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Wieviel an Umsatz läuft tatsächlich bei 2000 Akzeptanzstellen für wee durch die Bücher?

wee und COOINX: Nun wirbt Emilie Raffo für Michael Scheibe und Cengiz Ehliz

Freitag, 11 Januar 2019 23:33 geschrieben von  Gabriela Clauter
Emilie Raffo und Michael Scheibe schwärmen für wee und für COOINX Emilie Raffo und Michael Scheibe schwärmen für wee und für COOINX Quelle: COOINX Werbespot aus dem Dezember 2018

Luxemburg - Die Digitalisierung des Einzelhandels federführend mitzugestalten, das ist das selbsternannte Ziel der beiden Unternehmer Cengiz Ehliz und Michael Scheibe. Letzterer ist hierbei mit seinem in Luxemburg ansässigen Unternehmen COOINX S.A. für das Thema "Kryptowährung" (wobei noch völlig offen ist, ob COOINX je einzuhalten vermag, was es vollmundig verspricht) zuständig, während Cengiz Ehliz als Gesicht der Marke „wee“ (vormals FlexCom) sich weiterhin der Verbreitung des Cashbacksystems widmet.

Beide Bereiche sollen miteinander verzahnt und die Marke „wee“ zu einem globalen Player entwickelt werden. Wie sich diese Verzahnung gesellschaftsrechtlich gestaltet, bleibt allerdings weiterhin nebulös, wird aber auch für die meisten potenziellen Networkmarketing Partner eher zweitranging sein.

Immerhin beweisen ihnen Cengiz Ehliz und Michael Scheibe durch ihren Auftritt immer wieder die Wirkung ihres Erfolgskonzeptes. Gerade erst Ende Dezember 2018 liessen sie über Veranstaltungen und soziale Medien verlautbaren, dass nun der 2.000-te Einzelhändler in München für wee gekürt wurde.

Betrachtet man die Stadt München auf der Karte jener "wee-App", so scheint sogar die gesamte Stadt mit Akzeptanzstellen gepflastert zu sein. Wieso sollte das Konzept also nicht auch in der Slowakei, in Polen oder in Kroatien funktionieren - alles Länder, in den wee besonders aktiv einwirbt? Der eigene Fleiß der Vertriebler erscheint ausschlaggebend. Bemüht man sich nur genug, so winken offenbar enorme Verdienstmöglichkeiten. Viele Millionäre will Cengiz Ehliz mit „wee“ bereits geschaffen haben. Ob er damit sich selbst, Michael Scheibe, oder früher auch Asker Sakinmaz dazu meint, bleibt offen.

Allerdings offenbart ein Blick hinter die Fassade des „wee“-Komplexes ein differenziertes Bild, wie zuletzt SACHSEN DEPESCHE in einer Reportage über das „wee“-Ladengeschäft im sächsischen Pirna berichtete (https://www.sachsen-depesche.de/wirtschaft-finanzen/„wee“-in-pirna-cengiz-ehliz,-michael-scheibe-und-mirko-scheffler-drehen-mit-mike-gerbig-offenbar-kein-großes-rad.html).

Aber es muss ja nicht überall so "hervorragend" laufen, wie in München. Man muss ja nicht selbst möglichst viele Akzeptanzstellen aufbauen, immerhin partizipiere man als Partner von „wee“ und oder „COOINX“ – wer weiß das so genau – an jener globalen Entwicklung und vor allem an der neuen Kryptowährung, die Cengiz Ehliz und Michael Scheibe so vollmundig loben.

Also dort Token kaufen und reich werden, so wie die frühen Bitcoin-Investoren?

Kürzlich warb Cengiz Ehliz sogar in diesem Zusammenhang mit einer Umtauschaktion von Aktien der Swiss Fintec Invest AG (ehemals wee.com AG) in Token des angekündigten ICOs.

Zur Erklärung: ICO ist die Kurzform von Initial Coin Offering. Mit dem Erwerb des in diesem Zusammenhang ausgegebenen Tokens erwirbt der Investor einen Eigentumsanteil oder Erlösanteil an dem jeweiligen Projekt, welches durch die Investition finanziert wird.

