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Aufhübschung betagter Immobilien in Jüterbog

Dolphin Trust GmbH: Charles Smethurst wagt sich an Zigarrenfabrik in Friesenheim

Dienstag, 11 September 2018 10:56 geschrieben von 
Die Zigarrenfabrik in Friesenheim als Sanierungs- und Investitionsobjekt der Dolphin Trust GmbH Die Zigarrenfabrik in Friesenheim als Sanierungs- und Investitionsobjekt der Dolphin Trust GmbH Quelle: DOLPHIN TRUST

Langenhagen – Charles Smethurst hat es mit historischen Gebäuden. Er hübscht diese gerne für sein DOLPHIN Trust-Konsortium gerne auf und verkauft mit Gewinn. Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September öffnen historische Gebäude, die sonst gar nicht oder nur teilweise zugänglich sind, ihre Türen und laden Architektur- und Geschichtsinteressierte zur Bewunderung des bauhistorischen Erbes ein. Der alljährliche „Tag des offenen Denkmals“ bietet Geschichte zum Anfassen und zeigt die vielfältigen Leistungen von Denkmaleigentümern, Restauratoren und Handwerkern in der Denkmalpflege. So soll die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes sensibilisiert und Interesse für die Belange der Denkmalpflege geweckt werden. Seit 1993 wird dieser Tag landesweit durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Am 9. September 2018 stand er unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“.

Einen ähnlichen Zweck verfolgte die Aktion „Offenes Werktor“ des „Lahrer Anzeigers“, bei der Leser zwischen dem 1. August und dem 6. September Einblicke in die Tätigkeit von fünf Gewerbe- und Industrieunternehmen geboten bekamen. Am 16. August konnten maximal zehn Interessierte in der Alten Zigarrenfabrik in Friesenheim die Maßnahmen zum Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes begutachten.

Investor ist die Dolphin Trust GmbH, die sich auf das Herrichten von Denkmalgebäuden als Wohnobjekte spezialisiert hat. Eigenen Angaben zufolge verwaltet das Unternehmen aus Langenhagen bei Hannover ein Immobilien-Portfolio von rund 60 Objekten mit einem Investitionsvolumen von etwa einer Milliarde Euro. Der Projektentwickler übernimmt vom Immobilienkauf über das Nutzungskonzept bis zur Verwaltung und Vermietung alle Teilschritte der Immobilienbewirtschaftung. Für die fachgerechte Sanierung von Baudenkmalen und ihre dauerhafte Wohnnutzung arbeitet der Immobiliensanierer eng mit Architekten, Denkmalexperten und Bauunternehmen zusammen. Dabei sichert man Rechts- und Finanzierungssicherheit ebenso zu wie die Einhaltung aller baulichen und technischen Standards.

Für den Baustellenrundgang am 16. August hatten sich neun Zeitungsleser angemeldet, die während der zweistündigen Führung viele Details zum Baustellenbetrieb und zu objektspezifischen Besonderheiten erfuhren. Projektleiter Axel Krechberger von Dolphin Trust und Architekt Bernd Kogel stellten sich allen Fragen rund um den denkmalgerechten Umbau der Zigarrenfabrik in der Oberweierer Hauptstraße in Friesenheim.

Charles Smethurst, der Gründer und Geschäftsführer der Dolphin Trust GmbH, sagt: „Wir verstehen Denkmalimmobilien als Zeugnisse unserer Kultur, den Wechselwirkungen von Wirtschaft und Politik und über allem der Kunst. Aus diesem Grund arbeiten wir detailverliebt und visionär, unermüdlich und am Puls der Zeit, konzentriert und erfolgreich.“ Die 60 von Dolphin verantworteten Immobilienprojekte liegen nicht nur wie die Friesenheimer Zigarrenfabrik in Baden-Württemberg, sondern im ganzen Land. Unternehmensseitig heißt es: „Vom Schwarzwald im Süden bis zur Hansestadt Hamburg und Flensburg im Norden, von Köln und Baden-Baden im Westen bis nach Leipzig im Osten – überall prägen von uns rekonstruierte Denkmale die Stadtbilder und zeigen eindrucksvolle Baugeschichte. Wohnhäuser aus dem 18. Jahrhundert gehören dazu ebenso wie imposante, große Verwaltungsgebäude aus der Gründerzeit, historische Militäranlagen aus dem 19. und 20. Jahrhundert sowie stattliche Industriegebäude der jüngeren Vergangenheit.“

