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Investitionen in LED-Industrieleuchten

Stiftung Warentest rät von Direktinvestments der Deutschen Lichtmiete ab - Alexander Hahn unter Druck

Mittwoch, 28 November 2018 19:55 geschrieben von 
Bericht von Stiftung Warentest bringt die Deutsche Lichtmiete von Alexander Hahn und Marco Hahn unter Druck Bericht von Stiftung Warentest bringt die Deutsche Lichtmiete von Alexander Hahn und Marco Hahn unter Druck Quelle: Deutsche Lichtmiete, Oldenburg

Oldenburg – Sogenannte Direktinvestments sind hochumstritten, weil hochriskant. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger und der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz raten von dieser Investmentform für Sachwertewegen rechtlicher, wirtschaftlicher und steuerlicher Risiken ab. Bei einem Direktinvestment erwirbt der Anleger das Eigentum oder Miteigentum an einem Objekt, ohne dass er etwa ein Wertpapier kaufen muss. Zwischen dem Investor und dem Verkäufer wird ein Miet- oder Pachtvertrag mit allen Angaben zu Kaufpreis, Rendite, Laufzeit und Rückkauf-Prozedere abgeschlossen. Direktinvestments gibt es unter anderem für Solaranlagen, Schiffscontainer, Immobilien, Eisenbahnwagons, Edelholz-Plantagen und die Nutztierhaltung. Während der Laufzeit der entsprechenden Kapitalanlage fließen dem Anleger beziehungsweise dem Interimseigentümer Einnahmen aus Pacht, Mietzinsen oder Ernteerlösen zu. Nach dem Vertragsende wird ihm der Verkaufserlös gutgeschrieben, oder der Vertragspartner kauft dem Anleger den Wertgegenstand wieder ab.

Dirk Althoff, Sprecher der Consorsbank, nennt Direktinvestments „eine sehr spezielle Anlageform, die nur für sehr risikobereite, vermögende Anleger unter Umständen zur Diversifikation in Frage kommt. Zwar kann man unabhängig von der Entwicklung an den Börsen Erträge erzielen, jedoch spielen viele Einflussfaktoren eine Rolle, die man nicht direkt beeinflussen kann. Beispielsweise kommt der Auswahl des passenden Anbieters von Direktinvestments oftmals eine Schlüsselrolle zu.“ Es habe schon viele Insolvenzen solcher Anbieter gegeben.

Zwar gewähren die meisten Produktanbieter eine Ausschüttungs- und Rückkaufgarantie, aber auf diese Rückkaufverpflichtung können sich nicht alle Anleger verlassen. Daniel Bauer, der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), gibt zu bedenken: „Die oft von Gesellschaften aus dem Kreise der Verkäufer abgegebenen Rückkaufverpflichtungen sind meist wertlos, da die sich verpflichtende Gesellschaft meist nicht über die nötige Bonität verfügt, um die Rückkaufverpflichtung auch erfüllen zu können, wenn es zu einem Einbruch bei den Preisen für die Sachanlagegüter am Markt kommt. Wir raten daher ganz klar von sogenannten Direktinvestments für Privatanleger ab. Um in die einzelnen Branchen zu investieren, sollte man seinen Blick besser auf andere Investitionsmöglichkeiten wie Aktien und Anleihen von den in den jeweiligen Marktsegmenten führenden Unternehmen oder Branchenfonds werfen.“ Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) meldet bei dieser Anlageform Bedenken an: „Niemand kann garantieren, dass die beim Kauf erwarteten Erträge aus den erworbenen Sachen am Ende auch mit Sicherheit erzielt werden können.“ Anleger müssen nämlich mit ganz gewöhnlichen Kursrisiken rechnen. Auf dem Weltmarkt für Teakhölzer oder Containergeschäfte sind Preisschwankungen völlig normal und können den erwarteten Ertrag reduzieren oder ganz ausfallen lassen.

Solche Kursschwankungen sind bei Direktinvestments in energieeffiziente LED-Beleuchtungstechnik nicht zu erwarten. Auf derartige LED-Direktinvestments mit einem ausgefeilten Mietmodell hat sich die 2008 gegründete Deutsche Lichtmiete Vermietgesellschaft mbH aus Oldenburg spezialisiert. Das von Alexander Hahn geführte Unternehmen beschreibt das eigene Geschäftsmodell so: „Durch die Vermietung von exklusiven LED-Produkten der Marke concept light, die wir selbst in Oldenburg fertigen, ergibt sich auf Kundenseite eine nachhaltige, sofortige Reduktion der Gesamtbetriebskosten nach Abzug der Miete zwischen 15 und 35 Prozent (abhängig von Strompreis, Einschaltdauer etc.). Zudem schafft der Einsatz unserer LED-Leuchten eine projektbezogene CO2-Ersparnis von bis zu 65 Prozent und übertrifft somit alle aktuellen Zielsetzungen Deutschlands und der Europäischen Union in puncto Klimaschutz.“

