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Das Verwirrspiel

Michael Scheibe, Cengiz Ehliz und Robert Mundt: FlexStrom, Innoflex, FlexCOM, COOINX, weeCONOMY und BAMBU

Mittwoch, 29 August 2018 14:11 geschrieben von  Götz Schubert und Angela Prokoph
Ähnlich wie im Labyrinth des Minothaurus kommen sich Beobachter vor, wenn sie einen Blick auf die Unternehmen rund um Cengiz Ehliz und Michael Scheibe mit weeCONOMY, COOINX, FlexCom usw. werfen. Ähnlich wie im Labyrinth des Minothaurus kommen sich Beobachter vor, wenn sie einen Blick auf die Unternehmen rund um Cengiz Ehliz und Michael Scheibe mit weeCONOMY, COOINX, FlexCom usw. werfen. Quelle: privat

Berlin / Kreuzlingen / München – Am vergangenen Wochenende berichtete die „Bild am Sonntag“ (BamS), dass der frühere Chef des insolventen Energieversorgers FlexStrom, Robert Mundt, möglicherweise demnächst vor Gericht zitiert wird. Nach Informationen des Boulevardblattes wirft die Staatsanwaltschaft Berlin dem früheren Strom-Manager vor, Gelder der Firma veruntreut zu haben. Robert Mundt hatte die FlexStrom AG 2003 mit seinem Bruder Thomas Mundt gegründet, nur zehn Jahre später meldete die Firma Insolvenz an – und hinterließ Schulden in Höhe von 500 Millionen Euro. Von der Pleite sind rund 835.000 frühere Kunden betroffen.

Laut „Handelsblatt“ erklärte eine Sprecherin der Berliner Strafgerichte am Montag, dass es bei dem Verfahren um Zahlungen an den damaligen Vorstandschef Mundt aus dem Dezember 2012 – also nur wenige Monate vor dem Insolvenzantrag – gehe. Noch sei die Anklage allerdings nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Mundts Verteidiger Carsten Wegner wies die Vorwürfe gegenüber der BamS zurück. „Wir werden dem Landgericht Berlin aufzeigen, dass die Zahlungen nicht zu beanstanden sind“, so der Anwalt, der darauf verwies, dass Ermittlungen gegen seinen Mandanten wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Bankrotts und Betrugs bereits eingestellt worden seien. „Die Vorwürfe haben sich umfassend als haltlos erwiesen“, so Wegner. Und es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass Mundts Verteidiger die Vorwürfe gegen Robert Mundt abwehren kann.

Verbindungen zu Cengiz Ehliz?

Robert Mundt ist zweifelsohne eine der schillerndsten, aber auch fähigsten Persönlichkeiten in der deutschen Unternehmerszene. Manche bezeichnen ihn auch als begnadeten Networker – und das ist in doppeltem Sinne gemeint. Neben seinen vielfältigen Kontakten in die Wirtschaft und die Politik ist er nämlich auch ein Meister darin, wahre Geflechte von Unternehmen aufzubauen, die kaum einer durchblicken kann.

So vermarkteten er und sein Bruder Thomas Strom und Gas nicht nur über FlexStrom, sondern auch über die am gleichen Sitz am Reichpietschufer in Berlin-Tiergarten firmierende Löwenzahn Energie GmbH. Auch der Energiehändler OptimalGrün GmbH aus Freyung in Bayern und die Marketing-Firma OptimalGrün-DirectGmbH, die ebenfalls an der Adresse von FlexStrom angemeldet war, gehörten zum Netzwerk von Robert und Thomas Mundt.

Darüber hinaus soll Robert Mundt bei einigen Unternehmen auch so etwas wie eine „Graue Eminenz“ gewesen sein. So wurde er etwa immer wieder als heimlicher Strippenzieher des Schweizer Cashback-Anbieters weeCONOMY gehandelt und soll zeitweise – ohne entsprechendes Amt – auch an Terminen des Unternehmens teilgenommen haben. Vorstellbar ist das durchaus, denn schließlich war der Gründer und CEO der weeCONOMY AG, Cengiz Ehliz, vorher Vertriebschef von Mundt bei FlexStrom. Cengiz Ehliz, Bad Tölzer mit türkischen Wurzeln, war außerdem ein wichtiger Entscheidungsträger bei der Germanway GmbH. Diese wiederum hatte das Vertriebsgeschäft der Berliner Innoflex AG übernommen, an der Robert und Thomas Mundt beteiligt waren.

Diese AG ist 2001 aus der Innoflex GmbH und Co. Beteiligungs KG hervorgegangen. Ende 2003 erhob die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen die Mundt-Brüder wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Verbot der progressiven Kundenwerbung. Das war allerdings nicht das erste Mal, dass die Justiz ein Auge auf die Mundts geworfen hat, weil der Aufbau eines unzulässigen Schneeballsystems vermutet wurde. Die Zeitschrift „FinanzTest“ berichtete 2005 von 19 Verfahren, die allerdings wieder eingestellt worden waren.

