubiger im Grundbuch stehen. Und die nächste 30-Millionen-Anleihe steht schon in den Startlöchern.“

Die Aussage von Jana Retsch aus der Vertriebsabteilung der Lichtmiete, dass alle vertraglich vereinbarten Zahlungen an die Anleger stets pünktlich und in geplanter Höhe geleistet worden seien und die Gesamtsumme des zurückerstatteten Kapitals bei insgesamt 27,8 Millionen Euro liege, will man nicht gelten lassen. „Ausgerechnet mit Beginn der Rückkäufe im Jahr 2018 legt die Deutsche Lichtmiete einen außerordentlichen Geldhunger an den Tag“, unkt „GoMoPa“. Erst nach sechs Jahren kaufe sie den Direktanlegern die LED-Lampen zu 40 Prozent des Preises wieder zurück, und zwischendurch gebe sie natürlich nur einen Teil der Mieteinnahmen an die Anleger weiter. Das Finanzportal stützt sich in seiner Argumentation auch auf den schon erwähnten „Finanztest“-Artikel.

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Angela Prokoph-Schmitt

Angela Prokoph-Schmitt (Jahrgang 1968) ist eine leidenschaftliche Demokratin und im südhessischen Darmstadt aufgewachsen.

Sie ist Mitglied der CSU (Bayern) und der CDU (Hessen). Bis Juli 2017 führte sie auch die Redaktion von HESSEN DEPESCHE.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/68-angela-prokoph-schmitt.html
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