hessen-depesche.de

Mehr als nur Umsatz und Gewinn

Hessische Gründertage: Unternehmer und Gründer diskutieren über nachhaltige Geschäfte

Freitag, 14 September 2018 13:13 geschrieben von 

Wiesbaden - „Kaffee ist heute weltweit auf Platz 2 der meistverkauften Waren und nach Erdöl das wichtigste Exportgut. Aber aus dem Verlangen heraus, Kaffee den Massen zugänglich zu machen, haben wir die Qualität für mehr Quantität und Intransparenz geopfert“, sagt Sebastian Schulz. „Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Qualität, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung beim Kaffeeverkauf miteinander in Einklang zu bringen. Mit dem Ziel die Vielfalt dieser einzigartigen Bohnen für jedermann transparent zugänglich zu machen.“ Der 28 Jahre alte Schulz ist aufgewachsen im Wiesbadener Kaffeehaus Maldaner, heute das 1.Original Wiener Kaffeehaus Deutschlands. „Hier habe ich schon früh Kaffee lieben und schätzen gelernt. Der Wunsch eine Micro-Kaffeerösterei aufzubauen, wuchs in den letzten Jahren, als ich entlang der gesamten Wertschöpfungskette entdecken durfte, wie vielseitig Kaffee sein kann und dass er zu den aromatischsten Lebensmitteln unserer Welt zählt“, erzählt der Gründer und Halbfinalist beim Hessischen Gründerpreis.

In diesem Jahr gibt es in dem Wettbewerb erstmals die Kategorie „Gesellschaftliche Verantwortung“ für Unternehmen, die Verantwortung unternehmen. Die Kategorie hat sich aus der vorherigen „Geschaffene Arbeitsplätze“ entwickelt. Schulz diskutierte am Donnerstag, 13. September, von 19 bis 22 Uhr, auf Einladung der Gründertage Hessen und in Kooperation mit hr-Info auf der Veranstaltung „Wert(e)getriebenes Unternehmertum“ im Wiesbadener Gründerzentrum StartWerk-A über Nachhaltigkeit und Unternehmertum. Professor Dr. Klaus-Michael Ahrend war auch auf dem Podium, nachdem er zuvor als Redner Input zum Thema „Nachhaltigkeit als unternehmerische Chance“ gab. Ahrend ist Vorstandsmitglied der HEAG Holding AG aus Darmstadt, in deren Geschäftsmodell Nachhaltigkeit ein wichtiges Element ist, und Autor des Praxishandbuches „Geschäftsmodell Nachhaltigkeit“. „Nachhaltigkeit ist mehr als eine gesellschaftliche Anforderung oder eine philanthropische Erwägung. Vielmehr verstehe ich ökologische und soziale Innovationen als unternehmerische Chance für Gründer und etablierte Unternehmen. Diese Botschaft motiviert mich und ich finde es sehr sinnvoll, sie mit vielen Menschen zu teilen. Jede Gründung kann einen Beitrag leisten“, so Professor Ahrend.

Samuel Waldeck organisiert zusammen mit seinem Bruder Carsten von Nordhessen aus die Produktion fairer Smartphones und Tablets. Ihr Unternehmen Shift ist ebenfalls Halbfinalist beim Hessischen Gründerpreis. „Wir haben uns eine möglichst nachhaltige und faire Produktion zur Aufgabe gemacht. Die ersten Modelle unseres Shiftphones haben wir noch in einer externen Fertigung montieren lassen. Seit Mai 2018 erfolgt die Endfertigung in einer eigenen kleinen Shift-Manufaktur in China. Hierdurch konnte die Fertigung unter sozial-gerechten und umweltverträglichen Bedingungen signifikant verbessert werden“, sagte Waldeck in seinem Vortrag. Nach der Diskussion, an der sich auch Alexandra Doré aus dem Bereich Geschäftsfeldentwicklung des Wiesbadener Unternehmens DictaJet beteiligte, präsentierten sich in kurzen Pitches die fünf Start-ups Truewoods, Careview Technologies, afringa, TheSunProtocol.io sowie grammgenau, die allesamt ebenfalls auf nachhaltige Geschäftsmodelle setzen.

Hessischer GründerpreisGeradezu überrannt wurde der Hessische Gründerpreis 2018 von Bewerbungen. Bis Fristende sind131 Bewerbungen eingegangen, 34 mehr als beim bisherigen Höchststand 2013. Die 106 jungen Unternehmen (ohne Kategorie Gründungen aus der Hochschule) haben 1206 Arbeitsplätze geschaffen, davon 389 Vollzeit- und 162 Teilzeitstellen sowie 30 Ausbildungsplätze (Rest: Minijobs und Freiberufler). Im Schnitt hat jedes Unternehmen 11,3 Arbeitsplätze geschaffen. „Mehr als ein Drittel der Bewerbungen kommt von Existenzgründerinnen, 47 Frauen haben ihre Unterlagen eingereicht, fast eine Verdoppelung im Vergleich zu 2017“, erklärt Projektleiterin Elisabeth Neumann. In der regionalen Verteilung der Bewerber liegen, wie 2016 und 2017, das Rhein-Main-Gebiet und Südhessen deutlich vorne. Gut vertreten waren auch Osthessen undMittelhessen. Eine fünfköpfige Jury hat die Halbfinalisten ausgewählt. Diese werden sich am 20. September einer großen Jury stellen, die die Finalisten bestimmt. Unternehmen, die sich um den Preis bewerben, profitieren schon vor dem Finale. Sie werden vom führenden deutschen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG mit Trainings und Netzwerkmöglichkeiten unterstützt. Teilnehmer der letzten beiden Wettbewerbsrunden werden aktiv in die Pressearbeit einbezogen, was zu vielen Veröffentlichungen führt. Die Finalisten gewinnen die Produktion eines kostenlosen Videofilms über ihr Unternehmen. Der Hessische Gründerpreis wird in vier Kategorien vergeben: Mutige Gründung für den Start aus schwieriger persönlicher Situation, Gesellschaftliche Wirkung für Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, Innovative Geschäftsidee für Innovative Produkte oder neuartige Dienstleistungen sowie 2018 erstmals an Gründungen aus der Hochschule für kreative Ideen und Gründungen in frühem Stadium.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Martin Breimann

Martin Breimann (Jahrgang 1966) lebt in Offenbach am Main. Seit etwa 35 Jahren ist er parteipolitisch für die CDU Offenbach aktiv, studierte in Frankfurt am Main an der Goethe Universität Recht und Wirtschaft.

Seit rund 20 Jahren ist er als selbständiger Unternehmer tätig.

Seine langjährige journalistische Arbeit mit Interessenschwerpunkten Entwicklung der Kultur, Wirtschaft und Politik regional und überregional mündeten nun seit März 2017 in seinem Engagement in der Redaktion von HESSEN DEPESCHE.

Webseite: https://www.hessen-depesche.de/show/author/64-martin-breimann.html
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

Team