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ICO, Token, Fragen

wee und COOINX: Wieso wird das whitepaper zum ICO durch Cengiz Ehliz und Michael Scheibe nicht transparent veröffentlicht?

Dienstag, 29 Januar 2019 03:25 geschrieben von 
 Was zaubern Cengiz Ehliz und Michael Scheibe mit wee und COOINX für Investoren noch aus dem Hut? Was zaubern Cengiz Ehliz und Michael Scheibe mit wee und COOINX für Investoren noch aus dem Hut? Quelle: HESSEN DEPESCHE

München - Die Kaufleute Cengiz Ehliz und Michael Scheibe werben europaweit kräftig für das Verbraucherbonussystem „wee“ und eine undurchsichtige „COOINX“. Zusammen will man MEHR sein und Investoren begeistern.

Für ein weiteres Projekt verzahnt sich wee mit COOINX um mit einem ICO einem weiteren Token auf die Beine zu verhelfen.

Ein ICO oder auch initial coin offering ist angelehnt an den Börsenstart eines Unternehmens – initial public offering. Ein IPO ist der Markstart, also die erste öffentliche Ausgabe von Aktien an der Börse. Anders als die IPO sind ICO eher vergleichbar mit einer Kickstarter-Kampagne. Für ein ICO stellt die Firma, die Organisation oder die Einzelperson ihre Idee für den Coin vor. Menschen investieren Geld und erhalten im Gegenzug Coins. Diese Coins sollen dann im Wert steigen – so der Wunsch derer die in ICO investieren.

Anders aber als bei einem Börsenstart sind diese ICO nicht reguliert. Somit sind in der Vergangenheit immer wieder Fälle öffentlich geworden, bei denen Betrüger nachdem Sie das Geld einsammelten von der Bildfläche verschwanden und Investoren mit einem absolut nutzlosen Coin zurückließen. Laut dem renommierten Branchenmedium Finance Monthly waren im Jahr 2017 rund 80% der ICO Betrugsmaschen und die 10 größten aufgedeckten ICO Betrugsfälle summieren sich auf einen geschätzten Schaden von 690 Millionen US Dollar, wobei der Pincoin iFan Betrug mit rund 600 Millionen US Dollar Schaden und 32.000 geprellten Investoren die einsame Spitze markiert.

Aus diesem Anlass lohnt es sich auch bei COOINX genauer hinzusehen. Das Wired Magazin hat eine deutsche Checkliste veröffentlicht, an denen jeder für sich selbst testen kann, ob ein ICO vielversprechend oder ein Betrug zu sein scheint. Diese Checklist diente auch uns zur Beurteilung von COOINX.

Zuerst einmal stellt sich die Frage nach dem Team. Das Team besteht auf den ersten Blick vorrangig aus dem Kaufmann Michael Scheibe, dieser ist in der Blockchain Szene jedoch gänzlich unbekannt. Vergleicht man ihn mit einer der wohl wichtigsten deutschen Gesichter der Blockchain Community, Jutta Steiner, so fällt auf, dass Michael Scheibe nie auf großen Branchenveranstaltungen oder Talks anzutreffen ist. Als CEO eines Fintech Unternehmens verfügt er weder über einen Instagram noch einen Twitter Account. Er findet in dem Branchenumfeld schlicht nicht statt. Die Rolle der „unabhängigen“ Influencerin Emelie Raffo, welche wee zum Jahresende besuchte, wurde bereits an anderer Stelle ausführlich aufgearbeitet. Auch hier tun sich Fragen auf.

Ein weiteres wichtiges Dokument um ein ICO und dessen Konzept einzuschätzen ist das Whitepaper. Ein Whitepaper, zu Deutsch Weißbuch beinhaltet den vollständigen Leistungsumfang und alle dafür relevanten technischen und buchhalterischen Meilensteine zum Erreichen des definierten Ziels. Ein gutes Whitepaper wird auf der Seite und auf allen Kanälen beworben, denn es definiert verbindlich die zu erreichenden Ziele und welche Hürden dafür genommen werden müssen. Sie definiert ein Endziel, welches es zu erreichen gilt. Ein lückenhaftes oder schlampig ausgearbeitetes Whitepaper ist ein starkes Indiz gegen ein ICO.

COOINX hat jedoch kein öffentlich auffindbares Whitepaper!

