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Energiepolitische Studie

Neue Hürde für die Energiewende

Dienstag, 21 April 2015 20:04 geschrieben von 

Frankfurt am Main - Eine Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) zur Entwicklung der erneuerbaren Energien hat erstaunliche, aber auch besorgniserregende Fakten zutage gefördert. Bei der Studie wurden unterschiedlichste Faktoren berücksichtigt, unter anderem die „Zusammensetzung des konventionellen Kraftwerkparks, die Existenz von Stromspeichern, der großflächige Netzausbau oder die Import- und Exportmöglichkeiten in Nachbarländer“.

Die Studie mit dem Titel „The Economics of Wind and Solar Variability“ hat aufgezeigt, dass der zunehmende Wertverlust der erneuerbaren Energien zu einem gravierenden Problem für die Energiewende werden könnte. Sollte sich die Prognose bewahrheiten, dass der Anteil von Windenergie am Gesamtenergiemix von neun auf 30 Prozent steigt, könnte der Wertverlust an der Strombörse rund 25 Prozent betragen.

Die Prognosen gehen von einem noch stärkeren Wertverfall bei der Solarenergie aus. Die Experten prognostizieren einen 50-prozentigen Wertverlust, wenn der Marktanteil auf 15 Prozent steigt. Sinkender Wert des Stroms hat wiederum steigende Umlagebeiträge nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zur Folge. Das Ganze sei keine Zukunftsmusik, das Problem der sinkenden Preise an den Strombörsen Europas sei schon jetzt zu beobachten. Studienautor Lion Hirth sagte dazu: „Setzt sich diese Selbstkannibalisierung der Erneuerbaren in gleichem Maße fort, werden Windturbinen und Solarzellen wohl noch lange nicht wettbewerbsfähig sein.“

Wertverluste haben wiederum zur Folge, dass der Bedarf an Förderung länger bestehen bleibt. Das EEG-Umlagesystem müsste somit noch länger erhalten bleiben. Hirth dazu weiter: „Es sind die Stromverbraucher, die den Wertverlust in Form der EEG-Umlage mitzahlen werden müssen.“

Schon jetzt ist es zu Zeiten besonders hoher Wind- und Solarstromeinspeisung so, dass der Preis an der Strombörse auf null fällt und der Strom nichts mehr wert ist.

Hirth gibt aber auch Empfehlungen, wie man das Problem lösen kann, obwohl er einräumt, dass man Wertverluste an der Strombörse nicht vollständig aufhalten könne werde. Hirth dazu wörtlich: „Insbesondere die Flexibilisierung von fossilen Kraftwerken und die Verwendung von Windturbinen mit größeren Rotoren erscheinen vielversprechend. Die Politik sollte durch ein geeignetes Design des Strommarktes die ökonomischen Anreize setzen, diese Optionen weiterzuentwickeln und anzuwenden.“

Die Energiewende ist wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, dass möglicherweise gut gemeinte Politik nicht gut gemacht wird. Die Verbraucher werden finanziell überfordert, falsche Anreize gesetzt und die Versorgungssicherheit aufs Spiel gesetzt.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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