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Publiziert in Wirtschaft

„Alter Wein in neuen Schläuchen“ oder strategischer Neustart?

Unternehmensentflechtung: weeCONOMY und FlexCom haben sich gesellschaftsrechtlich getrennt

Mittwoch, 17 Mai 2017 17:59 geschrieben von 
Das neue Spitzenteam der FlexCom: Peter Grünewald, Mirko Scheffler, Michael Scheibe (v.l.n.r.) Das neue Spitzenteam der FlexCom: Peter Grünewald, Mirko Scheffler, Michael Scheibe (v.l.n.r.) Quelle: FlexCom International AG

Luxemburg/Kreuzlingen – Die Liaison zwischen dem in Kreuzlingen in der Schweiz ansässigen Bonussystem-Anbieter weeCONOMY und der Luxemburger FlexCom erschien Beobachtern der Branche oftmals als ein Buch mit sieben Siegeln. Auch HESSEN DEPESCHE berichtete mehrfach – und das gewiss nicht unkritisch – über die beiden Kooperationspartner, die in der Öffentlichkeit ungern in einen Topf geschmissen werden wollten, obwohl eine gesellschaftsrechtliche Verbindung nie außer Frage stand.

Gegenüber unserem Nachrichtenportal beschrieb im vergangenen Jahr ein damals führender Manager der FlexCom das Verhältnis zwischen beiden Unternehmen wie folgt: Die FlexCom sei für die weeCONOMY AG eine Art Dienstleister, der etwa IT- und Marketing-Lösungen und -Kapazitäten zur Verfügung stelle, aber nichts mit dem Vertrieb des Produkts zu tun habe. Das Produkt, hinter dem die FlexCom als logistisches Rückgrat stehe, sei das Cashback-System „wee“.

Es steht zu vermuten, dass insbesondere weeCONOMY-Chef Cengiz Ehliz sehr daran gelegen war, das für Außenstehende oftmals undurchsichtige Konglomerat irgendwann formell aufzulösen. Der Vertriebsfachmann aus Bad Tölz strebt mit „wee“ derzeit massiv auf den deutschen und europäischen Markt und versucht, die Marke „wee“ durch strategisches Sport-Sponsoring und entsprechende Events zu emotionalisieren und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen (https://www.hessen-depesche.de/wirtschaft/cengiz-ehliz,-die-weeconomy-ag-und-der-boxsport.html). Als gewiefter und mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann war ihm offenbar schon lange klar, dass hier – zumindest unternehmenstechnisch – ein Schnitt vollzogen werden muss, zumal der FlexCom in der Vergangenheit nicht immer gute Presse beschieden war.

Dieser Schnitt wurde nun offenbar vollzogen, denn wie die FlexCom International AG am Dienstag mitteilte, habe man „in beidseitigem Einvernehmen“ beschlossen, die „gesellschaftsrechtliche Verflechtung der weeCONOMY mit der FlexCom“ aufzulösen. „Im Rahmen eines durchgeführten Management-Buy-Out haben verdiente Top-Manager das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg nun gekauft. Für die Vertriebsprofis der FlexCom ergeben sich hierdurch neue, global ausgerichtete Wachstumsperspektiven“, heißt es dazu in einer Erklärung der FlexCom.

Beide Gesellschaften profitierten durch die Trennung von zusätzlichen strategischen Optionen im Kern ihrer Geschäftstätigkeit, so das Luxemburger Unternehmen. Die FlexCom, die „bis dato die innovativen Produkte der Schweizer weeCONOMY AG erfolgreich in den Markt gebracht“ habe, setze dabei „weiterhin auf eine nachhaltige Globalisierung und den Ausbau der Spitzenstellung im Direktvertrieb“.