Während den Unternehmen mit der Umrüstung von Beleuchtungsanlagen auf moderne LED-Technik die Reduzierung von Stromkosten und der Öffentlichkeit die Senkung von CO2-Emissionen versprochen wird, bekommen Anleger mit Direktbeteiligungen an den LED-Industrieprodukten eine ordentliche Rendite in Aussicht gestellt. Unter dem Namen „LichtmieteEnergieEffizienz A+ Direktinvestitionsprogramm 2018“ wird zum Beispiel das Investmentmodell LichtmieteEnergieEffizienz A+ Direktinvestment Nummer 2018-066mit einer Mindestbeteiligung von 7.400 Euro angeboten. Der Anleger erwirbt damit LED-Industrieprodukte vom Emittenten, und der Emittent mietet die Leuchtmittel anschließend vom Anleger zurück. Nach Ende der Laufzeit kauft der Emittent die LED-Qualitätsware vom Anleger zu einem fest vereinbarten Kaufpreis zurück. Die Rückflüsse werden durch die Vermietung der Anlageobjekte an bonitätsstarke Unternehmen aus diversen Branchen erzielt. So zumindest die Theorie. Der Kaufpreis pro Industrieprodukt liegt im Falle des Angebotes Nr. 2018-066 bei 370 Euro und die Mindestabnahme bei 20 Stück. Somit beträgt die Mindesteinstiegssumme 7.400 Euro. Die Deutsche Lichtmiete gibt die jährlichen Mieteinnahmen dieses Direktinvestments mit 1.044 Euro an und sichert eine Vor-Steuer-Rendite von jährlich 7,3 Prozent nach der Internen-Zinsfuß-Methode (IRR) zu.

Anfang dieses Jahres wurden die Investmentangebote der Deutschen Lichtmiete Gruppe (DLM) von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen. In der Ausgabe Nummer 2/2018 der Zeitschrift „Finanztest“ erschien danach der Artikel „Riskantes Direktinvestment: LED-Industrieleuchten für Anleger“. Darin heißt es unter anderem: „Die Leuchten gehen durch mehrere Firmen der DLM-Gruppe: Von der Herstellerin über eine Zwischenhändlerin an die Emittentin. Die Gruppe erzielt laut Verkaufsprospekt ‚handelsübliche Zwischengewinne‘, ohne die Höhe zu nennen. Anleger können den Kaufpreis daher schwer beurteilen. ‚Die Preise liegen auf dem Niveau von Premium-Mitbewerbern‘, teilt die Deutsche Lichtmiete dazu mit. Die Mietverträge mit den Industriekunden schließt eine weitere DLM-Gesellschaft ab. Die Emittentin bekommt monatlich 1,9 Prozent des Kaufpreises an Miete und gibt 1,14 bis 1,18 Prozent an die Anleger weiter. Aus der Differenz finanziert sie nach einigen Jahren den Rückkauf der Leuchten.“ Wie es bei Direktinvestments üblich sei, dürften die Anleger nichts mitbestimmen oder kontrollieren und außerdem ihre LED-Leuchten nur dann übertragen, wenn die Emittentin zustimme, so die Stiftung Warentest. Wenn sie eine Kontrolle der Mittelverwendung wünschten, müssten die Investoren dafür extra zahlen.

Die gemeinnützige Verbraucherorganisation erklärt weiter: „Wir halten die Vermögensanlagen-Informations­blätter (VIBs) für nur bedingt aussagekräftig. Sie beschreiben etwa die Interessenskonflikte aus der mehrschichtigen Kauf- und Mietstruktur nur unzureichend. Anleger müssen darauf vertrauen, dass sie alle Zahlungen pünktlich erhalten. Theoretisch und praktisch sei es im Insolvenzfall möglich, dass sie die Leuchten ausbauen und selbst verwerten, erklärt die Deutsche Lichtmiete. Einfach dürfte das nicht sein.“ Das Fazit von Stiftung Warentest lautet: „Als Geldanlage sind LED-Industrieleuchten nicht empfehlenswert.“ Wenn man dennoch in Beleuchtungstechnik investieren wolle, sollte man höchstens einen Betrag einsetzen, den man während der Laufzeit nicht brauche und dessen Totalverlust man verkraften könne.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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