Das bedeutet das Konglomerat aus „wee“ und „COOINX“ erlangt durch die im Rahmen des ICO vertriebenen Token Geld, mit dem dann im Anschluss eine Kryptowährung generiert werden sollte. Im Prinzip ist es die Investition in eine Kryptowährung, die im eigentlichen Sinn zum Zeitpunkt des Handels noch nicht verfügbar ist. Ist das Projekt erfolgreich, so partizipiert man als Anteilseigner an dem Erfolg. Anderweitige Ansprüche gibt es kaum bei dieser unregulierten Form des Investments.
Die ganze Geschichte steht und fällt also mit dem Erfolg von „wee“ und dieses ist laut Emilie Raffo, die als Werbeträgerin kürzlich ins Gespräch gebracht wurde, ja „einfach nur mega genial“. Mit dieser Aussage wirbt Michael Scheibe seit kurzem auf seinem Blog.

Seit Mitte Dezember 2018 habe Scheibe mehrmals die Gelegenheit gehabt sich mit einer international bedeutenden Influencerin, einer ausgewiesenen Blockchain-Expertin, intensiv austauschen zu können. Emilie Raffo berät laut Michael Scheibe erfolgreich Startups in der Krypto-Branche, publiziert parallel als Autorin in Communitys zum Thema Blockchain-Technologien und Krypto-Branche. Emilie sei darüber hinaus „Hot Spot“ bei entsprechenden Kongressen, Symposien, Talks.

HESSEN DEPESCHE hat sich die Mühe gemacht und im Netz ein wenig nach der Emilie Raffo recherchiert. Die Seite cryptodisrupt.com findet man schnell. Genauso verhält es sich mit den entsprechenden Verlinkungen auf die auf YouTube veröffentlichten Interviews. Etwas erstaunt hat uns die "Reichweite" dieser Videos von zwischen 35 und 130 Aufrufen. Das ist stark unterdurchschnittlich, vorsichtig formuliert. Hier von einer "Influencerin" zu sprechen, könnte einem doch ein wenig gewagt erscheinen, insbesondere wenn man diese Zahlen mit den Reichweiten anderer Influencer im Blockchain Bereich vergleicht.

Ein Tim O'Reilly beispielsweise kann zum Teil Aufrufe im hohen fünfstelligen Bereich aufweisen. Auch auf anderen Plattformen, wie Facebook oder Twitter kann Emilie Raffo nach unseren Recherchen keine herausragende Fangemeinde hinter sich versammeln.

Mögen wir der charmant lächelnden Dame dennoch ihre Kompetenz nicht absprechen, wenn sie sagt: „Mit den bereits bestehenden Partnern im Einzelhandel und der realistischen Perspektive von 1 Million, multipliziert mit jeweils hunderten, tausenden an Konsumenten, bietet die „wee“-Infrastruktur, vernetzt mit den unendlichen Möglichkeiten der Blockchain-Technologie, einzigartige Möglichkeiten als viralisierendes Bezahlsystem“.

Mit einer realistischen Perspektive von einer Million Akzeptanzstellen, wäre diese Einschätzung vielleicht vertretbar. Im Hinblick auf die allein 2.000 Akzeptanzstellen bislang in München, wäre die Million weltweit vielleicht sogar realistisch. Soweit die 2000 Akzeptanzstellen in München den Tatsachen entsprächen. HESSEN DEPESCHE behält sich vor, dies bei einer anderen Gelegenheit ausführlich zu hinterfragen.

HESSEN DEPESCHE war unlängst in München und suchte einige dieser durch wee verlautbarten Akzeptanzstellen in Stichproben auf. Das Ergebnis war erschreckend. Kurz gesagt: Nicht jede von den angeblich 2000 Akzeptanzstellen in München wussten von ihrem Glück eine wee Akzeptanzstelle zu sein. Aber ein echter Maßstab können nur die Umsätze sein, die für wee in den angeblich 2000 Akzeptanzstellen realisiert werden. Doch diese Zahlen der Wahrheit hält wee bislang noch unter Verschluss. Anfragen durch HESSEN DEPESCHE blieben unbeantwortet.

Welche Umsätze von wee laufen bei genannten 2000 Akzeptanzstellen allein in München durch die Bücher?

Letzte Änderung am Samstag, 12 Januar 2019 01:53
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