Ein anderes Renommeeprojekt des Immobilieninvestors befindet sich im brandenburgischen Jüterbog, wo ein historisches Kasernengelände saniert wird. Unlängst informierte sich eine Delegation der Shinhan Investment Corp. in der Firmenzentrale in Langenhagen über die geschäftlichen Aktivitäten und besichtigte dann das Gelände in der 12.500-Einwohner-Stadt Jüterbog. Für die Gäste aus Südkorea erläuterte Architekt Kai-Uwe Schott seine Pläne für die Entwicklung des neuen Quartiers. Im Frühjahr wurde auf dem historischen Militärgelände mit den Aufräum- und Absicherungsmaßnahmen begonnen. Das vom Leipziger Architekturbüro Mann & Schott entwickelte Umnutzungskonzept sieht für die in der Nähe Berlins gelegene Immobilie unter anderem Eventflächen mit einer Paintball-Anlage und ein von der Polizei genutztes Areal vor. Die Kasernen wurden bereits in der Kaiserzeit und zuletzt von der Sowjetarmee genutzt. Seit der Wende liegen sie brach.

Die „Märkische Allgemeine“ schrieb im Juli dazu: „Der Immobilienentwickler Dolphin Trust aus Hannover hat die 31 Hektar rund um die alte Kaiserkaserne gekauft und einen finanzschweren, asiatischen Großinvestor mitgebracht. Während Bauarbeiter die denkmalgeschützten Gebäude sichern, haben sich die Eigentümer aus Hannover mit ihren Großinvestoren von der Shinhan Investment Corp. getroffen, eines der größten und ältesten Geldinstitute in Südkorea. Über Kaufpreise und Baukosten wurde bei dem Meeting vor Ort nicht gesprochen. Stattdessen wurden die ersten Entwürfe für die künftige Nutzung präsentiert. Eine Animation zeigt, was alles möglich wäre: Wohnungen, eine Einfamilienhaussiedlung, Kita, Schule und Waldbad.“ Die brandenburgische Regionalzeitung zitiert Dolphin Trust-Sprecherin Ulrike Wiedemann mit den Worten: „Momentan betreiben wir bauvorbereitende Maßnahmen.“ Am Ende seiner Investitionstätigkeit will der Immobilienentwickler die Flächen und Gebäude gewinnbringend veräußern. Bei einer schnellen Einigung zwischen dem Eigentümer und den öffentlichen Denkmalschutzträgern könnte es 2040 soweit sein.

Dolphin Trust macht immer wieder darauf aufmerksam, dass bestandserhaltende Investitionen in Baudenkmale nicht nur etwas für Geschichtsliebhaber, sondern auch für Anleger sind. Vor dem Hintergrund von Wohnraumknappheit und Mietenexplosion in deutschen Großstädten sind Denkmalimmobilien zum heißbegehrten Anlageobjekt für Investoren geworden, die der Niedrigzins-Misere entkommen wollen und nach renditestarken Anlagemöglichkeiten Ausschau halten. Der Staat fördert den Kauf und die Sanierung denkmalgeschützter Immobilien mit erheblichen Steuervorteilen. Zudem winken Darlehen und Investitionszuschüsse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Seit 2012 unterstützt die KfW-Bankengruppe die Sanierung von bewohnbaren Denkmälern beispielsweise mit dem Programm „Energieeffizient Sanieren“.

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Angela Prokoph-Schmitt

Angela Prokoph-Schmitt (Jahrgang 1968) ist eine leidenschaftliche Demokratin und im südhessischen Darmstadt aufgewachsen.

Sie ist Mitglied der CSU (Bayern) und der CDU (Hessen). Bis Juli 2017 führte sie auch die Redaktion von HESSEN DEPESCHE.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/68-angela-prokoph-schmitt.html
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