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Steigende Immobilienpreise auf dem Land

Wo man jetzt in Hessen noch bauen und kaufen sollte

Freitag, 22 März 2019 04:50 geschrieben von 

Frankfurt am Main - Die Immobilienpreise in den Großstädten steigen und steigen – ein Ende ist trotz diverser Unkenrufe in den letzten Jahren nicht in Sicht. Experten gehen für die Stadt Berlin etwa mittlerweile von einem „Megatrend“ aus, der noch auf absehbare Zeit in den nächsten Jahren anhalten dürfte.

In Thüringen teilweise Preisanstiege von 40 Prozent in einem Jahr

Auch Hessen verfügt mit dem Rhein-Main-Gebiet über einen hochattraktiven urbanen Lebensraum, in dem die Preise – vor allem im Epizentrum Frankfurt, wo sich Eigentumswohnungen allein im Jahr 2018 um mehr als 10 Prozent verteuerten – stetig in die Höhe klettern. Im Wohnatlas der Postbank wird nun festgestellt, dass mittlerweile sogar in den ländlichen Regionen abseits der Großstädte und ihrer Vorräume die Immobilienpreise stark steigen. So stiegen allein in Thüringen in einigen Landkreisen die Preise im Jahr 2018 um vierzig Prozent – in nur einem Jahr wohlgemerkt!

HESSEN DEPESCHE deckt Schnäppchenregionen in Hessen auf

Mittlerweile stellt sich auch für viele Hessen – insbesondere solche in Mehrpersonenhaushalten mit hohem Quadratmeterbedarf – die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Die HESSEN DEPESCHE hat verschiedene verfügbare Statistiken und Rohdaten ausgewertet und auf Basis derselbigen eine Grafik erstellt, die ein paar echte Schnäppchenregionen für Pendelwillige entlarvt.

Der Odenwald lockt noch mit bezahlbaren Preisen

Wer bereit ist, längere Wege in Kauf zu nehmen, der findet im Odenwald noch eine bezahlbare Preisstruktur vor. Trotz der zweifelsohne ländlichen Lage ist die Region auch verkehrstechnisch attraktiv. Darmstadt, Mannheim und Heidelberg lassen sich mit dem Auto (je nach Standort im durchaus recht großen Landkreis) in vertretbarer Zeit erreichen. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren möchte, sollte sich eher gen Darmstadt oder auch Frankfurt orientieren. Beide Städte werden von der „Odenwaldbahn“ der VIAS regelmäßig frequentiert und sind schnell erreichbar. Bei einer geschickten Standortwahl lassen sich Pendelzeiten von unter einer Stunde für einen Weg jedenfalls erreichen. Kein Pappenstiel, aber noch im Rahmen des mittlerweile Üblichen.

Wem das dennoch zu lange ist, der könnte im Main-Kinzig-Kreis fündig werden. Immobilien sind dort zwar deutlich teurer als im Odenwald, aber er ist dennoch insgesamt der günstigste direkt an Frankfurt angrenzende Kreis. Das ist jedoch kein Geheimnis mehr: 32.000 Pendler kommen von dort jeden Tag nach Frankfurt, so die „Stau- und Pendlerstudie 2018“ der IHK Frankfurt. Entsprechend voll sind Straßen und Bahnen.

Tote Hose im Vogelsbergkreis – dafür niedrige Preise

Hingegen noch günstiger als der Odenwaldkreis ist der Vogelsbergkreis, der aber eher für Pendler nach Gießen, Marburg oder Fulda attraktiv sein dürfte. Die Anbindung nach Frankfurt ist eher mäßig, stauträchtig oder im Fall von öffentlichen Verkehrsmitteln mit längeren Anfahrtszeiten verbunden. Der Vogelsbergkreis gilt als einer der demographisch am schnellsten schrumpfenden Landkreise Westdeutschlands und ist entsprechend strukturschwach. Außerdem gibt es im Kreis selbst keine größeren Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Wer all das verschmerzen kann und ein „Naturbursche“ ist, wird je nach Standort mit kurzen Pendelzeiten (mit dem Auto, versteht sich) und sehr günstigen Immobilien belohnt.

Waldeck-Frankenberg lockt mit mittelständischer Struktur

Im Nordwesten lockt auch der waldreiche Kreis Waldeck-Frankenberg mit günstigen Immobilienpreisen. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung arbeiteten 2015 knapp 60 Prozent der Kreisbewohner außerhalb ihrer Wohnortgemeinde. Ein klassischer Pendlerkreis ist Waldeck-Frankenberg dennoch nicht. Im Kreis selbst liegen mittelgroße Städte wie Korbach und mittelständische Unternehmen wie Viessmann sorgen dort für Arbeitsplätze. Vor Ort Arbeit zu finden könnte angesichts der unter dem hessischen Durchschnitt liegenden Arbeitslosigkeitsquote funktionieren – ansonsten sind allenfalls Marburg und Kassel erreichbar.

Nordhessischer Pendlertipp – der Werra-Meißner-Kreis

Ein echter Geheimtipp für pendelwillige Arbeitnehmer ist hingegen der Werra-Meißner-Kreis. Er ist genauso günstig wie Waldeck-Frankenberg oder der Vogelsberg, bietet aber je nach Standort im Kreis gleich drei größere Städte in der näheren Umgebung an. Im Norden liegt Göttingen, im Westen Kassel und im Südosten Eisenach.

Damit gehört der Werra-Meißner-Kreis neben dem Odenwaldkreis auch zu den beiden Kreisen, die für Investoren besonders interessant sind. Beide Kreise haben ein hohes Nachholpotential bei der preislichen Entwicklung und sind nah genug an urbanen Zentren, um die Nachfrage nach Wohnraum konstant hoch zu halten.

Wohnraumlage in Hessen sehr unterschiedlich: Klug entscheiden spart Geld!

Unterm Strich stellt sich die Wohnraumproblematik in Hessen damit ambivalent dar. Wer im Rhein-Main-Gebiet arbeitet und eine günstige Wohnung sucht, muss recht lange Fahrtwege auf sich nehmen. Dafür sollte dann wenigstens ein Landkreis als Wohnort gewählt werden, in dem ordentlich bei den Wohnkosten gespart werden kann. Gerade für Facharbeiter und Handwerker, die aktuell flächendeckend besonders gesucht sind, kann ein Blick auf ländliche Regionen lohnend sein. Wer bei einem mittelständischen Unternehmen wie etwa Viessmann in Waldeck-Frankenberg, Koziol im Odenwald oder ihren weniger bekannten aber ähnlich attraktiven Pendants im Vogelsberg- oder Werra-Meißner-Kreis einen wohnortnahen Arbeitsplatz findet, kann günstiges Wohnen mit kurzen Wegen und attraktiven Arbeitsplätzen verbinden.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Juni 2016 gehört er der Redaktion von HESSEN DEPESCHE an.

Webseite: www.hessen-depesche.de/show/author/62-robin-classen.html
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