Gelingen soll dies mit dem neuen Trio Mirko Scheffler (46), Michael Scheibe (56) und Peter Grünewald (51) als Verwaltungsräte in Zusammenarbeit mit sieben Chief Sales Officers aus der Schweiz, Tschechien, Polen, Österreich, der Slowakei, den Benelux-Staaten und Slowenien. „Hierdurch gewährleisten wir einerseits den unmittelbaren Einfluss wesentlicher Märkte in die Weiterentwicklung unserer internationalen Strategie im Netzwerk. Und andererseits können wir so unsere Sales-Teams noch besser aufbauen und betreuen, ohne einen aufgeblähten Verwaltungsapparat und mit Lean Management“, erklärte Scheffler am Dienstag.

Die offizielle Trennung der beiden Unternehmen bedeutet allerdings nicht, dass man zukünftig nicht mehr zusammenarbeiten wolle. Dies deutete gegenüber HESSEN DEPESCHE ja bereits im März dieses Jahres Ehliz‘ Pressechef Tilmann Meuser an, als er uns mitteilte, dass jegliche strategische Unternehmensentscheidung, also auch einer offiziellen Entflechtung von weeCONOMY und FlexCom, „der Partnerschaft mit Michael Scheibe keinen Abbruch tun“ werde.

Die Erklärung von FlexCom-Erklärung spricht eine ähnliche Sprache. Darin heißt es zunächst: „Das globale Sales Team umfasst in derzeit 17 Ländern Europas, aber auch in Panama und Trinidad und Tobago sowie in der Türkei, rund 8.000 aktive Partner.“ Michael Scheibe wird dazu mit den Worten zitiert: „Selbstverständlich werden wir noch intensiver mit unseren langjährigen Geschäftspartnern zusammenarbeiten, beispielsweise um ein revolutionäres Cashback-System in der globalen Fläche zu verankern. Aber wir sind Unternehmer genug, um uns vorzustellen, dass wir unsere Kompetenzen auch in andere Projekte einbinden oder zusätzlichen Geschäftspartnern zur Verfügung stellen.“ Mit anderen Worten: Man arbeitet bei der Markteinführung von „wee“ weiterhin mit der weeCONOMY AG zusammen, aber man verschließt sich auch anderen potenziellen Kooperationspartnern nicht.

Bestätigt wird die Fortführung der Zusammenarbeit im weiteren Verlauf der Erklärung, wenn es heißt: „Alle Zeichen stehen auf Tatendrang: So plant die ‚neue FlexCom‘ bereits für 2017 mit einer erheblichen Steigerung der bereits in 2016 ambitionierten Ziele. So gilt es 100.000 Händler als wee-Partner und 10 Millionen Endverbraucher als Kunden für die weeCard und weeAPP zu gewinnen.“

Also nur „alter Wein in neuen Schläuchen“? Für FlexCom-Mitgründer Michael Scheibe ist das keineswegs so. Er verspricht: „Im Umgang mit den Partnern werde ich jetzt meine Philosophie noch mehr vertiefen. Mein Lebensmotto ist mehr zu geben als zu nehmen, immer mit Respekt und Wertschätzung gegenüber meinem Sales-Team. Wir alle möchten noch mehr Global Player werden, das beste Unternehmen für die Team-Partner.“ HESSEN DEPESCHE wird weiterhin beobachten, ob Scheibe diesem Anspruch gerecht wird – und ob die Entflechtung von weeCONOMY und FlexCom einen echten strategischen Neustart zur Folge hat.

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Michael Krug

Michael Krug (Jahrgang 1974) kam vor Jahren aus dem norddeutschen Hamburg nach Sachsen.

Seine alte und seine neue Heimat verbindet die Elbe. Heute pendelt er zwischen Dresden und Frankfurt am Main. Ursprünglich aus der volkswirtschaftlichen Richtung kommend, entwickelte sich der studierte Journalist zu einem Vollblutberichterstatter aus Politik, Medien, Lifestyle, Kultur und Wirtschaft. Seit Mai 2016 gehört er unserer Redaktion an.

Webseite: https://www.hessen-depesche.de/show/author/60-michael-krug.html
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