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Ryanair in der Kritik

Gewerkschaften beklagen Sozialdumping in der Luftfahrt

Mittwoch, 14 Juni 2017 04:43 geschrieben von  Johann W. Petersen
Boeing 737-800 von Ryanair Boeing 737-800 von Ryanair Quelle: wikimedia.org | Nsaa | CC-BY-SA 4.0

Frankfurt am Main – Die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL), die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) und der europäische Kabinenverband EurECCA haben die Subventionierung sozial unverträglicher Beschäftigungspraktiken in der Luftverkehrsindustrie scharf kritisiert. Im Fokus der Kritik steht die inzwischen größte europäische Fluggesellschaft Ryanair mit Sitz in Dublin. Seit März 2017 ist die irische Billigfluglinie am Frankfurter Flughafen vertreten und bekam großzügige Rabatte bei den Start- und Landegebühren eingeräumt. Die Gewerkschafter fordern die politischen Entscheidungsträger nun auf, künftig auf die Genehmigung von Rabatten und zusätzlichen Kapazitäten für Firmen zu verzichten, die über keine ausreichenden Sozialstandards verfügen.

Hierzu erklärten die drei Gewerkschaften in einer Presseaussendung: „Die hessische Landesregierung und das Bundesverkehrsministerium haben Entgelt-Rabatte für die Fluglinie Ryanair am Frankfurter Flughafen genehmigt. Weiterhin wurden für den Winterflugplan vier zusätzliche Starts und Landungen pro Tag zugelassen – passgenau auf die Kapazitätserhöhung von Ryanair. Diese Bevorzugungen subventionieren und fördern sozial prekäre Beschäftigungsmodelle. Ryanair-Mitarbeiter genießen keine betriebliche Mitbestimmung und sind nicht tariflich geschützt. Die irische Fluglinie führt, bei in Deutschland stationierten Mitarbeitern, nicht ordnungsgemäß Sozialversicherungsbeiträge ab. Außerdem zahlt das Unternehmen in Deutschland keine Steuern und unterläuft in vielen Fällen den deutschen Mindestlohn.“

Die hessische Regierung und der Bund subventionieren dadurch nach Ansicht von IGL, UFO und EurECCA Sozialdumping und die Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse. „Wir wenden uns gegen diese Praxis. Das Wachstum im Luftverkehr bleibt dadurch ein quantitatives und geht zu Lasten der deutschen Steuerzahler und Sozialversicherten. Das Geschäftsgebaren befeuert außerdem eine Abwärtsspirale bei Beschäftigungsbedingungen in der Luftfahrt – der Wettbewerb wird verzerrt“, so Nicoley Baublies, Vorsitzender der IGL und Vorstand der UFO.

Man verlange von Fraport und den politischen Entscheidungsträgern in Brüssel, Berlin und Wiesbaden in Zukunft auf „sozialverträgliches, qualitatives Wachstum“ zu setzen. „Nicht die einseitige Steigerung des Luftverkehrs führt zu sinnvollem Wachstum, sondern nur die Stärkung des Luftverkehrs mittels sozialverträglicher, nachhaltiger Beschäftigungsverhältnisse. Denn nur diese gesunden, tariflichen Beschäftigungsverhältnisse sind es, die den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig stark machen“, erklärte Baublies abschließend.

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