Michael Scheibes Verbindungen zu weeCONOMY

Einblicke lieferte das Magazin "FinanzTest" auch in das weit verzweigte Firmengeflecht beziehungsweise das Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel rund um die Mundt-Ehliz-Connection. Hierzu schrieb „FinanzTest“: „Schon die Innoflex AG, die heute den Namen United Network Industries Marketing AG trägt, hat Telefontarife der FlexFon GmbH verkauft. Heute vertreibt Germanway diese Produkte. Geschäftsführer bei FlexStrom ist Robert Mundt. Thomas Mundt hat diese Position bei FlexFon. Beide Firmen sind wie früher Innoflex Tochterunternehmen der United Network Industries AG. An der Spitze von Germanway stehen mit Cengiz Ehliz und Peter Grünewald zwei Geschäftsführer, die vorher für Innoflex tätig waren.“

Der Begriff „Flex“ taucht bei diesen Unternehmenskonstrukten immer wieder gerne auf – und so halten es Branchen-Insider auch nicht für einen Zufall, dass eine Vertriebsgesellschaft namens FlexCom, zuvor auch mal FlexKom, schon bald an der Seite von Cengiz Ehliz‘ neuer unternehmerischen Spielwiese weeCONOMY auftauchte. Bei FlexCom erschien Robert Mundt nie in offizieller Position, diesen Part übernahm der CEO der FlexCom International AG, der Kaufmann Michael Scheibe.

Im Mai 2017 teilten die beiden Unternehmen allerdings mit, dass man „in beidseitigem Einvernehmen“ beschlossen habe, die „gesellschaftsrechtliche Verflechtung der weeCONOMY mit der FlexCom“ aufzulösen. Etwa zu diesem Zeitpunkt schmiss Rudolf Engelsberger – vormals ein Vertrauter von Cengiz Ehliz und seinem Geschäftspartner Michael Scheibe – bei weeCONOMY offenbar das Handtuch. Danach sollen Engelsberger und Ehliz nur noch über ihre Anwälte kommuniziert haben. Dabei galt Rudolf Engelsberger lange Zeit als Top-Mann und repräsentatives Gesicht des offiziell im schweizerischen Kreuzlingen ansässigen Cashback-Unternehmens. Inoffiziell nennen Geschäftspartner eine Büroadresse im Münchner Norden als tatsächliche Schaltzentrale rund um wee. Der Bayer Rudolf Engelsberger warf dann auch am 12.12.2017 einige Indizien in einem "wee.observer" öffentlich auf, die darüber spekulieren, ob Robert Mundt nicht seit 2015 wieder ein enger Berater von Cengiz Ehliz ist. Bei einer wee-Veranstaltung in Bad Tölz Ende 2017 wurde Robert Mundt auch tatsächlich gesehen.

Swiss Fintec Invest ist weeCONOMY und war mal die BAMBU AG

Die Trennung von weeCONOMY und FlexCOM war offenbar nur vordergründig, denn mittlerweile arbeitet das alte Team wieder gut zusammen: Michael Scheibe ist inzwischen Chef der COOINX S.A., die als Vertriebspartner der Swiss Fintec Invest AG auftritt – und bei dieser Aktiengesellschaft handelt es sich um die frühere weeCONOMY AG, nur unter neuem Namen. Zusammen will man nun die Bereiche Cashback und Kryptowährung verzahnen. Geplant ist ein Initial Coin Offering (ICO) im vierten Quartal dieses Jahres. Anleger und potenzielle Geschäftspartner werden mit den Tokens gelockt. Mit weiteren Informationen dazu geizt COOINX allerdings noch.

Michael Scheibe vermarktet also das ehemalige weeCONOMY- und jetzige Swiss-Fintec-Invest-Produkt „wee“ einfach nur neu. Dieses kleine Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel ist übrigens auch von Cengiz Ehliz bekannt. Denn: Seine Swiss Fintec Invest AG hat, wie man auf jeder Finanzseite leicht nachvollziehen kann, die gleiche internationale Wertpapierkennnummer wie die weeCONOMY AG. Und bei der wiederum stimmen die Kennziffern mit jener der BAMBU AG überein. In allen Fällen lautet die WKN A2ADP1 und die ISIN CH0309050059.

Oder anders ausgedrückt: BAMBU-Aktien wurden zu weeCONOMY-Aktien, weeCONOMY-Aktien wurden zu Swiss-Fintec-Invest-Aktien. Dabei hieß es noch im April 2017 seitens der BAMBU AG, dass mit einer Übernahme von weeCONOMY durch BAMBU gerechnet werde. Beobachter sind verwirrt.

Tja, erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Das Verwirrspiel um Michael Scheibe und Cengiz Ehliz – und möglicherweise nach wie vor Robert Mundt irgendwo im Hintergrund – ist damit perfekt. 

Genial? Show? Oder geniale Show?

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