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Warum betreibt der Staat defizitäre Casinos?

Martin Hagen (FDP) drängt auf Privatisierung der angeschlagenen staatlichen Spielbanken

Freitag, 06 Juli 2018 15:10 geschrieben von 
Martin Hagen (FDP) drängt auf Privatisierung der angeschlagenen staatlichen Spielbanken QUELLE: PIXABAY.COM | CC0 Creative Commons

Bad Reichenhall - Die Bank gewinnt immer – diese alte Weisheit gilt zumindest für die staatlichen Casinos schon lange nicht mehr. Seit vielen Jahren schreiben die meisten Spielbanken des Freistaats rote Zahlen, für die der Steuerzahler aufkommen muss. Wurden in Feuchtwangen, Garmisch-Partenkirchen und Bad Wiessee 2017 noch Gewinne erwirtschaftet, machte man in Bad Kötzting, Bad Steben, Bad Reichenhall, Bad Kissingen, Bad Füssing und Lindau ein Minus von insgesamt 11,3 Millionen Euro.

Warum betreibt der Staat defizitäre Casinos? Um den „natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen“ zu lenken, sagt das Finanzministerium. Also Glücksspiel anbieten, um Spielsucht zu bekämpfen. Das Argument war immer schon fragwürdig - im Zeitalter von privaten Automatenhallen und Online-Anbietern ist es obsolet. Wer sein Geld verzocken möchte, der braucht dafür keine staatlichen Etablissements.

Ich sage: Privatisieren wir die Spielbanken! Der Staat ist in aller Regel kein besonders guter Unternehmer, das zeigt die lange Geschichte maroder und ineffizient geführter Staatsbetriebe. Um die derzeit defizitären Standorte zu erhalten, könnte man alle neun Spielbanken als Gesamtpaket veräußern – und möglicherweise noch drei Lizenzen für neue Casinos in lukrativen Großstädten drauflegen. Bedingung: Der Betreiber muss die Casinos an allen Standorten weiterführen.

Bei einem sensiblen Geschäft wie Spielcasinos darf es natürlich keine Abstriche bei Verbraucherschutz, Jugendschutz und Suchtprävention geben. Der Staat sollte deshalb strenge Auflagen festlegen und überwachen. Die privaten Casinos stünden unter staatlicher Aufsicht.

Glücksspiel ist keine Kernaufgabe des Staates. Es ist nicht einzusehen, dass jedes Jahr mehrere Millionen Euro an Steuergeldern in die Casinos fließen, während andernorts Straßen und Schulgebäude verkommen."

Auch in Hessen stellt sich beispielsweise in Bad Homburg oder Wiesbaden die Frage, wie es mit den Spielbanken weitergehen soll. Die Freien Demokraten wollen hier wieder mal erkannt haben, dass der freie Markt nun mal effizienter wirtschaftet als der Staat - auch im lukrativen Casinogeschäft.

Letzte Änderung am Samstag, 07 Juli 2018 15:18
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Angela Prokoph-Schmitt

Angela Prokoph-Schmitt (Jahrgang 1968) ist eine leidenschaftliche Demokratin und im südhessischen Darmstadt aufgewachsen.

Sie ist Mitglied der CSU (Bayern) und der CDU (Hessen). Bis Juli 2017 führte sie auch die Redaktion von HESSEN DEPESCHE.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/68-angela-prokoph-schmitt.html
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