Ein kurzes dreiminütiges YouTube-Video eines weiteren COO-CSO von Wee setzt den WeePaycoin in Kontrast zum weeICO Token, welcher gleichzeitig das von COOINX beauftragte ICO ist. In dem Video ist außerdem davon die Rede, dass es sich bei dem angesprochenen ICO um ein Utility Token handeln soll. Ein Utility Token ist üblicherweise ein Tauschmittel mit dem innerhalb einer Blockchain eine Leistung erbracht wird. Dies wird von dem COOINX Team lapidar als „Bonus“ ausgewiesen. Das Token könnte laut Video als Ersatz für Transaktionsgebühren herhalten. Vorher war im Kontext von wee und COOINX nicht öffentlich von Transaktionsgebühren die Rede, ferner bleibt auch das Video den Beweis schuldig, wie sich dieses Utility Token genau verwenden ließe. Zusätzlich fehlen sämtliche Hinweise, in welcher Form sich das Produkt in das Portfolio von wee/COOINX zwängen soll und welche Rolle es inne hat.

Der nächste elementare Punkt zur Beurteilung eines ICO ist die Roadmap. Dieser „Zeitstrahl“ gibt alle zu erreichenden Meilensteine an und wo sich das Projekt gerade befindet. Typisch sind hier Testphasen, öffentliche Testphasen oder auch zu erreichende Finanzierungshürden. Zu ambitionierte Roadmaps können selbst seriöse Projekte zu Fall bringen.

Im Fall von COOINX fehlt die Roadmap ähnlich wie auch das Whitepaper gänzlich.

Nahezu wöchentlich warten wee und COOINX jedoch mit dem Erreichen von vorher nicht definierten Meilensteinen auf. Diese Nebelkerzen erschweren eine Beurteilung zusätzlich. Der wohl relevanteste Punkt ist jedoch die Transparenz und damit die Glaubwürdigkeit. An einer transparenten Kommunikationsstrategie lässt sich ein seriöser ICO am besten erkennen und ein schlechter am besten entlarven. Gute Ideen können sich bewehren, deswegen gibt es unzählige Fachmessen und Portale an denen Interessierte, Entwickler und Experten sich austauschen. Es gibt unzählige auf Crypto und Blockchain spezialisierte Medien. Keines davon hat je über COOINX oder wee berichtet. Nie hat sich wee oder COOINX an dem öffentlichen Exkurs beteiligt. Denn wer in der Szene im Scheinwerferlicht steht wird auch kritisch hinterfragt. Bis heute ist COOINX den Beweis schuldig geblieben ihr Konzept zu erklären.

Immer neue Firmen, Coins und Produkte blähen wee weiter auf und nichts und niemand vermochte bis dato Klarheit zu schaffen.

Die Macher hinter wee und COOINX verstreuen Informationen über verschiedenste Plattformen und verkünden auf diesen gerne Erfolge, welche nicht über die offiziellen Kanäle geteilt werden und daher in ihrem Wahrheitsgehalt zweifelhaft sind.

COOINX und wee werden immer stärker als Personenkult um Michael Scheibe und Cengiz Ehliz aufgebaut.

An die Stelle eines Business Plan sind die privaten Facebook Profile der beiden Hauptprotagonisten gerückt, welche mit Salamitaktik ab und an glorreiche Zahlen verkünden – ohne jede Grundlage.

Eine letzte Auffälligkeit, welche weiter an dem Geschäftsgebaren zweifeln lässt, ist eine fehlende Demo oder Musterbeispiele. Es gibt keine öffentlich einsehbaren Anwendungsbeispiele, kein definierten messbaren Mehrwert für den Kunden, keine Vergleichbarkeit mit Konkurrenten und kein Hinweis darüber wieviel Geld mit dem ICO eingesammelt werden sollte, ob dieses ICO bereits startete, oder beendet ist und welche Summe eingesammelt werden konnte und wofür dieses Geld verwendet werden soll.

So lange Michael Scheibe und Cengiz Ehliz diese Fragen nicht ausräumen können, kann man nur vor wee und COOINX eigentlich nur warnen.

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 Januar 2019 23:32
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Felix Deister

Felix Deister (Jahrgang 1993) fühlt sich in digitalpolitischen Themen am wohlsten und beendete 2018 sein Masterstudium. Ausführliche Recherchen und Datenjournalismus sind seine Leidenschaft.

Als gelernter Journalist lebt er das Leitmotiv von Hanns Joachim Friedrichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“

Felix Deister ist bekennender Sozialdemokrat und Spezialist für MLM und die Kryptogeschäftswelt.

Webseite: https://www.hessen-depesche.de/show/author/78-felix-deister.html
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